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Hundeforum Der Hund
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Frage zu: Tiere aus dem Ausland

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Hallo zusammen

Man liest ja immer wieder, auch hier, dass man dringend Pflege oder Endstellen für Hunde aus dem Ausland sucht die evtl auch in einer Tötungsstation sitzen.

Aber auf was muss man sich einstellen, wenn man so einen Hund zu sich nimmt, der ja wirklich schlimmes durchgemacht hat?

Ist das nicht eher was für Profis? Sind diese Hunde nicht extrem verhaltensgestört?

Gibt es hier jemand der sich einen Hund aus einer Tötungsstation geholt hat?

Wie war das?

Würde mich über Euer Geschichten und Meinungen sehr freuen.

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Hi,

das kann man so pauschal nicht sagen. Kommt drauf an wie stark der Hund traumatisiert ist.

Ob er überhaupt traumatisiert ist.

Ich kann nur von meinem Fall sprechen. Sajana kommt aus einer Tötung in Griechenland.

Ihr Vertrauen in Menschen war gleich Null.

Sie ließ sich weder anfassen noch sonstwas. Sie kannte nichts. Keine Leine, kein Halsband oder Geschirr, keine Wohnung, keine Treppen - gar nichts!

Das war ein sehr sehr langer Weg des Vertrauensaufbaus. Da braucht es Zeit und Geduld und Liebe und noch mehr Geduld und noch mehr Liebe.

Sajana ist jetzt seit 3 Jahren und 3 Monaten bei mir. In manchen Situationen merkt man es ihr immer noch an.

Aber sie ist ein Kuschelhund geworden - sie geht jetzt gerne spazieren - alles was für einen "normalen" Hund selbstverständlich ist, ist für sie jetzt auch selbstverständlich.

Ich hab noch keine Minute bereut, sie aufgenommen zu haben.

Aber es war nicht einfach. Ganz und gar nicht.

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Das heisst aber dann ja schon, dass man schon dringend Hundeerfahrung braucht oder? Und viel mehr Zeit als bei einem "normalen" Hund?

Aber man sagt ja auch dass diese Hunde richtig dankbar sind..kannst du das auch bestätigen?

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(bearbeitet)

Das kommt auf den Hund an. Es kommen auch Hunde aus der Tötung, die sofort "angekommen" sind. Wo Du wenig Arbeit mit hast.

Sajana war ein Extremfall.

Ohne Hundeerfahrung hätte es bei ihr nicht funktioniert.

Es gibt aber durchaus auch "einfachere" Hunde aus dem Ausland.

Für weniger hundeerfahrene Menschen würd ich empfehlen, wenn einen Hund aus dem Ausland, dann von einem Verein, der vorher die Hunde beobachtet und schon was zu ihrem Charakter sagen kann.

Wenn sie direkt aus der Tötung ins neue Zuhause kommen, dann sind es halt "Überraschungs-Eier", bei denen man auf alles gefasst sein muss.

Kann sein, der Hund lebt sich problemlos ein - kann aber auch sein, Du hast erstmal mit reichlich Macken zu kämpfen.

Das ist wirklich bei jedem Hund völlig unterschiedlich und eine pauschale Aussage ist unmöglich.

Edit: Dankbar - das Wort passt nicht zum Hund find ich.

Das kann ich so nicht sagen. Saja ist glücklich und zufrieden. Genauso wie meine anderen drei Hunde.

Sie ist anhänglicher. Aber sonst gibts keinen Unterschied.

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Kann mich da Stef nur zu 100% anschließen.

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Hallo,

wir hatten bzw.haben 2 Auslandshunde.Eine Italienerin,die im Alter von 14 Wochen zu uns kam und panische Angst vor Männern hatte.

Mein Mann hatte ca.4Wochen zu kämpfen bis Ronja sich einigermassen zutraulich zeigte.

Ihr Mißtrauen fremden Männern gegenüber blieb aber lebenslang bestehen.

Jetzt haben wir Kira aus Ungarn,die im Alter von 9 Monaten zu uns kam.

Wir haben keine besonderen Probleme,die andere Halter von "inländischen "Hunden nicht auch haben.

