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Clicker / Missverständnisse

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Top 10 der Missverständnisse zum Thema Clicker-Training:

1. "Clicker-Training ist ausschliesslich positiv"

Keine Trainingsmethode ist "ausschliesslich positiv". Leute die sagen, dass sie "ausschliesslich motivierende" oder "ausschliesslich positive" Methoden anwenden, sagen lediglich aus, dass sie nicht gern Strafe verwenden - wer tut das schon? Es ist nicht so, dass Clicker Trainer keine aversive Kontrolle ausüben, aber die Reihenfolge ist anders. Beim Clicker-Training wird aversive Kontrolle generell nicht benutzt, um Verhaltensweisen zu kreieren. Benötigte Korrekturen werden fast immer am Ende des Lernzyklus angewendet, wenn der Hund die Verhaltensweise bereits beherrscht. Wenn diese Reihenfolge korrekt angewendet wird, werden Sie überrascht sein, wie selten Ihr Hund Korrektur braucht - aber es wird immer mal eine Zeit kommen, in der dem Hund klar gemacht werden muss, dass Gehorsam nicht "optional" ist.

2. "Clicker-Training wurde von Delphin-Ausbildern erfunden."

Nein. Die ersten Leute, die operante Konditionierung aus dem Labor mit nach draussen nahmen, waren Keller und Marian Breland, zwei Studenten von B. F. Skinner, in den 1940ern - und zwar mit Hunden. Es dauerte bis zur Mitte der 1950er Jahre, bis Keller Breland die Ausbildung von Meeressäugetieren erfand. Ja, beide Ausbildungstypen haben ähnliche Ursprünge, aber "Hunde sind keine Delphine". Zum Beispiel können Meeressäugetiere zu jeder Zeit während der Ausbildung und während der Vorführung verstärkt werden - wie in einem Obedience-Wettkampf, während dem man Leckerchen im Ring benutzen darf. Es ist sehr selten, dass Delphine oder Wale mehr als vier oder fünf Verhaltensweisen ohne Futterbelohnung zeigen - und normal für Hunde, lange Zeitspannen zu arbeiten ohne Futter. Es gibt genügend fundamentale Unterschiede in den Erwartungen dieser beiden Trainingswelten, um das direkte Übertragen der Ausbildungweise von Meeressäugern auf Hunde teilweise oder ganz scheitern zu lassen bzw., dass dabei nicht das volle Potential des Hundes ausgeschöpft wird.

3. "Man kann mit dem Clicker einem Tier einfach alles beibringen."

Nein, es gibt Grenzen. Hunde haben instinktive Verhaltensweisen, die durch keine Art von Konditionierung vollkommen kontrolliert werden können (und, meine Damen und Herren, ich habe im Laufe der Jahre meinen Anteil an Hunden kennengelernt...). Die Vorstellung, dass Clicker-Training einfach alles erreichen kann, ist gewöhnlich die Wunschvorstellung von jemandem mit begrenzten Erfahrungswerten. Die Hoffnung, dass Clicker-Training "alles" kann, missversteht die Wichtigkeit dieser Methode. Und es gibt einige bemerkenswerte Dinge, die nur passieren, wenn der Clicker oder sein Äquivalent benutzt werden - mehr davon später.

4. "Clicker-Trainer benutzen Leckerchen, Leckerchen und immer noch mehr Leckerchen als das Mittel, gewünschtes Verhalten zu verstärken."

Nein. Nahrung ist ein hervorragendes "Werkzeug" für viele Situationen, aber stösst an auffallende Grenzen. Ein gewitzter Ausbilder benutzt Stimmlage, mit hoher Stimme gesprochenes Lob, Zuneigung, Bälle, Quietschspielzeug oder alles andere, wofür sein Hund gern arbeitet. Die Tendenz, sich auf Nahrung als Verstärker zu verlassen, ignoriert die Tatsache, dass ein einziger Verstärker keinen Hund jederzeit motivieren kann.

5. "Man kann keine Clickerschule mit mehreren Leuten und Hunden machen, weil all diese Clicker die Hunde verwirren."

Da ich solche Clickerschulen seit Jahren halte, muss ich bei diesem Missverständnis immer ein wenig lächeln. Hunde können besser hören als wir, und sie lernen sehr schnell, auf den Click ihres Menschen zu hören und die anderen zu ignorieren. Eine Nebenwirkung dieser erzwungenen Unterscheidung ist der, dass innerhalb weniger Schulungseinheiten durch Clicker ausgebildete Hunde sehr auf ihren Menschen konzentriert sind - weil sie es sein müssen. Wenn Sie weiterhin Bedenken haben, dass mehrere Clicker in einer Hundeschule die Hunde verwirren, ist mein Ratschlag, sich an den Nike-Werbeslogan zu halten: "Just do it!"

