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„Juvenile Polyarteritis“ - Ein Erfahrungsbericht

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Da unsere Hündin an einer sehr seltenen Krankheit erkrankt war und die Ärzte EWIG gebraucht haben, um rauszufinden was es ist, wollen wir unsere Erfahrungen gern verbreiten. Vielleicht wird ja so beim nächsten Hund die Diagnose schneller gestellt

Juvenile Polyarteritis

Erkrankung des Rückenmarks, unter welcher gewöhnlich Hunde im Alter von 5-10 Monaten erkranken.

Symptome:

Fieber, hohes Fieber, Schmerzen, aufgekrümmter Rücken, steifer Nacken, Nackenschmerzen, Berührungsempfindlichkeit, Steifigkeit aller Glieder, welche sich bei längerem Liegen verschlimmert, kann den Kopf nicht drehen, kann nicht Treppen steigen, mag sich nicht mehr bewegen, mag nur noch wenig fressen.

Medikation:

In der akuten Phase Höchstdosis Predisidon, 2 x täglich 1 mg pro kg Körpergewicht.

Fallbeispiel:

Mittwoch, 16.03.2011:

Motte, unsere 7 Monate alte Dackel-Mischlingshündin, zeigt sich bereits morgens langsamer als sonst, sehr bedächtig und vorsichtig. Gegen Mittag wird sie immer steifer, presst die Ohren eng an den Kopf, kann den Kopf nicht mehr drehen um uns anzuschauen, sondern dreht sich hierzu um die eigene Achse. Steht aber meist nur mit gekrümmtem Rücken da und quiekt, wenn man sie berührt. Bei unserer Haus-Tierärztin wird ein eingeklemmter Rückennerv vermutet und Antibiotika und ein Schmerzmittel gespritzt.

Donnerstag, 17.03.2011:

Kontrolle bei der Tierärztin; Motte geht es etwas besser, sie ist beweglicher und hat wache, offene Augen. Wir erhalten ein Schmerzmittel, welches sie noch eine Woche einnehmen soll. Außerdem solle sie sich schonen, keine Treppen, kein Toben, kein Stöckchen, nicht springen.

Freitag, 18.03.2011 Montag, 21.03.2011:

Es scheint so, als würde Motte sich erholen. Montag werden wir sogar wieder etwas lockerer, spielen Stöckchen mit ihr und erlauben ihr wieder, sich frei zu bewegen und herum zu hüpfen, was sie auch freudig tut.

Dienstag, 22.03.2011:

Motte zeigt bereits morgens wieder das bekannte Bild, sie ist steif, will nicht spazieren gehen, sie ist zittrig und schmerzempfindlich, auch wenn sich gar nicht lokalisieren lässt, was genau ihr weh tut. Wir beschließen, sie zunächst weiter mit dem Schmerzmittel zu versorgen und abzuwarten, scheinbar rächt sich nun unser Übermut, sie springen und spielen zu lassen.

Donnerstag, 24.03.2011

Motte hat morgens einmal Durchfall. Sie bewegt sich so gut wie gar nicht mehr, jede Bewegung scheint ihr unglaubliche Schmerzen zu verursachen. Sie zittert am ganzen Leib, insbesondere die Nacken-Muskeln scheinen zu verkrampfen. Wir gehen doch zur Tierärztin. Hier wird Fieber gemessen; 40,6 ein Infekt wird vermutet. Motte bekommt ein fiebersenkendes Mittel und wieder Antibiotika gespritzt. Zunächst scheint sie sich damit etwas zu erholen, aber in der Nacht hat sie Muskelkrämpfe, jault, ist kaum ansprechbar, scheint massive Schmerzen zu haben.

Freitag, 25.03.2011

Die Lage hat sich kaum verändert, Motte geht es sehr schlecht, das Fieber ist hoch, sie mag nicht einmal etwas fressen. Die Tierärztin will sie zur Beobachtung da behalten, es wird ein Ultraschall gemacht, sowie das Blut untersucht. Alles ohne Befund, außer einem Entzündungswert, den die Ärztin aber nicht eindeutig zuordnen kann. Motte erhält wieder Antibiotika gespritzt, woraufhin sie etwas beweglicher und wacher wirkt, was sich aber zur Nacht hin und in der Nacht wieder deutlich verschlechtert.

