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Hundeforum Der Hund
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Entwicklungsstörungen

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Mich beschäftigen zur Zeit verschiedene Gedanken und ich möchte euch fragen, ob der Eine oder Andere von Euch etwas darüber weiß oder auch ähnliche Beobachtungen gemacht hat.

Ich arbeite mit geistig behinderten Kindern und Jugendlichen.

Viele davon sind nicht augenscheinlich als "behindert" zu erkennen, sondern würden im allgemeinen Umgang nur durch Kleinigkeiten im Verhalten, bei genauerem Beobachten, durch Norm-abweichendes Verhalten auffallen.

Oft haben sie in manchen Bereichen sogar enorme Fähigkeiten, die nicht jeder "normale Mensch" vorweisen kann.

Viele "Defizite" werden im Sozialverhalten sichtbar, wie zB Distanzlosigkeit, mangelnde Fähigkeiten, angemessen auf bestimmte Situationen oder auch Vorgänge in Zwischenmenschlichen Beziehungen, zu reagieren.....oder Konzentrations und Wahrnehmungsstörungen allgemein.

Natürlich kann man nie genau sagen, was nun angeboren oder durch Milieuschäden, falsche Umgehensweisen erworben ist......trotzdem haben sie alle gemeinsam, dass zumindest "minimale, cerbrale Dysfunktionen" dyagnostiziert wurden.

Nun frag ich mich, aufgrund vieler verschiedenen Beobachtungen, seit ich denken kann, ob das nicht auch in der Tierwelt oft der Fall sein könnte, vor allem bei Hunden (auch bei Pferden).

Nachdem ja die natürliche in den meisten Fällen Auslese wegfällt, könnte das doch auch der Fall sein, dass zB manche Hunde durch minimale Schäden so "schwierig" sind, nicht nur durch "Fehler im Umgang mit ihnen".....bzw: genau solche Hunde (wie auch Menschen) brauchen dann umso mehr klarere Umgangsformen, einen klareren Rahmen, vieleicht auch enger gesteckt, als andere, die 100% "gesund" sind????..und selbst damit bleiben einfach auch Grenzen durch handicaps, die mit den besten Umgangsformen nicht beseitigt werden können?

Ich hoffe, ihr könnt verstehen, was ich meine?

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Huch :o ,jetzt bin ich ja etwas überrasch! DU auch hier !!!! :klatsch:

Zu deiner Frage : ich weiß schon was du meinst, kann dazu aber leider nicht wirklich viel sagen!

Eigentlich heißt es ja immer, beim Hund (Tier) liegt alles an der Prägephase und der Erziehung...,aber ich denke schon daß einiges auch angeboren ist !

Ich sehe es ja an Paura - sie ist ein Angst Hund (wie der Name schon sagt). Sie kam mit vier Wochen zu mir, hat nie was schlechtes erlebt und trotzdem ist eine gewisse Ängstlichkeit (Mißtrauen) immer geblieben .

Warum sollte es beim Tier nicht sein wie beim Menschen auch (ist ja sonst auch sehr vieles ähnlich!) ?

Ich grüß dich mal (HIER!) lieb !

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Huhu Igeline,

aber da hast Du Dir die Antwort schon fast selber gegeben. Wenn Paura schon im Alter von 4 Wochen zu Dir kam, dann fehlen ihr einfache wichtige Dinge in der Entwicklung und im Erlernen sozialen Verhaltens, was sie bei Ihrer Mutter und mit den Geschwistern gelernt hätte. Unsicherheit ist da ein ganz typisches Beispielt. Weil man selbst mit bestem Wissen und bester Aufzucht, manches einfach nicht (oder nur schwer)auffangen kann.

Aber das sind ja eher Verhaltensstörungen, was Angiem meint, sind wohl eher angeborere, geistige Behinderungen - wenn ich das jetzt richtig verstanden habe?

Ich habe von Fällen gelesen, wo das der Fall war. Allerdings waren das keine angeborenen Dinge, sondern meist nach Unfällen/Kopfverletzungen. Hunde, wo man schon sehr gute Nerven mitbringen muss und die Hunde einfach mit ihrem Manko akzeptieren. Z. Bsp. ein Fall, von einer Dogge, die nicht nur blind und taub war, sondern schlimmer, dass sie Dinge jeden Tag neu erlernen muss, weil sie selbst Kleinigkeiten jeden Tag wieder vergessen hat. Eine Bekannte aus einem anderen Forum, hat zum Beispiel einen sehr alten Hund, der wohl an einer Erkrankung, ähnlich Alzheimer leidet. Auch das ist sehr schwierig, im Alltag zu meistern.

Ich kann mir schon vorstellen, dass es das in Ausnahmefällen auch in angeborener Form gibt.

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@Igeline:

HUHU, Grüß Dich..ich mußte jetzt erstmal nachlesen, wer Du bist...freuuu mich auch, Dich hier zu treffen!

Also, warum ich über dieses Thema gerade so intensiv nachdenke:

Ein paar Kiddis bei mir in der Arbeit sind beim normalen Beobachten einfach wirklich Grenzfälle, jedoch eindeutig eingeschränkt in manchen Bereichen. Das kann man aber im normalen Alltag oberflächlich nicht feststellen.

