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Ist eine gute Prägungsphase wirklich so ausschlaggebend?

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(bearbeitet)

Hallo,

folgende Frage beschäftigt mich:

Es wird immer geschrieben, wie außerordenlich wichtig eine gute Prägung und Sozialisierung eines Hundewelpen für dessen späteres Leben, für sein Zusammenleben mit Mensch und anderen Hunden, sei.

Eine gute Prägung und Sozialisierung kann ja eingendlich nur bei einem verantwortungsvollen Züchter oder bei einer ebensolchen Aufzucht (Ups-Wurf oder so) stattfinden. Eben wenn diese Phase bewußt gelenkt wird, Kontakt zu Menschen, Kindern, anderen Hunden, verschiedenen Lebenssituationen .... .

Besonders aus diesem Grund hatte ich mich für einen Welpen entschieden und mir sein Zuhause genau angeschaut.

Nun haben aber viele Hunde aus dem Tierschutz. Die Herkunft der Hunde ist dort meinst ungewiß, bei vielen Hunden kann man davon ausgehen, dass diese nicht nur possitive Erfahrungen oder sogar ganz furchtbare Erfahrungen mit den Menschen machen mußten. Besonders bei Hunden aus dem Ausland, die halbverhungert oder weggeworfen am Straßenrand oder in Mülltonnen gefunden werden.

Dann müßten diese Hunde doch eigendlich hoch problematisch sein?

Ich kenne aber viele Mixe aus Auslandstierheimen (teils mit bekannten schlimmen Vorlgeschichten) und das sind wirklich nette und unkomplizierte Hunde, die dies aufgrund der oben gemachten Aussage eigendlich gar nicht sein dürften.

Was nun? Ist die Prägephase nun sooooooo wichtig oder nur bei manchen Hunden?

Gruß Chris

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Hallo Chris,

ich hatte nie einen Hund aus dem Tierschutz - kann daher dazu nichts sagen.

Aber ich habe hier einen Hund, der erst mit 16 Wochen zu mir kam, und eine nicht optimale Aufzucht beim Züchter hatte. Und einen Hund mit sehr viel besseren Bedingungen beim Züchter - den ich auch schon mit 9 Wochen bekommen habe, und dessen weitere Prägungsphase ich sehr bewusst gestaltet habe.

Meinen älteren Rüden zu dem Hund zu machen, der er jetzt ist, war ein grosses Stück Arbeit, daß ich freiwillig nicht noch einmal machen wollte. Und nach wie vor sind - zumindestens für mich und Leute, die wissen, wo seine Defizite liegen - die Problembereiche immer noch erkennbar. Auch wenn er super gelernt hat und mittlerweile mit vielen Dingen super klar kommt.

Gestern hatte ich mit einem Vereinskollegen ein Gespräch darüber, wie die ersten Erfahrungen des Welpen mit seinem Besitzer - die ersten Stunden mit dem neuen Besitzer - das weitere Verhältnis prägen. Wir haben festgestellt, daß wir ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Er hat z. B. einen Hund, mit der er die gesamte sportliche Ausbildung gemacht hat - und sich auch sonst viel mit dem Hund von Welpenbeinen an beschäftig hat. Beim Abholen vom Züchter hatte aber seine Frau den Hund auf dem Schoss. Dieser Hund tendiert klar zu seiner Frau.

Ein zweiter seiner Hund hat die Fahrt der Abholung auf Rat der Züchterin alleine in der Box im Auto verbracht. Mein Vereinskollege ist heute der Meinung, daß diese Erfahrung - wo der Hund alleine mit seinen Problemen in dieser Situation gelassen wurde - die Grundtendenz des Hundes sich eher nicht am Menschen zu orientieren, verstärkt hat.

Mir selber ist erst vor kurzem bewusst geworden, daß die Ersterfahrung meines jüngeren Rüden mit mir - eben die lange Autofahrt in der ich über längere Zeit ruhig und geduldig (allerdings nicht wirklich bewusst) ihn immer wieder davon abgehalten habe im Auto rumzuklettern, weil ich wollte, daß er ruhig auf meinen Schoss hockt (anders geht eine Autofahrt auch schlecht ...) mit dazu geführt hat, daß dieser Hund bis heute (er ist jetzt 3) keine grösseren Diskussionen mit mir geführt hat. Er hat mit 9 Wochen die Erfahrung gemacht, daß ich den längeren (ruhigen) Atem habe - und das scheint er bis heute nicht in Frage zu stellen. (Wobei ich davon ausgehe, daß er in der Grundtendenz auch ein Hund in diese Richtung ist.)

Ich glaube, daß eine möglichst optimale Prägungszeit etwas sehr sehr wertvolles ist und dem Hund und den Menschen mit denen er lebt das Leben sehr sehr erleichtert.

Grüsse,

Claudia

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Nun haben aber viele Hunde aus dem Tierschutz. Die Herkunft der Hunde ist dort meinst ungewiß, bei vielen Hunden kann man davon ausgehen, dass diese nicht nur possitive Erfahrungen oder sogar ganz furchtbare Erfahrungen mit den Menschen machen mußten. Besonders bei Hunden aus dem Ausland, die halbverhungert oder weggeworfen am Straßenrand oder in Mülltonnen gefunden werden.


http://www.polar-chat.de/topic.php?id=49514&goto=962567

Ja, aber die Betonung liegt auf "NICHT NUR" Ein Hund der nie positive Erfahrungen mit Menschen gemacht hat, der wird auch nur sehr schwer eine Beziehung zu Menschen herstellen. Hat er aber welche machen können, wird es leichter.

