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Hundeforum Der Hund
pyjimaus

Mieses Wetter, Mann im Urlaub - schlechte Stimmung (Achtung - sehr lang)

Empfohlene Beiträge

Hallo,

heute ist ein ganz schlimmer Tag und meine Laune ist im Keller. Es regnet ununterbrochen, mein Mann und meine Stieftochter sind heute für eine Woche nach Schweden gefahren und ich sitze hier und hadere mit meinem Schicksal :( Ich wäre sooooo gern mitgefahren, kann ich aber nicht, da ich keinen Urlaub nehmen kann.....ich habe nur noch ein paar Tage, die ich für die Weihnachtszeit benötige. Ach - alles Mist.

Selbst wenn ich mitfahren hätte können, hätte ich es nur mit einem schlechten Gewissen getan - meine Mutter ist sehr schwer krank - Lungenkrebs - und ich kümmere mich um sie (was ich gern mache). Und überhaupt - was ist das für ein Jahr - meine Mutter sollte "nur" zur OP, um die Ursache ihres Schlaganfalles zu beseitigen - Halsschlagader quasi auskratzen - und dabei wurde mal so nebenbei Lungenkrebs festgestellt und der Arzt sagte mir am Krankenbett nach ihrer OP - sie war noch benommen von der Narkose - dass sie nur noch zwei Monate zu leben hätte. Klatsch - einfach mal so im Vorbeigehen - er hätte das auf der Röntgenaufnahme gesehen..... Das war im Juni - so jetzt mal rechnen....sind immerhin schon 4 Monate. Dieser dumme Arzt - mir so etwas zu sagen ohne fundierte Diagnose. Ach, ich rege mich schon wieder soooooo auf und könnte heulen. Lange Geschichte mal kurz zusammen gefasst - Mama hatte schon seit knapp einem Jahr massive Probleme mit dem Essen, konnte nichts bei sich behalten und auch nicht richtig schlucken.

Sie hat über 30 kg abgenommen in 7 Monaten! Immer wieder bei den Ärzten gewesen, ich mehrfach mit und auch schon richtig Druck gemacht über die Krankenkasse - aber immer wieder die gleiche - EINFACHE - Diagnose Magenschleimhautentzündung aufgrund einer ASS-Unverträglichkeit. Ich konnte das nicht glauben, habe aber leider auch nicht die medizinische Ausbildung, um dies widerlegen zu können. Naja - das Ende war dann ein riesiger Tumor in der Lunge, der direkt an der Speiseröhre liegt und ihr dadurch das Leben schwer macht. Mittlerweile hat der Tumor natürlich fröhlich gestreut und meine Mutsch hat Metastasen auch in den Nieren etc..

Für unsere Familie brach die Welt zusammen - ich war ein reines Nervenbündel, habe nur noch geheult, wenn sie nicht dabei war. Meine Mutsch war echt tapfer - auf einmal war sie die Starke. Nur wollte sie partout keine Chemotherapie machen! Mittlerweile hatten wir GsD bereits die Klinik gewechselt und die Ärzte dort haben sehr vernünftig und einfühlsam mit uns allen gesprochen, uns genau erklärt, was jetzt auf uns zukommt etc. Meine Mutter weigerte sich aber immer noch, eine Chemo zu machen. Bis mir der Kragen geplatzt ist - "Du musst das ausprobieren! Du weißt doch gar nicht, wie du darauf reagierst. Und wenn es schlimm ist, können wir immer noch abbrechen!" Das hat endlich funktioniert und sie kam heraus aus ihrer Lethargie. Sie verträgt die Chemo wider erwartend gut und überraschenderweise schlägt sie sehr gut an. Inzwischen klingen schon so leise Töne wie Bestrahlung (vorher seitens der Ärzte zwecklos, da keine Heilung möglich) und wir schauen mal nächstes Jahr im Sommer etc. bei uns an - meine Mutter entwickelt auch immer mehr Lebenswillen. Aber trotzdem macht es mich total fertig - sie ist erst 62 Jahre alt und war immer sehr selbstständig - und jetzt helfe ich ihr täglich im Haushalt nach meiner Arbeit, koche für sie etc. (wir wohnen in einem Zweifamilienhaus).

