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Hundeforum Der Hund
Bärenkind

Traumberuf Hundetrainer? Wenn man zum Zünglein an der Waage wird!

Empfohlene Beiträge

Letzte Woche wurde ich zu einer Familie gerufen, die als Ersthundehalter einen 1,5 Jahre alten Labrador-Mix aus dem Tierschutz zu sich genommen hatten. Der Hund war zu diesem Zeitpunkt 4 Tage bei ihnen.

Die Vorgeschichte des Hundes, ich nenne ihn hier einmal Max, soll keine große Rolle spielen, da sie unauffällig und undramatisch ist, so weit bekannt.

Am Telefon wurde mir bereits gesagt, dass sie den Hund innerhalb von 4 Wochen "zurück geben" könnten, sofern sie nicht mit ihm klar kämen. In den 4 Tagen hatte er bereits 3 unterschiedliche Männer angeknurrt und auch danach unmittelbar in die Luft geschnappt. Auch das neue Herrchen hate dies bereits erlebt.

Bei meinem ersten Besuch stand jedoch an der Türe kein Labrador-Mix, sondern ein Malinois mit Labrador-Ohren. Ich habe in den ersten Stunden einiges getestet, sein Selbstbewusstsein, seine Reizschwelle, seine Kommunikation mit mir und mit Sherlock, habe mir seine Menschen angeschaut, habe meine Rassediagnose gestellt und einfach einige Basics erzählt und gezeigt.

Beim zweiten Termin haben wir viel Theorie besprochen und ein Abgruchsignal aufgebaut. Bereits hier habe ich bewusst die Konfrontation mit Reiz/Futter und Bodyblock eingebaut, um zu sehen, wie er auf diesen Interessenskonflikt "ich will zum Futter, der Mensch verbietet es mir durch ein Signal plus Körper" reagiert. Völlig unauffällig.

Beim dritten Termin waren wir an der Leine und Schleppleine draußen, arbeiteten an der Leinenführung und testeten das Führungsmanagement im Angesicht von anderen Hunden. Es war zu sehen, dass er sich schnell hoch fährt und nur ungern vom Reiz fern halten lässt, also eine starke Motivation nach vorne entwickelt. Die Körpersprache der beiden Hundehalter war sehr unterschiedlich. Herrchen zaghaft, Frauchen klar. Somit kam es bei Herrchen zu keinem großen Konflikt mit dem Hund, jedoch schaffte er es auch nicht, den Hund so zu führen, dass er nicht mit richtig Körperkraft halten musste.

Beim vierten Termin arbeiteten wir erst an der Straße, da ihn Autos, Laternenpfähle, flatternde Fahnen und eine Dekowindmühle ziemlich fertig machten. Er war bereits einmal dem Herrchen in Panik an der Straße aus dem Halsband entwichen und fort gerannt. Auch hier sah ich, schnelles hochfahren in eine Reizlage, die ich vom Arbeiten mit Malinois kenne. Wir arbeiteten über Ruhe und Sicherheit geben durch den Körper.

Danach wollte ich noch einmal in die Tiefe gehen, was die Führarbeit im Angesicht fremder Hunde an der Leine betraf, zeigte noch einmal die Körperkorrektur durch das Abdrängen mit dem Körper und schaffte zunächst künstliche Reize durch Futtermotivation, bevor ich Sherlock als "echten" Reiz aus dem Auto holte.

Und dann isses passiert. Herrchen war nicht richtig deutlich im körpersprachlichen Aussprechen des Verbotes "Du gehts nicht zu Sherlock", Max war der Ansicht, nö, ich will da hin, und knurrte und schnappte wieder. Ich nötigte Herrchen, die Arbeit zuende zu bringen, was er auch gut schaffte, aber ich merkte, dass bei ihm die Lampen ausgegangen waren und er sich distanzierte.