Ausserdem kommt es noch darauf an, wie der Hund die negative Erfahrung verknüpft. Wird er von einem Auto angefahren und liegen lassen, dann war das zwar ein Mensch, aber das weiß der Hund nicht.

Sehr viele Strassenhunde waren mal Haushunde, wurden dann lästig und sind einfach vor die Türe gesetzt worden.

Der Charakter des Hundes spielt auch noch eine Rolle.

Da spielen so viele Faktoren mit, so einfach ist das alles gar nicht. Sicher ist aber, ein Hund der eine gute Kinderstube hatte wird sicher leichter durchs Leben zu führen sein, als einer der keine hatte.

Gruß Iris

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Wir haben unsere Lady mit vollen 5 Monaten bekommen und sie kannte nichts bis auf die 45 qm Wohnung und den Kellerraum in dem die Wurfkiste stand.

Dazu noch ihr Charakter.

Unser Hund wird immer eine Baustelle bleiben und es wird auch immer mal wieder Rückschritte geben.

Pauschal kann man das aber sicher nicht beurteilen.

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Huhu,

man kann auch einen Hund mit problematischer Vergangenheit einigermaßen auf den richtigen Weg bringen.

Es dauert halt nur länger.

Mein Hund hatte auch nen totalen Knall, als sie zu mir kam...teilweise hat sie den immernoch, aber es viel besser geworden.

Ich hab mich mal mit Martin Rütter unterhalten. Ich wollte von ihm wissen, ob ich diesen, meinen Hund wieder "normal" bekomm.

Er meinte ganz klar NEIN! Denn wnn die Prägephase mal vorbei ist und die Synapsen "geschlossen" sind, kann man da nix mehr machen, das "Fehlverhalten" sei drin im Hund.

Heute muss ich sagen...das die Aussagen von ihm völliger Quatsch waren. Wenn ich mir meinen Hund anschau, dann muss ich immer schmunzeln, wenn ich an seine damaligen Worte denke ;)

Klar, es gibt Dinge, die vergisst ein Hundehirn nie. Aber das sind dann meist Traumatas und dagegen kann man nicht wirklich viel machen.

e015.gif

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nicht alle Auslandshunde sind geborene Straßenhunde, die keinen Menschenkontakt hatten. Viele sind ganz normal aufgewachsen, wurden dann aber irgendwann lästig.

Sprich, es lässt sich nicht verallgemeinern ;)

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Er meinte ganz klar NEIN! Denn wnn die Prägephase mal vorbei ist und die Synapsen "geschlossen" sind, kann man da nix mehr machen, das "Fehlverhalten" sei drin im Hund.

Heute muss ich sagen...das die Aussagen von ihm völliger Quatsch waren. Wenn ich mir meinen Hund anschau, dann muss ich immer schmunzeln, wenn ich an seine damaligen Worte denke ;)


http://www.polar-chat.de/topic.php?id=49514&goto=963127

Hallo Muck,

ein wenig widersprichst Du Dir in Deinem Beitrag.

Ich glaube auch nicht, daß man aus einem Hund mit mangelhafter bis miserabler Prägephase den Hund machen könnte, der er sein könnte, wenn er eine super Prägephase gehabt hätte. Da bin ich voll Rütters Meinung - das ist vorbei.

Auch wenn man mit viel Arbeit den Hund sehr weit bringt, sind da immer Bereiche, wo der Hund zurückfällt - wie Deiner auch, der immer noch "nen Knall" hat.

Insofern halte ich Rütters These nicht für völligen Quatsch - auch wenn manchmal mehr geht, als man glaubt.

Grüsse,

Claudia

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Straßenhunde, und vor allem die, die auf der Straße geboren worden sind, haben ja oft viel kennengelernt und sind deshalb gar nicht schlecht geprägt.

Schlimmer dran sind Hunde, die in der Prägephase und auch danach nichts kennengelernt haben, sei es nun, weil sie beim (miesen) Jäger im Schuppen gehockt haben oder in Neukölln im Badezimmer.

Lieber schlechte Erfahrungen als keine, das ist mein Eindruck.

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Ich find nicht, das ich mir widersprech.

Man kann sehr gut am Hund arbeiten. Man bekommt auch viel wieder raus...aber wenn der Hund eben sehr starke Ängste erfahren musste, dann hat das nicht viel mit der Prägungsphase zu tun, sondern eher was mit einem Schockerlebnis und das bekommt man nicht raus.

e015.gif

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Straßenhunde, und vor allem die, die auf der Straße geboren worden sind, haben ja oft viel kennengelernt und sind deshalb gar nicht schlecht geprägt.

Schlimmer dran sind Hunde, die in der Prägephase und auch danach nichts kennengelernt haben, sei es nun, weil sie beim (miesen) Jäger im Schuppen gehockt haben oder in Neukölln im Badezimmer.

Lieber schlechte Erfahrungen als keine, das ist mein Eindruck.

Ja, seh ich genau so.

Sammy war ja so ein "Fall". Bis zum 7. Monat kannte der NIX.

An unsere Anfangszeit denk ich daher nur ungern zurück ;)

Irgendwo gab´s ne Studie, dass der domestizierte Hund es in den Genen hat, sich dem Menschen zuzuwenden. Muss mal schauen, ob ich das wiederfinde...

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