Diese Kids brauchen zB um ein vielfaches mehr an Lernerfahrungen,Wiederholungen um bestimmte Verhaltensweisen zu erlernen und zu festigen, viel mehr Bestätigung, die Möglichkeit Lernerfahrungen auf verschiedenen Ebenen zu machen, bis ein Verhalten sich soweit etabliert hat, dass sie darauf zurückgreifen können.

Manches verankert sich nie sicher, so dass immer wieder gelernt werden muß.....manches ist auch unmöglich....

Was mir an manchen Hunden auffällt ist eben Dasselbe.

Oft tuts mir richtig weh, wenn ich sehe, wie Hundebesitzer die Geduld verlieren, weil ihr Hund nicht das Lernvermögen hat, wie der Durchschnitt.

Dann werden die Hunde oft überfordert und daraus entstehen neue "störende" Verhaltensweisen.......wie bei den Kids, die oft riesige Fortschritte machen, wenn sie richtig wahrgenommen werden und der für sie passende Ansatz gefunden wird.

Dennoch bleibt ihnen ein Teil der Möglichkeiten "ganz normaler" Kinder verschlossen, eben durch die, wenn auch oft minimalen, Einschränkungen.

Bei Menschen ist fest zu stellen, wo in etwa diese Grenzen sind, und darauf kann dann kompetent eingegangen werden..

...bei Hunden verzweifeln manche Besitzer, zweifeln an sich, versuchen die Grenzen zu sprengen, weil sie denken, jeder normale Hund kriegt das gebacken......aber vieleicht haben sie einfach auch keinen 100% normalen Hund......

und dabei wäre vieleicht mit dem Wissen darüber, welche Ursachen manche Probleme haben könnten, ein stressfreierer Umgang möglich, weil es leichter wäre , die Besonderheiten des Individuums anzunehmen.

Wenn bestimmte Grenzen akzeptiert werden könnten, fiele es leichter, nach den positiven Ressourcen zu suchen , sich DARAN zu erfreuen und diese zu stärken.....was sich auch auf die defizitären Bereiche positiv auswirken kann.

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Hallo

Ja wir kennen aus der Hundezucht angeborenen Dysfunktionen.

Da ist zunaechst erstmal die Epiilepsie zu nennen,welche gar nicht so selten ist.

Auch Taubheit,Blindheit und Stoffwechselstoerungen kommen vor.

Und dann die Dinge ueber die die Zuechter nicht so gerne reden: Spaltrachen zum Beispiel und andere Missbildungen.

Auch Celebrale Stoerungen kommen vor: Desorientierung bis hin zum Ausfall kompletter Gehirnhaelften.( Kreisel)

Im Normalfall weigert sich das Muttertier einen solchen Welpen aufzuziehen,sie sortiert ihn einfach aus.

Ein guter Zuechter der beoachtet laesst in enem solchen Fall den Tierarzt erloesend eingreifen.

Kleinere Celebrale Stoerungen die sich vielleicht nur in Lernschwaeche spaeter aeussern kann man nicht sicher erkennen aber warum sollte die Natur vor kleineren Fehlern haltmachen wenn die groesseren genauso vorkommen wie im Menschenbereich.

L.G.

Wotan

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Also, ich kenne einen Hund, der tierärztlich bestätigt eine Art Mißbildung oder Störung des Gehirns hat und dadurch eben auch tatsächlich geistig behindert ist.

Äußerlich sieht man ihm nichts an, und er hat sogar auch eine ganze Menge Dinge gelernt, aber er hat einfach manchmal "Aussetzer" und ist dadurch relativ unberechenbar.

Und in irgendeiner Hundezeitschrift stand neulich sogar was von autistischen Hunden.

Auch ein Hund, der isoliert und schlecht gehalten (Mangelernährung, Misshandlungen etc.) aufwächst, wird gewisse Entwicklungsstörungen aufweisen.

Manche dieser Defizite sind sicher nicht leicht zu erkennen, manche wird man vielleicht beheben können und andere nicht.

Aber auch kerngesunde und optimal aufgewachsene Hunde weisen ganz klare Unterschiede im Lernverhalten bzw. -vermögen auf.

Ich sehe auch viele Besitzer von völlig gesunden Hunden, die nahezu bis zum Umfallen alles Mögliche mit ihrem Hund durchexerzieren, und ihnen viel zu viel zumuten, obwohl der Hund erkennbar schon längst geistig "abgeschaltet" hat.

Von daher wäre es meines Erachtens doch immer erstrebenswert, die Grenzen seines Hundes zu kennen und zu akzeptieren.

LG!

Anja und Hundis

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Hallo,

schön das Du Dir darüber Gedanken machst. Es gibt durchhaus Hunde ( und auch Pferde und Katzen ) die mit einer Behinderung zur Welt kommen. Ich selbst kenne Fälle aus meinem Bekannten- und Verwandtenkreis die an solche Tiere gekommen sind.

