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Bärenkind

Rechtfertigt der Erfolg den Einsatz, wenn auch nur kurzfristig, von jedem Hilfsmittel?

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Heute habe ich mich mal wieder dabei ertappt, kurzfristig meine Einstellung zu gewissen Hilfsmitteln zu hinterfragen.

Ich traf auf der Hundewiese eine junge Frau mit 3 Staffs bzw. Staff-Mixen. Die Hunde machten alle einen sehr ausgeglichenen und gut geführten Eindruck. Die jüngste Hündin trug ein Stachelhalsband mit langen, dünnen Metallhaken. Sie kam freudig und freundlich auf meinen Hund zu.

Da ich mein Mundwerk ja nicht halten kann, verwickelte ich die junge Frau unauffällig anderweitig in ein Gespräch, um dann mal so nebenbei zu fragen, warum die Hündin dieses Halsband trägt.

Die Antwort war, dass sie die Hündin erst seit 2 Wochen bei sich hat, sie kommt aus dem Tierheim. Das Tier rennt gerne unkontrolliert auf andere Hunde zu und machte dabei auch die Ohren zu. Sie sagt, bisher hat sie bei allen ihren Tieren EINEN Tag wenige Male dieses Hilfsmittel in Verbindung mit einer Schleppleine angewendet, und das Problem war ein für allemal gelöst.

Hmm. Ich beobachtete sie weiterhin im Umgang mit ihren Hunden, ließ die Aussage erst mal unkommentiert, und war wirklich angetan von dem ganzen Umgang, dem ganzen Miteinander, der Kommunikation. Es gab viel Lob, viel Anerkennung, leise Signale, da war kein Kuschen kein übermäßiger Respekt in Richtung Angst, es passte einfach. Die junge Frau strahlte Führung und Ahnung aus, warum dann SOWAS?

Irgendwann hab ich dann noch mal nachgehakt und sagte dann auch, "Mensch, Sie haben doch das ganze Drumherum, um es diese Thematik auch anders zu lösen, ohne Schmerzen... "

Darauf kam sinngemäß:

1) Was ist der eine Tag 4x Aua, wenn der Erfolg SOFORT da ist

2) Das Teil liegt für den Rest des Hundelebens im Schrank, warum also nicht?

3) Der Erfolg gibt mir Recht, oder nicht?

Ist es wirklich so einfach? Heiligt ein schnelles Ergebnis die Mittel/den Weg?

Nachdenkliche Grüße

Anja

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schwierige Frage. Ich kann sie nur mit Jain beantworten.

Ich kenne Menschen, die verantwortungsvoll mit diesen Sprühhalsbändern trainiert haben und einen schnellen, dauerhaften Erfolg hatten. Wenn ich dagegen mein langes Training mit meiner Hündin sehe, die immer wieder Rückfälle hat.. Nun ja. Es verlockt.

Ich muss ehrlich sagen, dass Ablehnung von solchen Sachen auch manchmal sehr viel einfacher geht, als sich ein sinnvolles Training damit vorzustellen. Trotzdem kann ich mich selbst nicht ganz davon überzeugen, dass es so sein muss.

Eventuell erarbeite ich mir meinen "Erfolg" auch einfach gerne. Auch wenn es dauert.

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Jein!

Jemanden, der die Vorbereitung des Einsatzes eines Hilfsmittel und dessen punktgenaue Anwendung nicht beherrscht, hat die Finger davon zu lassen.

Es gibt kein Generalrezept.

Aber genau auf den Hund abgestimmt habe ich bisher alle üblichen Hilfsmittel schon mindestens einmal angewendet, immer sehr zielgerichtet und immer mit grossem Erfolg.

Ich nutze aber immer das Prinzip der Sensibilisierung.

Anfangs auf den Hund abgestimmt, nachhaltig wirkende starke Strafe, die dann zu sensiblen Verhalten und leichter Führung des Hundes führt.

Deshalb sollte man kein Hilfsmittel verteufeln.

Sie gehören aber nie in unwissende Hände, denn dann ist es oft Tierquälerei.

LG Heike

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Ich halte meine Hände für wissend, ich habe auch einmal den neurologischen Hintergrund erklärt bekommen, warum starke Schmerzreize nachhaltig wirken, aber in mir drin sträubt sich ALLES, wirklich ALLES dagegen, einem Hund gezielt Schmerzen zuzufügen.

Wer ist in der Lage, realistisch abzuwägen, ob dieses gezielte Schmerz zufügen im Beisein eines Trainers für das Tier wirklich besser, gesünder, stressfreier, etc. ist, als wenn sein Besitzer Monatelang mit oder ohne regelmäßige, fachkundige Anleitung konditioniert, kommuniziert und trainiert... und oft genug auch eiert und Rückfälle erleidet...

LG Anja

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Hi,

jo, heikles Thema...

Ich stimme Heike zu, indem ich auch behaupte, daß schmerzhafte Mittel von Laien oder unsicheren Hundeführern nicht benutzt werden dürfen...

Wenn ich mir allerdings ein Hunderudel so anschaue...

Da gibts es keine positive Bestätigung...Zumindest bei unseren Hunden gibt es nur RUHE oder VERBOT oder gar STRAFE!

Verbot ist ein Blick, ein Knurren, eine Warnung..Strafe wäre dann auch mal ein Schnapp oder "Biss"...

Das sind ganz sicher sehr schmerzhafte Mittel...und sicherlich sehr effektive...

