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Positive Verstärkung- eine Notwendigkeit in der Hundeerziehung?

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Folgende Begegnung trug sich heute zu:

Auf einem Waldweg kommt mir eine Frau mit einem Berner Sennenmix entgegen.

Ich sehe auf die Entfernung, dass Frauchen sich sehr mit dem Hund beschäftigte, sich fast zu ihm hinunter beugte und der Hund mit ca. einem Meter Abstand (angeleint) neben ihr tänzelte und die Welt um sich fast zu vergessen schien.

Weil die Zwei ein gutes Drittel des Weges für sich einnahmen und der Hund nicht auf der uns abgewandten Seite lief, blieb ich am Rand stehen, Chaos hinter und Baghira schräg vor mir.

Die beiden passierten uns und es clickte unaufhörlich, begleitet von einem quietschigem "feeeiiiiin" und einem Würfel Essbaren.

Der Berner (gut im Futter) tänzelte immernoch, als er uns dann offenbar mal via Nase bemerkte, sich ruckartig umdrehte. kurz in die Leine stieg, bellte und von einem Clickgeräusch wieder in eine andere Welt zurückgeholt wurde.

Sie waren fast an uns vorbei (ich strich Baghira über den Rücken), da drehte sich Frauchen um, ihr Mund verzog spitz und nun machte sie sich Luft:

"Für Hunde ist das nicht normal, was wir hier machen".

(Ich verkniff mir einen Kommentar).

Sie fuhr fort in der Annahme, ich hätte ihr mit Sicherheit geistig nicht folgen können:

"Wir verlangen viel von unseren Hunden und dann erwarten wir, dass sie Artgenossen einfach so vorbei lassen und dann kriegen sie nicht mal etwas dafür- arbeiten Sie umsonst?".

Es entwickelte sich ein Gespräch über den Sinn und Unsinn positiver Verstärkung in gewissen Situationen und ich war ernsthaft sehr interessiert an ihrer Einstellung.

In der letzten Zeit habe ich mich ein wenig mit dem Clickertraining und im Zuge dessen mit der positiven Verstärkung auseinandergesetzt.

Für mich bin ich letztlich zu einem Schluß gekommen.

Wie ist das bei euch?

Ich meine mit "positiver Verstärkung" in dem Falle nicht das verbale Lob oder eine taktile Zuwendung, sondern wirklich "Hilfsmittel" wie Spielzeug/Leckerchen usw. in Folge bestimmter Situationen.

Die Frau hat nämlich das Argument angeführt, es wäre anmaßend von uns Menschen, zu bestimmen, dass so etwas wie verbales Lob einem Hund reichen würde.

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Der Berner findet das bestimmt toll was Frauchen da macht :D . Die

Hauptsache die Leckerli gehen nicht aus. Den Clicker kann sie sicher auch

weglassen.

Ich finde den Clicker toll um dem Hund Tricks beizubringen, da der Click

genau den Moment markieren kann wo der Hund das gewünschte tut.

Und der Ton ist immer gleich.

Ansonsten kann ich meinen Hunden auch ohne Futter und auch ohne Stimme

vermitteln, dass ich toll finde was sie gerade tun. Das sie das verstehen

sieht man ihrer ganzen Haltung an und ihrem freudigen mitmachen.

Ich denke es kommt auf ein vernünftiges Verhältnis an.

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Öh...also ich möchte das der Hund mit der Auferksamkeit bei und nicht bei einem Leckerchen ist. Auch möchte ich das er für mich und nicht für ein Leckerchen arbeitet. Zu dem Thema kann ich Anne Krüger empfehlen, sie versteht es sehr schön in Worte zu fassen, was auch ich darüber denke.

Bitte versteh das nicht falsch, ich finde positive Verstärkung toll, besonders wenn es darum geht, einem Hund etwas Neues beizubringen. Aber irgendwann beherrscht er die Lektion und die Leckerchen werden abgebaut. Sicher geht es auch komplett ohne, aber gerade für Anfänger in der Hundeerziehung finde ich es mit leichter. Wieso ich abbaue? Ich möchte mich auch auf meinen Hund verlassen können wenn ich mal kein Futter oder Spielzeug in der Tasche habe. Wieso ich das normal finde? Ich finde, Anita hat das mal schön in Worte gefasst. Sie sagte in etwa: Bei deinem Kind feierst du ne Party wenn es das erste Mal die Toilette benutzt. Wenn es aber 8 Jahre alt ist und es normal geworden ist die Toilette zu benutzen, würdest du dich lächerlich machen dein Kind immer noch überschwänglich zu loben nur weil es selbständig die Toilette benutzen kann. Ich finde das sehr treffend.

In sofern: Positive Verstärkung? Ja, gerne. Ständig und immer? Nein, keinesfalls. So meine Meinung.

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Die Frau schleicht das Futter nicht aus, das war auch eine meiner ersten Fragen.

Sie empfindet es als ständige Belohnung und zwar immer in "schwierigen" Situationen.

Für sie ist es vergleichbar mit der Arbeit eines Menschen, der nicht umsonst Dinge für Andere tun würde, ohne dafür etwas als Gegenleistung oder eben Bestätigung (Lohn) zu bekommen.