Trotz der Erkrankung meiner Mutter waren mein Mann und ich diesen Sommer in Schweden - wir mussten uns dort dringend um unser Haus kümmern, da wir einen Wasserschaden hatten und ein neues Badezimmer "bauen" mussten, zudem musste ich unbedingt aus dieser momentanen Situation raus für eine Weile, sonst wäre ich kaputt gegangen. Während unseres Urlaubs haben sich mein Bruder und seine Freundin um Mutsch gekümmert. Diesmal hatten wir unseren Hund Leo ausnahmsweise auch nicht dabei, da wir ihm die lange Autofahrt nicht mehr zumuten wollten. Er war schon länger kränklich, wir waren sehr oft mit ihm beim Tierarzt, da er seinen Urin nicht mehr halten konnte, träge wurde etc. Im stolzen Alter von 12 Jahren haben wir ihn dann aufgrund seiner Prostatavergrößerung operieren lassen. Nach der OP ging es ihm relativ schnell wieder besser, aber so ganz der Alte wurde er nicht mehr.

Bevor wir nach Mjällom aufgebrochen sind, waren wir extra noch mal bei einem anderen Tierarzt, damit er sich den Dicken noch mal anschaut und durchcheckt - ich hatte solche Angst um meine Morchel, weil ich bereits merkte, dass irgendwas nicht mit ihm stimmt. Aber auch dieser Tierarzt fand nichts außer der Prostatavergrößerung, die bereits am abklingen war und teilte uns mit, dass Leo sehr fit wäre für sein Alter und wir beruhigt in den Urlaub fahren könnten. Wir brachten den Dicken am nächsten Tag zu seiner "Hundepension" (eine sehr, sehr nette Dame vom Tierschutz, die eine private Auffangstation hat, aus der ich damals Leo abholte und mit uns eine Sonderregelung getroffen hatte, dass wir Leo gern bei ihr für kurze Zeit abgeben können - Krankheit oder Urlaub unsererseits). Normalerweise freute sich Leo immer "wie Bolle", wenn wir zu Karin fuhren....diesmal war es ganz anders - er wollte wieder mit uns kommen. Mein Mann beruhigte mich aber (ich heulte schon und wollte Leo mitnehmen, da ich ein gaaaaaaanz schlechtes Gefühl hatte) damit, dass wir hoch fahren MÜSSEN und es eine sehr lange Fahrt für die Morchel wäre, die ihn unnötig anstrengen würde. Ich willigt schließlich ein, da er ja wirklich Recht hatte und ließ Leo schweren Herzens dort. Wir hielten den gesamten Urlaub mit Karin Kontakt - und Leo war zwar ruhig, aber sonst ging es ihm relativ gut.

Als wir ihn dann abholten - ein Schock am Abend (nach über 24 Stunden Autofahrt unsererseits). Seine Hinterläufe schwollen unglaublich an und er bekam plötzlich hohes Fieber - wir zum Nottierarzt - Antibotika, Cortison, Schmerzmittel. Irgendwelche Keime würden das verursachen - nichts ungewöhnliches. Am nächsten Morgen - ich hatte ihm zusätzlich die ganze Nacht hindurch Wadenwickel gemacht - wir zu unserem Tierarzt - gleiche Auskunft und Beruhigung von seiner Seite. Okay - wir wieder heim - Leo konnte kaum laufen geschweige denn selbstständig aufstehen. Ich nachmittags beim Doc angerufen - was sollen wir machen? Einschläfern lassen, er quälte sich wirklich? - der Doc verneinte, sagte, dass es nichts Gravierendes wäre und wir nur etwas Geduld haben sollten. Mein Mann gab sich damit zufrieden - ich fühlte, dass das nicht sein kann - Leo war sehr, sehr krank. Die Nacht wieder kaum geschlafen (ich sah schon aus wie ein Zombie) und Wadenwickel gemacht. Beim Hund auf dem Boden gelegen, jeden Atemzug überwacht etc. Am nächsten Morgen lief plötzlich Blut aus seinem Maul ohne erkennbare Verletzung - PANIK - sofort zum Doc - alles untersucht - Röntgen, Ultraschall, großes Blutbild etc. - kein Befund, nichts. Wieder nach Hause mit Leo, da es ihm in der Tierarztpraxis deutlich besser ging - bis auf das Blut, die Pfoten waren deutlich abgeschwollen, er konnte wieder selbstständig laufen, gefressen hatte er auch etc.