Samstag, 26.03.2011

Motte ist ein Bild des Jammers, man möchte nur noch weinen. Sie hat weiterhin Fieder und starke Schmerzen. Bei der Tierärztin wird sie geröngt; es wird ein Fremdkörper im Magen sichtbar. Daraufhin bekommt Motte etwas gespritzt, das Erbrechen auslöst. Zum Vorschein kommt eine Wurstpelle mit Metallstück daran, welches sie irgendwo aufgelesen haben muss dieser verfressene kleine Hund. Es scheint die Lösung! Metall raus, Hund wird gesund! Im Verlauf des Tages geht es jedoch wieder schlechter. Auch der Sonntag zieht sich quälend in die Länge; Motte hat eindeutig Fieber und eindeutig Schmerzen. Wir versuchen uns einzureden, dass dies von der Reizung des Magens durch das Metall kommt, füttern Antibiotika und Schonkost und hoffen, dass es bald besser werden wird. Wird es aber nicht Motte frisst kaum etwas, trinkt auch nicht mehr.

Montag, 27.03.2011

Motte hat Fieber und Schmerzen, trinkt und frisst nicht. Die Tierärztin behält sie ein, zur Beobachtung. Motte kommt an den Tropf, um wenigstens versorgt zu sein. Die Tierärztin möchte am nächsten Tag ein großes Blutbild machen, wenn Motte ganz nüchtern ist. Möglicherweise liegt es an der Bauchspeicheldrüse. Die Nacht ist der Horror.

Dienstag, 28.03.2011

Motte hat noch immer Fieber und Schmerzen, erhält aber brav Blut abgenommen. In ihrer Hilflosigkeit bietet die Tierärztin schon auf eigene Rechnung an, morgen die Ultraschalluntersuchung zu wiederholen. Nachmittags ist das Fieber auf 40,8 und wir sind es leid. Wir fahren in die Bremer Tierklinik um eine zweite Meinung zu holen. Dort checkt man erneut das Blut die Leukozyten sind verdoppelt, insbesondere der neutrophilen Granulozyten (Neutrophilie mit Linksverschiebung), mit dem unsere Haustierärztin nichts anzufangen wusste. Herr Dr. Dürr diagnostiziert Juvenile Polyarteritis und schickt uns mit Cortison und dem Hinweis, dass dies eine diagnostische Behandlung sei, die innerhalb von 2 Tagen helfen müsste, sonst sei es etwas anderes, nachhause. Schon nach der ersten Gabe wird Motte in der Nacht deutlich entspannter. Über den Mittwoch hinweg wird sie immer wacher und beweglicher, es wird stetig besser. Donnerstag rufen wir sehr glücklich in der Klinik an um mitzuteilen, dass die Diagnose juvenile polyartereitis zutrifft. Was für ein Glück. Herr Dr. Dürr betont, dass wir noch zwei Wochen weiter die Höchstdosis Cortison geben sollen, dann Kontrolle, dann wohlmöglich Herunterfahren der Dosis. Die reduzierte Dosis müsse dann noch bis zu einem halben Jahr gegeben werden, dann aber sei die Erkrankung auch gut behandelt und Motte habe keine Last mehr damit. Wir sind unheimlich erleichtert und versprechen Herrn Dr. Dürr etwas ins Netz zu stellen, um das Krankheitsbild populärer zu machen. Diesem Versprechen sei hiermit Rechnung getragen ;).

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Hallo, beim Lesen von der Leidensgeschichte Eurer Motte bekam ich Gänsehaut und mich um 10 Jahre zurückversetzt...

Unsere damalige Hündin Nala hatte die gleichen Sympthome, bei uns hiess dann aber die Diagnose "Junghundemeningitis". Allerdings war das auch nur ein Verdacht, da man Nala kein Hirnwasser entnahm, diese schmerzhafte Sache wollte man ihr ersparen... Da bei der Junghundemeningitis kein Antibiotikum hilft und man diese auch mit hochdosiertem Cortison behandelt, wurde Nala auf Verdacht mit Cortison behandelt und es ging ihr schnell deutlich besser... Wir schlichen das Cortison dann langsam aus, sie bekam es auch gut ein halbes Jahr...

Jetzt nach Deinem Beitrag, denke ich, vielleicht war es doch das, was Eure Maus hat! Nala war knapp 10 Monate alt, als sie erkrankte...

Sie war nach der Sache 7 Jahre topfit, erkrankte dann aber an der AutimmunErkrankung Myasthenia Gravis und starb 4 Wochen nach der Diagnose kurz vor ihrem 8. Geburtstag...

Ich drück Euch und Eurer Motte die Daumen, das die Genesung weiterhin so gut voranschreitet und sie dann ein langes, gesundes Hundelben haben darf!

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