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polar-chat.de  Der Hund
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Unsicherheit

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Liebe Freunde,

ich habe Probleme mit meinem Max, dem knapp zwei Jahre alten Cocker-Spaniel.

Und es passiert mir/uns folgendes:

Beim täglichen Spaziergang im Wald läuft er frei, gehorcht auch und kommt - wenn nicht beim ersten - dann beim zweiten Ruf.

Das Problem beginnt, wenn wir andere Hunde treffen, egal ob kleine oder große. Max rennt auf sie zu, bellt böse und knurrt manchmal, bleibt kurz davor stehen, kläfft wie verrückt und sein Fell sträubt sich. Ist Max angeleint, und ich lasse ihn an einen anderen Hund ran, muss ich stark aufpassen, dass er nicht schnappt oder beisst, so nach dem Motto: "Ehe du mich beisst, beisse ich zuerst!" So kommt es mir vor.

Ich bin mir SICHER, es ist bei ihm Unsicherheit, ich weiss nur nicht, wie ich das beheben kann.

Ich versuche es mit schimpfen. Ich versuche es ihn beruhigend zu streicheln, ich versuche es, ihn hinter mich zu bringen, aber alles hat bis jetzt nichts gebracht.

Das komische daran ist, er verhält sich nur so agressiv und unsicher gegenüber Hunden seiner Grösse oder kleinere. Seine zwei grossen Freunde ist eine Dogge und ein stämmiger Labrador.

Er hat auch nie schlechte Erfahrung mit anderen Hunden gemacht, wurde nie gebissen!!!

Ansonsten ist er ein ganz lieber Kerl, auch nicht übernervös wie viele Cocker.

Hinzu kommt, dass momentan sehr viele Hündinnen läufig sind, und da kommt mir Max noch aggresiver/unsicherer gegenüber anderen Hunden vor.

Leider lebe ich recht auf dem Land, habe keine Hundeschule in der Nähe. Eine ist ca. 1 Stunde Autofahrt weg, aber die gefällt mir nicht, ich habe sie mir mal angeschaut. Die andere ist ca. 1.1/2 Stunden Autofahrt weg, aber das schaffe ich nicht.

Momentan bin ich mit meiner Weissheit leicht an Ende, denn ich möchte ihn im Wald frei laufen lassen, aber das wird immer schwieriger.

Herzliche Grüße,

Rodolfo mit Max

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Ich versuche es mit schimpfen. Ich versuche es ihn beruhigend zu streicheln, ich versuche es, ihn hinter mich zu bringen, aber alles hat bis jetzt nichts gebracht.


http://www.polar-chat.de/topic.php?id=64670&goto=1353640

Hallo,

also:

1. Beim Schimpfen denkt der Hund vermutlich: Danke, dass du auch findest, dass das hier eine bedrohliche Situation ist.

2. Beim Gutzureden denkt der Hund vermutlich: Schön, dass du es gut findest, dass ich aggressiv bin. MAch ich in Zukunft immer so.

3. Beim Hinter-Dich-Bringen denkt der Hund wohl: Ja, bring mich bloß in Sicherheit, bei den ganzen Gefahren hier. Ich weiß sonst gar nicht mehr, wo ich zuerst hinschnappen soll.

Der Standard-Ausweg lautet: Ignoriere sein Verhalten und verlasse den Ort des Geschehens zügig und kommentarlos.

Ein dauerhafte Lösung kann ich dir in Kürze nicht anbieten.

Gruß,

Bernhard

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Lieber Bernhard,

ja, die drei Punkte, die Du angiebst, verstehe ich. Aber wenn ich den Ort des Geschehens zügig verlassen will, dann muss Max eben angeleint sein, aber das ist er im Wald fast nie, und wenn ich ihn rufe und anleine, sobald sich ein Hund nähert, dann wird noch agressiver, denkt in seinem Hundekopf wohl: "Herrchen verteidigt mich nun, jetzt mach ich auf GROSSEN Max!" :-)

Ciao, ciao, herzlichen Dank für den Rat.

Rodolfo

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Hallo Rodolfo,

ich weiß nicht wie's in Spanien ist, in Deutschland darfst du den Hund ohnehin im Wald nicht von der Leine lassen.

Aber gehen wir mal davon aus, dass es erlaubt ist. Trotzdem lautet die Regel: Hund sofort anleinen und aus der Situation herausholen. Und zwar ohne Schimpfen oder Gutzureden. Am besten ohne jegliche Emotion. Ignorieren ist die einzige Strafe, die dauerhaft Erfolge bringt.

Wird schon klappen.

Gruß,

Bernhard

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Hallo Bernhard,

doch im Wald darf ich ihn schon frei laufen lassen, er muss nur hören bzw. bei Ruf kommen, was er macht. Und hier haben wir auch kein Wild, nur Hasen und Wildschweine.

Aber da wir auch hin und wieder in die Pyrenäen oder in den "Montseny" fahren und eine Tageswanderung machen, soll der Hund ja möglichst frei laufen können und sich erfreuen.

Aha, ich werde es nun mit ignorieren probieren.

Herzliche Grüße und einen schönen Abend.

Rodolfo

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ach, und noch was:

Manchmal hilft es, dem Hund zu signalisieren: Ja, ich habe gesehen, was du als bedrohlich empfindest. Aber ich als Rudelführer empfinde es nicht als beachtenswert.

Also: dem Hund zeigen, dass du mitgekriegt hast, was ihn bewegt und dann trotzdem (oder erst recht) kommentarlos die Situation verlassen. Ohne Emotion!