Meine Schwägerin z. B. hatte sich einen jungen Hund aus dem Tierheim geholt. Der Hund galt als schwer erziehbar, hatte aber einen guten Draht zu Kindern. Bei einer genaueren Untersuchung beim Tierarzt wurde festgestellt, das der Hund Epileptiker ist und bei jedem "Anfall" ein paar Gehinzellen absterben. Leider musste Sie den Hund mit 8 Jahren einschläfern lassen, weil er nach dem letzten Anfall nicht mehr laufen konnte.

Die Tiere, die ich kenne wurden allerdings nicht sehr alt - entweder weil die Behinderung sich mit den Jahren verschlimmerte oder weil diese Tiere irgendwann als "Gefahr für die Umwelt" wurde ( d. h. sie konnten Ihre Aggressionen nicht mehr kontrollieren ). Auch für die Tiere war es am Ende meist eine Qual - weshalb Mutter Natur diese auf natürliche Weise von Anfang an aussonderte.

Gruß

Marlies + Chicco

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Hallo!

Sicher haben Kinder und Jugendliche einen grossen Vorteil: Sie sprechen in der Regel unsere Spache.

Wenn wir denn sagen können, das wir Hunde verstehen und begreifen, wird es in der Regel (sicher gibt es Ausnahmen) einfach:

Ist das Verhalten aus Hundesicht betrachtet logisch?

In 99 von 100 Fällen ist es das. Der 1 Fall ist dann tatsächlich ein Fall für einen verhaltenstherapeutisch praktizierenden Tierarzt.

Was mir viele Gedanken macht: Der Mensch wird im allgemeinen (ob Kinder oder Hund) erst aufmerksam auf ein Verhalten, wenn es "von der Norm" abweicht, wenn es "seltsam" ist, oder "stört".

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Hi

Ich war mal auf einem Seminar zu Verhaltensstörungen bei Hunden und habe das dann mit Genehmigung der Referentin (Dr. Quandt) kurz zusammengefasst.

Ein Auszug (Vollständiger Text siehe: Seminar: Organische Ursachen von Verhaltensproblemen)

1. Entwicklungsschäden am Gehirn / Gehirnerkrankungen

Bei den Gehirnerkrankungen wären Hirntumore zu nennen, aber auch Folgen von Infektionskrankheiten wie Staupe, Borreliose, Ehrlichiose, Neosporose und Tollwut.

Bedeutsam sind aber auch Hirnentwicklungsstörungen die vorgeburtlich oder in der Welpen-/Junghundzeit stattfanden, sowie traumatisch bedingte Störungen.

Die häufigste Hirnentwicklungsstörung ist das sog. Deprivationssyndrom:

Die ersten drei Lebensmonate sind bei Hunden von entscheidender Bedeutung. In dieser Zeit findet ein starkes Hirnwachstum und die "Eichung" des Gehirns statt. Es ist daher von großer Bedeutung, den Tieren ausreichend "Input" (Sozialisation an diverse verschiedene Hunde und Menschen; Habituation, d.h. Gewöhnung an möglichst viele Umweltreize) zu liefern, um die weitere Bildung von Gehirnzellen sowie ausreichender Vernetzungen zwischen den Zellen zu stimulieren und die chemischen Abläufe zu strukturieren.

Ein Deprivationssyndrom entsteht z.B. bei mehr oder weniger isoliert aufgewachsenen Tieren. Bei diesen Tieren wurde festgestellt, dass sie organische Schäden am Gehirn hatten. Vorrangig waren Veränderungen im Stirnhirn feststellbar. Das Stirnhirn reguliert (im Zusammenspiel mit der Amygdala) u.a. das Sozialverhalten sowie die Stressbewältigung.

Deprivierte Tiere haben eine hohe Neigung zu Angsterkrankungen, Stereotypien und Selbstbeschädigungsverhalten. Sie haben ein gestörtes Lernverhalten, was es schwierig macht, solche Hunde zu trainieren.

Schätzungen zu Folge haben ca. 20 – 30 % der Hundepopulation mehr oder weniger deutliche Deprivationserscheinungen.

Ein anderes Problem entsteht durch übervorsorgliche Züchter:

Normalerweise erlernen die Welpen sehr früh, dass sie sich, um Erfolge zu erzielen, anstrengen müssen (Motivationskontrollkreis). Beispielweise muss ein hungriger Welpe die Zitze suchen und saugen oder ein frierender Welpe muss die Wärme suchen.

Bei Hunden von Züchtern, die schon Saugwelpen unnötig zufüttern oder für gleichmäßig hohe Temperaturen im Welpenzimmer sorgen, besteht die Gefahr, dass die Welpen nicht lernen, sich für etwas anzustrengen. Sie sind später nur sehr schwer zu motivieren und haben eine sehr niedrige Frustrationsschwelle.

Gruß Trial

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Danke für eure Gedanken zu dem Thema!

@Trial: extradanke für den Interessanten Text! Genau so in der Richtung hab ich mir das gedacht. Darf ich den Text kopieren und auch in anderen Foren zeigen?..oder lieber den Link nehmen?

Ich finde das hochinteressant!

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