Eines haben wir nie gemacht,wir haben die Hunde nicht bedauert,dass sie so Schlimmes durchgemacht haben.

Sie haben es jetzt gut und das zählt,Mitleid und Bedauern hilft ihnen erstmal nicht weiter.

Wir versuchten ganz normal mit ihnen umzugehen,um ihnen die Eingewöhnung zu erleichtern und es klappte wunderbar.

Beide Hunde kamen über Pflegestellen nach Deutschland,so dass wir uns im Vorfeld schon informieren konnten.

Wir haben unseren Entschluß nicht bereut und würden immer wieder einem Tierschutzhund ein Zuhause geben.

LG;Petra

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Hallo

ich bin (das erste Mal)Pflegestelle für einen Hund aus Spanien.

Eigentlich musst Du dich auf alles erdenkliche einstellen.

Die wenigsten Hunde sind stubenrein,manche sind sehr ängstlich und man weiß ja nie was sie schon alles durchgemacht haben.

Unseren Pflegi haben wir im Dezember 09 bekommen,er war sehr abgemagert und hat sich zwar über Streicheleinheiten gefreut aber es war ihm alles nicht ganz geheuer.Ganz wichtig war erstmal eine Vertrauensbasis aufzubauen.

Wir haben ihm dann erstmal Zeit gelassen damit er ankommen kann,für ihn war es vielleicht auch etwas einfacher weil ich schon einen Hund habe und er sich an ihm ein wenig orientieren konnte und kann.Ich habe ihn per Hand gefüttert (mein Freund traut sich nicht)und mache es auch jetzt noch zwischendurch(anfangs musste ich sehr auf meine Finger aufpassen damit er die nicht gleich mitfuttert ;) )Wo wir auch ein wenig aufpassen mussten war wenn er tief und fest eingeschlafen war und sich durch unser vorbeigehen erschrocken hatte,hat er wie wild um sich geschnappt.Je größer das Vertrauen wurde umso weniger wurden diese "Schnappattacken"(er hat nie jemanden erwischt,es war dieses wilde Luftschnappen)

Mittlerweile hat er sich auch sehr gut an meinen 1 1/2 jährigen Sohn gewöhnt,er ist fast Kinderlieber als mein eigener Hund :)

Unser Pflegi hatte keine großen Probleme sich an die Wohnung zu gewöhnen er ist auch gleich am ersten Tag die Treppen gelaufen.Er liebt Auto fahren,hat keine Probleme mit dem Besuch beim Tierarzt und ist auch sonst ziemlich gelassen geworden.Er hat aber immer noch Angst vor plötzlichen Knallgeräuschen(wenn einem was runter fällt),Staubsauger ist etwas unheimlich aber nicht so schlimm,Föhn interessiert ihn gar nicht.

Ob man dafür Profi sein sollte kann ich nicht sagen aber Erfahrung sollte man denke ich schon ein wenig haben.

Ich kann für mich nur sagen das wenn ich meinen Pflegi als Ersthund gehabt hätte,alleine daran verzweifelt wäre(ich spreche hier von mir weil mein Freund zwar Hunde mag sich aber aus Erziehung,Pflege usw. vollkommen raus hält).Das wäre ohne Hilfe von außen wahrscheinlich total schief gegangen.

Es ist viel Arbeit aber ich würde es immer wieder machen. :D

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Meine kleine kommt auch aus der Tötungsstation Griechenland, sie ist im April geb. das einzige was ich weiß ist das ihre Mutter und ihre Geschwister früh getötet wurden.

Sie war sehr klein als sie ihre Mutter verlor ,ist irgend wo in Griechenland in einem Zwinger gehalten worden und dann Anfang August im TH Solingen gelandet.

Wir haben sie Ende Sep. geholt.

Sie hatte Angst vor der Dunkelheit und vor Händen die schnell auf sie zukommen.

Jetzt ist sie einfach nur eine kleine ,verschmuste ,liebe süße Maus.

Ein paar Problemchen gibt es noch aber die sind belanglos.

Sie ist anhänglicher als mein verstorbener Rüde und na wie soll ich es ausdrücken....verrückter.