6. "Ein Clicker ist ein schlechtes Ausbildungs-Werkzeug, da man es ja nicht mit in den Ring nehmen darf."

Es ist wichtig, sich zu verdeutlichen, dass ein Clicker ein "Konstruktionswerkzeug" ist, kein "Ausführungswerkzeug". Von dieser Warte her ist es dasselbe wie mit Leinenkorrektur im Wettkampf - beide Werkzeuge erzeugen Verhaltensweisen, aber sie sind nicht Teil der Ausführung. Mit dem Clicker in den Ring zu gehen hat Ähnlichkeiten damit, zu einem Galaabend zu gehen mit Klopapier am Schuh. Wenn Sie glauben, Sie brauchen den Clicker im Ring, dann ist es wahrscheinlich zu früh für Sie, in den Ring zu gehen!

7. "Ein Wort ("fein", "ja", "fertig") wirkt genauso gut wie ein Clicker."

Nein. Es gibt immer noch Leute, die eine Allergie gegen Clicker haben, auch wenn sie wissen, wie gut Clicker funktionieren. Nachdem ich sowohl Worte als auch Clicker mehrere tausend Mal benutzt habe, kann ich Ihnen versichern, dass der Unterschied zwischen dem Clicker und einem Wort leicht zu beobachten ist. Die Essenz dieser Methode ist das Benutzen eines präzise zeitnahen (getimten) Signals, um gutes/erwünschtes Verhalten zu markieren. Worte sind viel weniger effizient als "Verhaltensmarkierer" als ein klares, schnelles Geräusch, wie ein metallenes Click. Das heisst nicht, dass Clicker-Trainer immer und in jeder Ausbildungssituation einen Clicker benutzen. Ich werde davon berichten, auf welche Art der Clicker funktioniert, und warum er nicht immer das beste oder einzige Werkzeug ist.

8. "Einen Clicker zu benutzen, um ein instinktives Verhalten wie Hüten oder den Beisstrieb zu modifizieren, wird den Trieb des Tieres kaputtmachen."

Nein. Alle Ausbilder benutzen instinktive Verhaltensweisen als Grundlage für ihre Ausbildung. Hüte- genau wie Schutzhundtrainer modifizieren instinktive Verhaltensweisen die ganze Zeit, sie nennen es nur anders, z. B. "Triebaufbau". Egal, wie Sie es nennen, solange Sie genau wissen, wie der Clicker zu benutzen ist, um dem Hund Informationen zu geben, solange wird die Motivation (Beutetrieb etc.) weiterhin funktionieren, um ihren Hund zu guter Leistung zu motivieren. Der Clicker ist übrigens ein tolles Werkzeug für die Feinabstimmung eines triebstarken Hundes, der kaum unter Kontrolle ist.

9. "Hunde, die mit Clicker ausgebildet werden/wurden, sind unzuverlässig und zeigen ständig irgendwelche Verhaltensweisen, so dass man nie weiss, wann sie das falsche Verhalten zeigen werden, nur um an ein Leckerchen zu kommen."

Es stimmt, dass während der Ausbildung mit Clicker diese Hunde oft mehr in den Lernstufen variieren als "traditionell" ausgebildete Hunde - das ist eine der Stärken dieser Methode. Aber das Benutzen von Korrekturen und Verstärkern, um ein erlerntes Verhalten zu erhalten, unterscheidet sich nicht bei den beiden Methoden, d. h., wenn der Hund während einer Vorführung anfängt, irgendwelche unerwünschten Verhaltensweisen zu zeigen, dann sagen Sie einfach "Nein". Der Hund wird bald lernen, dass Kreativität nur während des Lernens gefragt und bei der Vorführung Präzision angesagt ist. Zum Thema Verlässlichkeit: Es gibt einige mit dem Clicker ausgebildete, FEMA zertifizierte Search and Rescue Dogs (Rettungshunde) und einige hundert clickerausgebildete Diensthunde. Verlässlichkeit hat nicht wirklich etwas damit zu tun, ob während des Trainings der Clicker oder Leckerchen benutzt werden. Wie mit allen Trainingsmethoden hängt die Verlässlichkeit davon ab, wie gut der Ausbilder die Ausbildung mit dem Temperament des Hundes unter einen Hut bringen konnte.