Im Anschluss wollte er von mir wissen, ob ich ihm prognodstizieren kann, ob ER mit diesem Hund eines Tages so weit klar kommen würde, dass er keine Angst mehr vor dem Schnappen haben muss und sich insgesamt in dem Hund sicher sein kann. Herrchen ist übrigens beruflich viel unterwegs, so dass er tagelang außer Haus ist, was ich in diesem Fall nicht unwichtig finde.

Puh...

Die Familie wollte sich nach meinen Aussagen in Bezug auf das, was ich gesehen hatte und in dem Hund sehe, zurück ziehen, beraten, drüber schlafen und dann entscheiden. Mit einem sehr traurigen Gefühl ging ich dort weg, da ich mich als Zünglein an der Waage fühlte und mein Kopf und mein Bauch noch nicht im Einklang waren. Zuhause angekommen telefonierte ich ausgiebig mit Paige, die für mich "die" Malinois-Kennerin schlechthin ist, und schilderte den Fall.

Mein Konflikt war: Sehe ich in dem Verhalten des Hundes die Spitze eines Eisberges, oder mache ich aus einer Mücke einen Elefanten.

Leider wurde durch die Gedanken von ihr aus meinem Gefühl Gewissheit: SIE, also Frauchen, wird mit Max problemlos klar kommen, für Herrchen und Kind bleiben Risiken, die ich in Verbindung mit den gesehenen Reaktionen auf verschiedene Reize als ziemlich hoch einstufen würde.

Heute bekam ich nun den Anruf, dass Max wieder zurück gebracht wurde und dass sie zwar alle sehr traurig sind, aber auch froh, so schnell und klar zu einer Entscheidung gekommen zu sein. Der Hund passte zu einer Person von dreien aus einer Familie, die an einem Strang ziehen möchte, und ich bin mir heute sicher, dass ich die Spitze eines Eisberges gesehen hatte. Sie erzählte mir dann heute auch noch, dass sie im Haus bei Kleinigkeiten bereits deutlich mehr Energie als in den ersten Tagen aufwenden musste, um ihre Wünsche oder Verbote durchzusetzen, was mich in meiner Einschätzung bestärkte, dass Max sich mehr und mehr aklimatisierte und die Entwicklung schwierig geworden wäre.

Selten spüre ich so einen extremen Druck, so eine große Verantwortung, wenn es darum geht, Menschen objektiv zu beraten und quasi in die Zukunft sehen zu müssen. Es tut mir sehr leid für Max, denn er hätte dort ein traumhaftes Zuhause gehabt. Ich wünsche mir für ihn Menschen, die trotz seiner (vermutlich erlernten) Kommunikation über Aggressionsverhalten zu führen wissen. Er ist ein toller Hund, der sicher viel Freude machen wird, wenn man ihn zu nehmen weiß und sich das Führen eines Malinois zutraut. Es wäre schön, wenn er nicht wieder als Labrador-Mix in die Neu-Vermittlung ginge, damit nicht die nächste Familie glaubt, sie bekäme einen entspannten Familienhund.

Musste mir das einfach mal von der Seele schreiben.

Danke fürs Durchhalten bis hierher.

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Ich glaube, ich hätte ein Problem damit, wenn der Hundetrainer, dem ich eigentlich vertraue hier im Forum "meine" Geschichte erzählen würde....finde ich schade.

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Ups, warum glaubst Du, Barah, dass das jemanden verletzt? Es ist doch niemand "Schuld" an dem, wie es gekommen ist. Oder liest Du aus dem Beitrag etwas in diese Richtung?

LG Anja

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Doch, es ist jemand schuld: nämlich derjenige, der einen Mali als einen Labradormix an gutgläubige und gutmeinende Leute vermittelt.

Meiner Meinung nach nicht nur unfair, sondern sogar hochgradig gefährlich!

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@ Barah, es wurden doch weder Ort noch

Namen genannt.

Genauso hätte es auch sein können, dass Anja bei mir war.

@Anja.... meine Anerkennung, aber auch du hast irgendwo

Grenzen.

Zweifel deshalb nicht an dir selbst, ganz sicher

hast du dein Bestes versucht.