Mein Gefühl sagte mir aber etwas ganz anderes - er wollte gehen. Tagsüber lag er nur noch rum, konnte seinen Urin nicht halten, hob gerade mal den Kopf, wenn ich ihn ansprach - es zeriss mich einfach, ihn so zu sehen. Mein Mann gab die Hoffnung aber nicht auf, da Leo noch fraß, der Doc auch sagte, dass es wieder wird, Leo keine Schmerzen hätte etc..

Abends legte ich mich zu meinem Fellgesicht - unter Tränen und völlig am Ende - und habe ganz ruhig mit ihm geredet - habe ihm gesagt, dass er gehen könne, es okay wäre, wenn er uns allein lässt, ich nur möchte, dass er sich keine Sorgen um uns macht. Ich weiß, dass ihr mir das nicht glauben werdet - aber er hat mich ganz genau verstanden und hat seinen Kopf in meinen Schoß gelegt und wir haben uns sehr lange einfach nur angeschaut, Abschied genommen. (Ich heule schon wieder, wenn ich daran denke - er fehlt mir sooo unendlich). Mein Mann kam dazu, wir redeten lange miteinander und er stimmte mir dann zu, dass Leo gehen will. Wir legten uns beide zu ihm, umarmten ihn und uns, hielten uns fest und er schlief dann ganz ruhig ein und ging über die Regenbogenbrücke, während wir uns alle festhielten. Weinend lagen mein Mann und ich noch eine Weile bei ihm - es war das Schlimmste und auch das Schönste (wenn ihr versteht, was ich meine), was ich bisher erlebt habe. Leo hat nur auf uns gewartet, gewartet, bis wir wieder bei ihm sind, bereit sind, ihn gehen zu lassen - er war unglaublich. Mein Seelenhund - diesen Ausdruck habe ich hier im Forum gelesen und er trifft es zu 100 %.

Einige Wochen tiefster Trauer folgten, in denen mein Mann und ich uns plötzlich einsam fühlten und sehr viel gemeinsam geweint haben (ja, mein Mann auch, von dem ich das nie vermutet hätte) - unser Haus war leer, kein Hundegeschnarche mehr, kein Gassigehen, keine Gumminase, die in deine Hand stupst etc.. Wir waren einfach nur unglaublich unglücklich und beschlossen dann (mein Mann, weil ich so traurig war - ich, weil mein Mann so traurig war:D), uns wieder auf die Suche nach einer Fellnase zu begeben. Wir suchten eine Weile, bis wir unseren Morty fanden, der nun seit dem 18. August bei uns lebt und der genau die richtige Entscheidung war - er ist ganz anders als Leo, somit nicht vergleichbar und dadurch einfach perfekt. Ein toller kleiner Hund, der von uns heiß und innig geliebt wird und wieder den Sonnenschein zurück in unser Haus gebracht hat. Meiner Mutter tut er auch sehr gut - sie schnappt sich ihn ab und zu, um mit ihm in den Garten zu gehen. Dort wirbelt er um sie rum, klaut ihr etwas aus dem Gartenkorb und bringt sie zum Lachen.....die beiden haben zusammen eine gute Zeit und sie hat eine kleine Aufgabe mit unserem Welpen.

So - sehr, sehr viel geschrieben und mir ein bisschen meine Sorgen von der Seele "geredet" - entschuldigt bitte.....

Lieben Gruß

Mini

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Ich hock jetzt hier und heul einafch mal ne Runde mit! Ich wünsche Dir viel Kraft!