Ich würde schier Unglaubliches von meinem Hund verlangen, wenn ich ihn einfach nur "dastehen" lasse und ihn nicht für diese unnatürliche Begegnung belohne.

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Hm. Meine Welt ist das überhaupt nicht. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mir gezielt Hunde aussuche, bei denen so ein Theater auch gar nicht notwendig ist (bzw. ich hoffe, dass es so ist und bisher ist es mir auch geglückt).

Meine Hunde bekommen nur Leckerlis, wenn ich Lust habe, ihnen Leckerlis zu geben - wenn sie z. B. süß gucken - also ständig. :D

Nein, ernsthaft, ich verstehe es gar nicht so richtig: Wofür wird der Hund jetzt belohnt? Dafür, dass er nicht zu den anderen Hunden hingegangen ist? :think:

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Hallo...

also, am Anfang der Ausbildung / Erziehung meiner Hunde habe bzw. benutze ich aktiv Hilfsmittel und das sehr häufig.

In der Regel sind es Leckerchen.

Wenn sich Kommandos gefestigt haben, werden Leckerchen abgebaut.

Gleichzeitig spiele ich zu Hause auch viel mit den Hunden und zwar mit einem "besonderen" Spielzeug- bei Luke ist es der Ball, bei Jack wird es die Beißwurst bzw. ist es ein "Mot".

Die "Spielzeuge" werden dann die Leckerchen aufm Hundeplatz ersetzen als positive Bestätigung.

Aufm Spaziergang finde ich Leckerchen "einfacher".

Luke "reicht" heute zum Beispiel durch aus ein Stimmlob bzw. dass ich mit ihm "Party" feier.

Jack, ganz klar ist noch lange nicht so weit.

Also, unterm Strich-

Ja, ich arbeite mit Hilfsmittel, u.a. weil es die Ausbildung / Erziehung meiner Meinung nach um Längen vereinfacht.

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Ich sehe das eben anders. Für einen Hund ist es ja eigentlich nicht ungewöhnlich sich nicht für andere Hunde zu interessieren. Im Gegenteil. Ist er sich seiner Führung sicher, sollte er sich ohnehin für nichts besonders interessieren, was nicht auch sein Halter interessant findet - ganz logischer- und natürlicherweise. Nur weil das allgemeine Bild auf unseren Straßen anders aussieht, scheint das niemand mehr zu wissen...frei nach dem Motto: "Die müssen sich doch Hallo sagen"...und wenn sie das mal nicht sollen...dann ist das vollkommen unnatürliches Verhalten...

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Ich gebe mal erstmal nur möglichst wertfrei wieder, was sie mir im Laufe des Gesprächs so erzählte und auf meine Fragen antwortete.

'Ihr Hund ist ein Pöbler und wenn sie ihn körpersprachlich daran hindern würde, so würde sie nur Meideverhalten erzeugen und nichts an seiner grundsätzlichen Einstellung anderen Hunden gegenüber verändern.'

'Man muss dem Hund immer etwas Besseres bieten, als seine Umweltreize hergeben.'

Dazu führte sie eine Anekdote aus einer hiesigen Hundeschule an, so wie ich sie auch erlebte, als ich vor langer Zeit dort mal mit Chaos in der Gruppe war.

D.h. genauso sollte bei uns auch vorgegangen werden.

'Der Hund wurde von den Trainerinnen mit Quietschestimme abgelenkt, mit Spielzeug bespaßt und mit Futter gelockt. Sie sollte ihren Hund daran hindern, auf das Angebot einzugehen. Hätte sie ihn nur körpersprachlich daran gehindert, so hätte sie nur Meideverhalten erzeugt und wäre nicht perse für den Hund interessanter.'

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Mir ist zunächst einmal aufgefallen, dass deiner Beschreibung nach die Frau keine Ahnung vom Clickern hat, denn wenn sie clickt, wenn der Hund in die Leine steigt hat sie was völlig falsch vestanden. Viele machen da aber den Fehler und benutzen den Clicker als Ablenkung und nicht als Zeichen für korrektes Verhalten.

Zu den Leckerlis ist zu sagen, dass ich in der Grunderziehung sehr viel mit Leckerlis gearbeitet habe und sie auch heute noch immer zur Hand habe beim Gassi, wann und wofür der Hund ein Leckerli bekommt bestimme aber ich und nicht der Hund. Es gibt kein automatisches Lecker bei dieser oder jener Sache, sondern der Hund weiß, wenn er was gut macht KÖNNTE er eins bekommen. Damit bin ich bisher sehr gut zurecht gekommen und bin mit der Erziehung meiner Hunde sehr zufrieden.

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@Koernchen: ich glaube, dass die Ablenkbarkeit auf Außenreize hunde(rasse)abhängig ist.

Ohne positive Verstärkung geht es natürlich NIE (bevor HG sich jetzt aufschreiend meldet :D ), aber wenn du speziell auf Futterbelohnung anspielst, halte ich es für essentiell dieses stufenweise auszuschleichen, denn sonst verschlechtert sich das Trainingsergebnis sogar!

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