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(bearbeitet)

Hallo Anja,

das ist ja heftig, was so eine Fehleinschätzung (einfach mal die Rasse falsch gedeutet) des Tierheims an Auswirkungen haben kann. Ich glaube auch das passiert sehr, sehr oft! Auch deuten Tierheime das Verhalten von Hunden oft falsch, z.B. ein Hund ist sehr aggresiv gegenüber anderen Hunden, in meinen Augen sah es einfach nach Unsicherheit und Angst aus. Sehr schade.

Die Familie hat wirklich großes Glück gehabt jemand fachkundiges zu Rate gezogen zu haben. Und es ist der Familie auch hoch an zu rechnen sich sofort Hilfe zu holen und dann eine klare und ehrliche Entscheidung zu treffen.

Stehst du der Familie in Zukunft noch beratend zur Seite?

Deine Auffassungsgabe finde ich im übrigen beneidenswert :) Viele andere Hundetrainer hätten bestimmt einiges falsch gedeutet. Ich stelle mir das sehr, sehr schwierig vor. Zwischendrin hab ich an einer Stelle schon gedacht, 'Max' beißt sein Herrchen! Super, wie gut du solche Situationen erkennen und einschätzen kannst! :respekt:

@Barah: es stehen doch keine Namen da! Alles total anonym!

@meiwa: meinst du das Tierheim macht sowas absichtlich? Ich hab manchmal das Gefühl, die wissen es echt nicht besser.

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ich finde es okay das du es hier geschrieben hast, schließlich hast du noch nichtmal den echten Namen des Hundes genannt.

Fatal finde ich die Rasseeinschätzung desjenigen der den Hund vermittelt hat.

Ich mein, ich bin nun wirklich ne Rasse Identifizier Niete - ABER so wie du es schreibst sah man den Mali doch sehr sehr deutlich ...

Gut, ne Vermittlung als DSH Mix hätte ich noch verstanden bei nem Laien .. aber auch nicht bei jmd. aus dem Tierschutz der sich eigentlich doch wenigstens ein bisschen mit Rassen auskennen sollte, oder ?

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Wautzi: ja, ich habe den Verdacht, dass sie das absichtlich machen. Damit ist nicht explizit dieses Tierheim gemeint, aber ich bin sicher, dass es welche gibt, die es so handhaben, um vermeintliche "Dauerinsassen" schneller unters Volk zu bringen.

Und wenn man einen Mali nicht von einem Labrador unterscheiden kann, sollte man sich mit Rassebeschreibungen besser zurückhalten.

Man hätte "Max" ja auch einfach "Mischling" nennen können, wenn man es nicht genau weiß.

Denn das Wort "Labrador" impliziert für viele Menschen Gutmütigkeit, Familientauglichkeit etc.

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Ich glaue nicht, daß dieses körperliche Bedrängen für alle Hunde gut ist. Mein Hund würde sich davon bedroht fühlen. Ich komme doch mit meinen Worten deutlich weiter

In Burbach habe ich deine Vorführung gesehen.Du hast deinen Hund erst mit Futter gelockt und als er es nehmen wollte , bist du auf ihn zu gestürmt und hast ihn geblockt. Ich fand diese Art deinem Hund gegenüber echt unfair

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Stehst du der Familie in Zukunft noch beratend zur Seite?

Ja, klar. Es hat sich in der kurzen Zeit eine ganz tolle Chemie zwischen uns entwickelt. Die war eigentlich sofort da. Sie sind auch von der Art der Arbeit, wie es gelaufen ist, total begeistert.

Dieser Beitrag soll wirklich niemanden schlecht machen, oder ein Geheimnis an die Öffentlichkeit zerren. Die Familie geht mit dem, was gelaufen ist, auch total offen um. Niemand muss sich verstecken. So zumindest ist meine Einschätzung.

Wollte nur meine Gefühle zum Ausdruck bringen, wie schwer es sein kann, Zünglein an der Waage zu sein. Gestern ging es mir wirklich mies.

LG Anja

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