Ich liebe sie.

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Tango kommt auch aus Spanien, als ich ihn bekam war er sehr ängstlich und es hieß er habe speziell vor Männern Angst. Stubenrein war er von Anfang an.

Als er zu mir gebracht wurde, zog er sich als erstes auf sein Kissen das schon bereit lag zurück und ward nicht mehr gesehen. Agressiv war er nie, auch Angst-Schnappen kam nie vor. Bis auf Gassi gehen ging dass so etwa 3 Tage lang.

Ansprache meinerseits ja, Bedauern nein.

In der folgenden Woche taute er auf und wurde neugierig, allerdings bei jedem neuen Geräusch die Flucht ergreifend. Das dauerte so 3 Wochen dann war der Bann gebrochen.

Heute hat er schon viel gelernt, geht an der Schlepp bei Fuß, rennt nur noch selten in die Leine und läßt sich sogar beim Spiel mit anderen abrufen.

Es wird sicher andere geben bei denen es nicht so einfach läuft.

Egal woher der Hund kommt, die eine oder andere Baustelle wird es immer geben. Sie sind genau solche Individuen wie wir auch und jeder benötigt seine eigene Ansprache, Auslastung und Erziehung

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Ich kenne aus unserem Tierheim einige Hunde, die aus dem Ausland aus Tötungsstationen geholt wurden oder dort aus dem Tierheim im Ausland kommen. Und es ist kein einziger Hund dabei über den ich etwas Schlechtes sagen würde. Hier mal die Beispiele meiner Lieblingshunde:

Vico: Labrador, wurde in Rumänien 13 Jahre lang als Kettenhund zum Bewachen des Hauses gehalten, als er alt war und Artrose bekam, kam er in die Tötungssation. Er ist vom Wesen her absolut nur freundlich und lieb, mag andere Hunde, Katzen und Menschen.

Agu: Podenco aus Spanien, wurde eines morgens im hohen Alter hochtragend, halb verhungert mit 2 gebrochenen Beinen vorm Tierheim im Gebüsch gefunden. Sie hat sich im Tierheim monatelang nicht aus ihrem Innenzwinger raus getraut, ist nicht stubenrein. Mittlerweile lebt sie in Deutschland in einer Pflegestelle. Sie traut sich problemlos in den Garten zu gehen. Spazierengehen ist ihr aber noch nicht so ganz geheuer. Vom Wesen her wieder nur lieb und super verträglich. Klar wäre sie gleich nach Deutschland gekommen und hätte man sie dort in eine Stadtwohnung untergebracht, es gäbe wohl Probleme.

Max: 1 jähriger Schäferhund aus einem rumänischen Tierheim. Er liebt alle Menschen so sehr, dass er sie nicht mehr loslassen will, sprich: Er hält einen dann am Arm fest, wenn man weg gehen will oder versucht einen am Arm nach draussen zu ziehen, damit man mit ihm spazieren geht. Er meint das natürlich nicht böse, aber es tut bei einem Schäferhund schon verdammt weh und er lässt sich nur schwer abschüttel oder haut einem auch mal voll die Phote ins Gesicht. Ausserdem ist er im warsten Sinne des Wortes "umwerfend". Ich denke aber, sowas legt sich, wenn er merkt, dass er nicht mehr unter 150 anderen Tierheimhunden um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

Cesbi:

Husky aus Spanien, er kam aus einem Tierheim zu uns. Er wurde dort alt, taub und blind abgegeben. Er lässt sich nicht anfassen, weswegen er mittlerweile aussieht wie ein Schaaf nach einer Sturmflut. Spazierengehen ist mit ihm nicht möglich, das braucht er aber auch nicht mehr in seinem Alter. Ich besuche ihn 1x die Woche im Tierheim und pflücke ihm mal hier mal da die Tennisballgrossen Knoten aus dem Fell, dann will er zwar irgendwann zuschnappen, wenn er das bemerkt, aber seine Reaktionen reichen nicht mehr aus um mich auch nur annährend zu erwischen. Er sieht mich ja auch nicht. Nur, wer nimmt so einen Hund schon?

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