Wobei Hunde immer gerecht und punktgenau sind...!

Geleichzeitig behaupte ich, daß diese Fähigkeit zumindest den meisten Menschen abhanden gekommen ist...

Also besser Finger davon!

Liebe Grüße Petra

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Wauzi kann das immer so toll beschreiben, was viele HF auch machen und zwar bewußt.

Ich weiß hier darf nicht über TIG geredet werden, aber selbst dieses Hilfsmittel ist tierschutzrelevant in den geeigneten Händen besser als sinnloses (Falsch-)kommunizieren.

Ich benutze in der Ausbildung das "böse" Stachelhalsband mit Sicherheit schmerzfreier für meinen Hund als unklare Ansagen, die ihn verunsichern. bei mir wird damit nur gelenkt und geleitet und das unmißverständlich. Ich geb aber offen zu, daß das bei meinem ersten Hund nicht immer so ging. :Oo

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Von mir ein sehr eindeutiges absolutes NEIN !

Begründung: Sobald wir negativ am Hund und hier am Hundehals einwirken und Drahtstifte in den Hals drücken, reagiert der Hund mit nur weg von dem Halsreiz, oder er steift in seinen Normal-bewegungen= und er reagiert und zeigt Meideverhalten .

Beides zeigt dem Hund aber nicht welches Verhalten wir von Ihm haben wollen.

Alle Reize die auf den Hund wirken setzen den Hund in einen Bewegungsablauf und schon die kleinste Zugbewegung auf die Leine wäre eine hundeeigene herbeigeführte "Straf-Attacke".

Schon unser Aufnehmen der Leine ebenso!

Kenne eine DOBI-Halterin die gleich 2 Stachel-Würger verwendet und dies mit der Notwendigkeit begründet hatte, dass bei einem Halsband der Hund nur Theater an der Leine macht.

Bei ca. 50 Nagelstiften in den Hals gedrückt blieb der taffe Hund starr stehen.

LG :winken:

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Auch wenn ich (persönlich) bereits alle Hilfsmittel angewandt habe, so tue ich mich als Ausbilder sehr schwer damit.

Ich hatte aber den Fall einer Dame im höheren Alter, sehr schlecht zu Fuß, deren Riesenschnauzer-Rüde zu Silvester von ihr nur mittels des Kommandos "Sitz" als Notbremse, schrittweise, bei der Knallerei nach Hause gebracht wurde. Sie hätte den nach Hause ziehenden Hund nicht halten können. Da sie mitten in der Stadt an sehr stark befahrener Strasse wohnt wäre entweder Frauchen gestürzt oder Hund überfahren worden.

Es ging auf das nächste Jahresende zu. Inzwischen war der Hund noch besser im Gehorsam. Aber die Dame hatte Angst an Silvester mit ihrem Rüden rauszugehen, es musste aber doch irgendwann sein. In Vorbereitung darauf habe ich ihr empfahlen ein Stachelhalsband zu kaufen, wir haben es richtig angepasst, sie wurde auf duale Führungsweise eingestellt. Bis Silvester hatte der Rüde das Halsband nur angepasst bekommen, nie getragen. Silvester ging sie ruhig und sicher mit dem Hund raus. Sicher aufgrund des Hilfsmittels. Der Hund fühlte sich bei ihr sicher. Sie führte ihn wie immer an lockerer Leine. Es war nicht zum Einsatz gekommen.

Ich zweifle aber daran, dass dies ohne die Sicherheit des Hilfsmittels auch so gekommen wäre.

LG Heike

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Hallo!

eine interessante Frage! Ich für meinen Teil beantworte das ganz klar mit einem NEIN.....und zwar ohne wenn und aber.

Meinem Hund Schmerzen in dieser Art zuzufügen um einen schnellen Erfolg zu haben lehne ich ab. Es bedarf schon etwas Geduld, Konsequenz und Einfühlungsvermögen - dann bin ich genauso an meinem Ziel. Und für die "breite Masse" in den Hundevereinen und Hundeschulen sollte ein Stachelhalsband sowieso kein Thema sein.

LG,

Karen mit Bonny + Isa

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Hallo!

Ich seh den Einsatz von den hier diskutierten Hilfsmitteln ebenfalls mit gemischten Gefühlen, ich selbst würde sie nicht benutzen, schon allein, weil ich eben kein Profi bin, sondern ein ziemlich normaler Hundehalter mit durchschnittlichem Know-how.

Von der moralischen Seite her würde für mich aber in jedem Fall auch eine Rolle spielen, was genau durch den gezielten Einsatz von Schmerzreizen trainiert werden soll, und wie schwerwiegend das unerwünschte Verhalten des Hundes wiegt.

Gehts nur drum, dem Fifi "Sitz" beizubringen (überspitzt gesagt), find ich indiskutabel, da gibt es ausreichend andere Wege, die vielleicht ein wenig länger dauern, aber ebenfalls zum Ziel führen. Gehts um das Training mit einem Hund, der für andere unter Umständen eine große Gefahr darstellt, find ichs wesentlich eher gerechtfertig. Zumal solche Hunde meist unter großen Einschränkungen Leben müssen und ihr Leben sich nach erfolgreicher Korrektur des unerwünschten Verhaltens sich erheblich zum positiven wenden dürfte.

So eine Art moralische Kosten-Nutzen-Rechnung ;)

LG Anja

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