Liebe Grüsse

Chris

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Oh Mann, Mini, mir liefen die Tränen bei Deiner Geschichte. Soviel in so kurzer Zeit, es ist einfach unfaßbar.

Meinen ganz großen Respekt, wie Du das alles schaffst :respekt:

Und sag Deiner Mama, es gibt immer Hoffnung, auch wenn sie noch so gering ist.

Mein Lebensmotto lautet: Es geht weiter.....

:kuss:

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Ich sitze hier und hab Gänsehaut am ganzen Körper und Tränen in den Augen...

:respekt: für die Kraft die Du aufbringst um das alles zu schaffen!

Auch wenn man mehr als einmal sagt "Ich kann nicht mehr, ich kann einfach nicht mehr" findet man dennoch wieder einen Funken der einem hilft diese enorme Kraft aufzubringen.

Ich wünsche euch alles Gute! :kuss:

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*schluck* Das ist ja echt heftig! Das tut mir ganz doll leid! Ich wünsche Dir, Deiner Mutter und der ganzen Familie ganz viel Kraft zum Durchhalten und Kämpfen!!!

:knuddel

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fühl dch mal gedrück ... ja das jahr ist irgendwie extrem scheiße !

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Ohne Worte... :(

Ich sitze auch hier und heule. Die Geschichte hat mich sehr berührt.

Ich wünsche dir und deinem Mann in nächster Zeit viel Kraft, toll, dass es euch mit Monty besser geht!

Ich drücke auch deiner Mutter die Daumen, dass sie noch ganz lange unter euch sein kann und dass Monty ihr auch ganz viel Kraft schenkt!

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Ich sitze hier und kann mich nicht einkriegen - heul mir die Augen ausm Kopf. Die Geschichte ist so bewegend und ich wünsche mir wirklich ganz ganz doll, dass meine Tiere später auch mal so friedlich von mir gehen und zwar mit mir.

Das mit deiner Mutter tut mir sehr sehr leid und ich freue mich, dass sie noch eine so schöne, bestimmt noch lange, friedliche Zeit hat.

Alles Gute und Kopf hoch!

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Vielen Dank von Euch für die lieben Worte!

Heute geht es mir auch schon wieder besser, das dunkle Tief vom gestrigen Abend hat sich ein wenig verzogen. Manchmal wird es mir einfach zu viel - und da war ich froh, mir alles einmal von der Seele schreiben zu können.

Wir (meine Mutsch, Morty und ich) waren heute mittag gemeinsam am Strand. Meine Mutter wartete zwar im warmen Wagen, während die Gumminase und ich uns durch den Regen gekämpft haben, aber sie war immerhin mit und hat sich über den kleinen Ausflug und den nassen, vom Toben erschöpften Hund sehr amüsiert.... Solche Tage gewinnen in unserer momentanen Situation eine enorme Bedeutung, die ich sonst wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen hätte. Es gibt immer Schönes im Schlimmen......

@DieDiva - ich durfte mein Leben bereits mit vier Hunden teilen (Bernardiner, Irish Terrier, Leo und jetzt eben Morty), von denen drei nun leider gestorben sind. Es ist immer sehr schwer, aber mit Leo war es bisher am schlimmsten und am "schönsten" - weil er nun mal mein Seelenhund war. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du deine Fellgesichter bei ihrem Weg über die Regenbogenbrücke so wie wir begleiten kannst, denn das ist etwas, was für immer bleiben wird und es vielleicht ein wenig einfacher macht.....aber hoffentlich ist erst bei euch in ganz, ganz ferner Zukunft soweit.

Lieben Gruß von der Ostsee

Mini

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Ich kann nur sagen wie sehr mich deine Geschichte berührt und mit weinen lies.

Wunderschön finde ich aber was für kleine Dinge du mit deiner Mutter und deiner Fellnase wahrnimmst und genießen könnt.

Ich wünsche euch ganz ganz viel Kraft und das dieses Jahr bald vorbei ist!

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