Gruß,

Bernhard

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hahaha, ok, Bernhard, ich werde ihn also emotionslos NICHT anbrüllen! Habe ich nämlich manchmal gemacht .... :-(

Aber wie soll ich diesem Schlappohr mitteilen bzw. signalisieren, dass ich es gesehen habe aber nicht als bedrohlich empfinde???

Ciao, ciao

Rodolfo

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Das klingt mir ein wenig nach Juno, obwohl die auch Doggen dazu bringt, Angst vor ihr zu haben.

Was bei Juno wichtig war: *nicht* ignorieren. Weitergehen war allerdings auf Grund ihrer Kraft eh unmöglich. Anfangs habe ich sie oft festhalten müssen - aber dabei hat sie sich dann beruhigt. Heute weicht sie von sich aus eher aus, oder schaut mich an, statt draufloszugehen - doch es gibt noch die Begegnungen, wo sie ein ruhig/nein braucht oder sogar eine kurze, liebevolle Berührung und bei gaaaanz schlimm verfeindeten Hunden sogar das komplette festhalten von Juno. Dabei fährt sie aber runter.

Was ich da schreibe, ist also schonmal so ziemlich das Gegenteil dessen, was allgemein als richtig angesehen wird und wird sicher nicht bei jedem Hund funktionieren, aber es gibt eben auch Fälle, wo das wirklich klappt.

So, nun aber das wichtigste: Die Nähe zu den Hunden, auf die sie los will, trainieren! Das geht nur, wenn der andere HH mitmacht, aber in *allen* dieser Fällen habe ich Juno so weit bekommen, das sie gemeinsam mit dem anderen Hund Gassi gehen kann *und* sie freut sich inzwischen auch, diese Hunde zu sehen. Mit etlichen davon spielt sie auch gut!

Am Besten eignet sich natürlich eine Wiese, wo erstmal Abstand gehalten werden kann und wenn die Hunde ruhiger werden, man ein wenig näher kommt. Legt einer wieder los, wird der Abstand wieder erhöht und wenn sie ruhig sind, kann auch wieder verringert werden. Spielen der HH mit ihren Hunden ist auch gut, um zu lernen, das der andere Hund keine Einschränkung für sie darstellt. Im Extremfall, wenn beide Hunde aufeinander los wollten, hat das auch schon etliche Begegnungen dieser Art gebraucht (also immer mit Abstand dazwischen), bis die Hunde wirklich bereit waren, miteinander zu laufen/spielen. Man muß auch die Hunde genau beobachten (gleich auf zu hartes ansehen, Zähne zeigen usw. reagieren) - aber man sollte ohnehin gut seinen Hund lesen lernen. Denn dann kann man auch frühzeitig den Hund auffordern, ruhig zu bleiben, sich zu setzen oder die Frisbee zu bringen, statt auf Kampf umzuschalten.

Nur das ignorieren/schnell weitergehen, hat bisher *immer* die Situation verschärft.

Screet

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Hallo,

als Antonia frisch bei uns eingezogen war, hat sie, wenn es draußen dunkel war, häufiger ihr Spiegelbild in der Terrassentür angebellt. Ich habe mich dann neben sie gehockt, mir das Spiegelbild mit ihr zusammen angesehen und bin dann ohne Worte weggegangen. Das hat geholfen.

Ist sicher stressfreier als ein Treffen fremder Hunde im Wald, das Prinzip ist aber das Gleiche: der Chef sieht keine Notwendigkeit für erhöhte Aufmerksamkeit und wendet sich wichtigeren Dingen zu. Bei ängstlichem Verhalten wirkt das nach meiner Erfahrung ziemlich gut.

Gruß,

Bernhard

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Hallo Rodolfo,

Jule verhält sich ähnlich, allerdings nur gegen gleich große und größere Hunde. Auch bei ihr ist es Unsicherheit / Angst und unabhängig davon, ob sie an der Leine oder frei ist.

Man nennt das wohl angstaggressiv.

Ich kann dir nur berichten, was bei uns hilft.

Zuerst habe ich an mir "gearbeitet" (ich mag das Wort in dem Zusammenhang nicht besonders). Habe meine eigenen Kopffilme abgestellt.

Dann vermittel ich ihr meine eigene Sicherheit. Rufe sie zu mir, beordere sie an meine Seite, meist ohne Leine, mit der Aufforderung neben mir, an der dem fremden Hund abgewandten Seite.

Erinnere sie noch mit Ruuuhe daran, dass es nix zu kläffen gibt und gehe, selbst ruhig und unverkrampft an dem Hund vorbei, ohne ihn anzuschauen.

Er ist nicht wichtig und er ist keine Gefahr, das versuche ich zu vermitteln.

Wenn sie zu knottern anfängt, dränge ich sie mit dem Bein ab und sage Schluss als Abbruchsignal.

Ich lobe danach nicht, sondern laufe ganz normal weiter, als wär nichts gewesen (war ja auch nichts schlimmes, will ich dem Hund ja vermitteln).

Was vorher sitzen sollte: sofort kommen auf Rückruf. Nicht beim 2. Mal.

Neben dir laufen, manche sagen Fuß dazu.

Das Verständnis des Wortes Ruuuhe und ein gut eingeübtes Abbruchwort.

Es dauert, bis der Hund soviele stressfreie Begegnungen hatte, dass er seine Angst ablegt.

Wir stehen auch noch am Anfang, aber es ist schon um einiges besser geworden.

Letzte Woche: Schäferhund im Dunkeln auf`m Feldweg, früher der Super-GAU. Jule hat kein Pieps gesagt! Ich war stolz wie Oskar :yes:

LG

Antonia

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