10. "Clicker-Trainer sitzen nur rum und warten darauf, dass der Hund ein Verhalten zeigt."

Im Leben nicht. Clicker-Trainer legen grossen Wert darauf, effiziente Wege zu finden, um das gewünschte Verhalten passieren zu lassen. Clicker-Training hat Target-Sticks ins Obedience-Training gebracht, um die Wartezeit auf das "aus Versehen" perfekte "Voraus" zu verkürzen. Ewig auf irgendeine Verhaltensweise zu warten ist nicht meine Vorstellung von effizienter Ausbildung.

Nach einem guten Dutzend Jahren und ca. 3 000 Hunden mit Clicker-Training respektiere ich die Kraft des Clickers, erwünschtes Verhalten zu shapen - und genauso habe ich auch die Grenzen des Clickers kennengelernt. Mein Ziel ist es, Werkzeuge zu bieten, die helfen können, eine objektivere Sicht dieses neuen Werkzeugs zu erlangen und Vorschläge zu machen, seine Kraft zu nutzen.

Die Essenz des Clickerns

Hundeausbildung erfordert Selbstbewusstsein und Selbstbewusstsein bildet Meinungen - etwas, wovon wir Hundeausbilder eine Menge haben. Erfolgreiche Ausbildung erfordert auch, dass wir wissen, was funktioniert und was nicht. Dabei sind dann die Meinungen nützlich. Beispielsweise wenn eine Meinungsumfrage unter Hundeausbildern gemacht würde, würde man herausfinden, dass Clicker-Training entweder das Beste seit Menschengedenken ist - oder aber eine dümmliche Modeerscheinung. Irgendwo zwischen diesen beiden extremen Meinungen liegt eine Trainingsperspektive, die einige einzigartige Einsichten bietet - aber es ist keine Magie.

Wenn Sie einen Blick auf diese mittlere Ebene des Clicker-Trainings werfen wollen, sollten Sie dieses einfache Experiment ausprobieren. Nehmen Sie einen Ball und halten Sie ihn auf Armeslänge von sich. Dann lassen Sie den Ball fallen und versuchen genau dann "feiner Hund" zu sagen, wenn der Ball auf halber Strecke ist.

Wenn Sie Schwierigkeiten hatten, das Lob zeitgleich mit dem Erreichen des Mittelpunkts der Strecke zu sagen, ist nicht Ihr Timing schuld. Um diesen exakten Punkt der halben Ballstrecke zu markieren, haben Sie drei Alternativen, zwei davon bringen nichts. Erstens können Sie anfangen, "feiner Hund" zu sagen, bevor der Ball in der Mitte ist. Zweitens können Sie genau dann anfangen, "feiner Hund" sagen, wenn der Ball den Mittelpunkt erreicht, um dann ca. 1/2 Sekunde, nachdem der Ball auf dem Boden aufgeschlagen ist, damit fertig zu sein. Drittens, Sie müssen "feiner Hund" unglaublich schnell sagen. Wenn man dazu gezwungen wird, sich auf die wenigen Notwendigkeiten der Zeiteinhaltung zu halten, versuchen die meisten Leute sofort, die Länge des von ihnen benutzten Signals, dass das korrekte Verhalten markiert, zu kürzen. Und das ist der erste Grund, warum ich den Clicker benutze - es ist schneller und potentiell akurater als mündliches Lob, um Informationen zu übermitteln.

Jede Ausbildungsmethode versucht, zwei fundamentale Verhaltensaspekte zu koordinieren - Information und Motivation. Die effektivsten Methoden geben dem Tier die Informationen, die es braucht, um die ihm gestellte Aufgabe zu verstehen und verbinden das Verhalten mit einer Motivation, die verlässliche Ausführung sichert. Die Vor- und Nachteile einer Ausbildungsmethode werden klar, wenn man Ausbildung von dieser Warte aus betrachtet.

Zum Beispiel wird verbales Lob meist benutzt, um Motivation zu bieten für ein korrekt ausgeführtes Verhalten. Wir verstehen intuitiv, dass der Gebrauch von Lob direkt nach einem Verhalten gewöhnlich dazu führt, dass dieses Verhalten wieder gezeigt wird. Das Lob hilft dem Tier zu verstehen, dass das Ausführen eines bestimmten Verhaltens zu einer angenehmen Dosis menschlicher Aufmerksamkeit und Zuneigung führt. Wenn man Motivation erhalten oder aufbauen möchte, ist dies die perfekte Art, verbales Lob zu benutzen. Während Lob gut funktioniert, um Motivation zu bieten, ist es ein schwierigeres Werkzeug, um Informationen zu geben, wie ein Verhalten ausgeführt werden soll.

Um zu verstehen, wie wichtig es ist, ein effizientes Informationssignal zu haben, stellen Sie sich vor, dass Sie einem nicht ausgebildeten Hund ein neues Verhalten lehren. In den frühen Stufen des Lernens irgendeines Verhaltens ist der Hund vom Ausbilder abhängig, dass dieser ihm klare Signale gibt, um unterscheiden zu können, welcher Teil des Verhaltens zu Erfolg oder Misserfolg führt. Jeder Erfolg führt zu wichtiger Information, welches mit dem spezifischen Verhalten verbunden wird - so wie das richtige Einlegen eines weiteren Puzzleteils in ein Puzzle. Je schneller der Hund die Information verstehen bzw. verarbeiten kann, desto schneller wird das Verhalten ausgereift sein und Teil des Repertoirs des Hundes werden. Der Hund benutzt das Timing des Lobsignals, um zu wissen, wie das nächste Puzzleteil eingefügt werden muss. Wenn Sie zurückdenken an unser Experiment mit dem Fallenlassen des Balls, werden Sie sehen, dass, wenn es Ihr Ziel ist, Informationen zu geben, wie ein Verhalten ausgeführt werden soll, dann muss das Signal, dass Sie benutzen, sehr schnell sein, je schneller, desto besser.

Obwohl Geschwindigkeit ein wichtiger Teil des Informationssignals ist, ist sie nicht das einzige Kriterium, das ein gutes Infosignal ausmacht. Die Dinge, die ein gutes Infosignal ausmachen, stehen im Verhältnis zum Tier, der Ausbildungsaufgabe und der Umgebung. Zum Beispiel bringen Geräusche als Infosignal nichts, wenn der Hund sie nicht hören kann. Desgleichen sind Handsignale nutzlos, wenn der Hund nicht gut sehen kann oder das Verhalten erfordert, dass der Hund vom Menschen wegsieht. Nachfolgend ein einfacher Weg, um zu entscheiden, ob ein Signal das Beste ist, um Ihren Hund Informationen zu übermitteln.

Sofort/Zeitgleich: Das Signal muss im Zusammenhang mit dem korrekten Verhalten gegeben werden können. Das Timing des Signals sagt dem Hund, welches Verhalten er behalten soll.

Erkennbar: Ob ein visuelles Zeichen, ein Geräusch oder ein Geruch als Informationssignal dient, es muss leicht erkennbar sein, auch über Hintergrundgeräuschen sowie anderen visuellen Reizen und Gerüchen in der Umgebung. Wenn die Sonne von hinten kommt, werden Handsignale vor ihrem Körper sozusagen in der Silhouette verschwinden.

Schnell: Um ein Verhalten zu markieren, dass vielleicht nur eine Zehntelsekunde andauert, muss das Signal auch in einer Zehntelsekunde gegeben werden können.

Wenn das Infosignal nicht einzigartig und konsistent ist, wird der Hund gezwungen, sich auf das Signal statt auf sein Verhalten zu konzentrieren. Es sollte so sein, dass der Hund an nichts anderes denken braucht als an die Information über das Verhalten.

Wenn Sie sich daran gewöhnt haben, in diesen Parametern zu denken, können Sie anfangen, die Signale, die Sie geben, um ihrem Hund Informationen zu übermitteln, zu bewerten. Zum Beispiel benutze ich für fast alle ernsthafte Ausbildung einen Clicker. Er passt zu den oben angegebenen Regeln besser als alles andere, was ich bisher gefunden habe. Das heisst aber nicht, dass ich immer den Clicker benutze. Bei der Arbeit auf Distanz ist der Clicker nicht so gut wahrnehmbar, da benutze ich eine Pfeife. Wenn ich taube Tiere ausbilde, benutze ich Handsignale als "Clicker".

Wenn ich gerade keinen Clicker dabei habe, sage ich einfach "fein". Auch wenn das verbale Infosignal nicht so schnell ist wie der Clicker, so ist es doch zeitnah, ausser, ich kaue Kaugummi oder unterhalte mich.

Am besten fängt man mit Clicker-Training an, indem man erkennt, dass der Clicker einfach nur eine Aufbauhilfe ist wie jedes andere auch. Clicker-Training ist keine Magie, auch wenn die Ergebnisse manchmal so erscheinen.

Um Clicker-Training zu lernen, muss nicht das gesamte Wissen über "was funktioniert" und "was funktioniert nicht" aufgegeben werden.

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