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Hundeforum Der Hund
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Das "Konzept" der ruhigen Auslastung

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Vorab: Das Wort Konzept steht extra in Anführungszeichen. Nagelt euch also nicht an diesem einen Wort fest. ;)

Bei meinem aktuellen Pflegehund habe ich in den letzten Tagen vor allem eines gemerkt: Gassi bedeutet für ihn Action, hibbeln, powern. Er pendelt ständig (wenn ich die Leine locker lang hängen lasse) von rechts nach links, hebt oft das Bein, wuselt umher, hat eine recht krampfige Haltung und sobald ich in meiner Tasche was suche ist für ihn klar, dass nun Ball gespielt werden muss.

Für ihn scheint draußen immer wirklich mit Action verbunden zu sein. Mit rennen, toben, fetzen. Bekommt er dies nicht hat er eine angespannte Haltung, checkt stundenlang die Gegend, beobachtet alles sehr genau.

Nun war mir immer das wichtigste für meine Hunde, dass sie Ruhe lernen. Auch draußen. Sie gehen also vollkommen entspannt durch die Weltgeschichte, hängen ihren Gedanken nach, gucken mal hier und mal dort oder trotten neben mir hier. Die Mimik ist zufrieden und entspannt. Nehme ich nun unseren Pflegi mit kommt wirklich Hektik in die Gruppe. Er wuselt und wackelt und schaut und alle meine nun es gibt irgendwas dolles.

Wenn wir dann wirklich etwas machen ist er aber oft zu überdreht, um konzentriert und sinnvoll zu arbeiten.

Er kennt also diese "ruhige" Auslastung nicht. Diese langen Spaziergänge in vollkommener Entspannung bei der sich jeder bewegt, mal langsam, mal flotter, aber nie sinnlos durch die Gegend rennend. Jeder achtet auf den anderen und genießt es langsam die Umwelt zu erkunden.

Seit 3 Tagen ist er also zur ruhigen Auslastung verdonnert. 4 mal am Tag lange und kurze ruhige, vollkommen ereignislose Spaziergänge. Keine Action, keine tollen Übungen, nichts was aufdreht. Nun merke ich, dass er sich gaaaaaaanz langsam "hingibt". Hundebegegnungen sind ihm recht egal geworden, er geht einfach neben mir her. Kläfft der andere Hund jedoch oder tickt vollkommen aus wird dies mit einem ordentlichen WUFF kommentiert, aber dann ist auch ruh. Kein "in die Leine knallen und sich überschlagen beim Bellen". Im Haus war er vorher schon ruhig, da gab es nie ein Problem. Menschenbegegnungen laufen nun zum sehr großen Teil auch viel positiver.

Ich werde also erst einmal genau dabei bleiben und von dort aus gezielte und sinnvolle actionreiche Auslastung suchen.

Hat jemand von euch die gleichen Erfahrungen machen können? Ist diese Rückbesinnung also nicht nur für Menschen hilfreich? Brauchen speziell die eher arbeitsintensiven (doofes Wort, ich weiß) Rassen ihren ruhigen Pol?

Erfahrungen, Meinungen, her damit. ;)

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Ich kenne das von unserer Schäferhündin auch.

Eigentlich ist es genau das von dir beschriebene Verhalten. Anfangs konnte ich mir nicht unbemerkt ein Taschentuch aus der Jackentasche ziehen, ohne dass sie "stramm stand" und noch Minuten danach in Erwartungshaltung neben oder vor mir rumwuselte.

Heute kann sie ruhig an der Leine gehen aber wenn es in den Wald geht oder ins Feld, neigt sie immernoch dazu, ständig die Seite wechseln zu wollen (auch ohne Leine) und den Menschen permanent anzuschauen.

Würde ich in dem Moment eine Aktion starten, wäre sie von 0 auf 100 also habe ich mich bemüht, die Erwartungshaltung zu unterbrechen und nur dann etwas zu initiieren, wenn sie eine ganze Zeit lang ruhig läuft und auch soweit entspannt war, dass sie schnüffeln konnte.

Chaos ist auch manchmal richtig genervt von ihrem Gewusel und wenn ich das merke, mache ich den ganzen Tag lang gar nichts Aufputschendes mehr mit ihr.

Also: Längere Zeit entspannt mitlaufen = irgendwann gibt es ein Spiel, wenn mir danach ist,vielleicht aber auch nicht.

Gleichzeitig gibt es ein endgültiges Schlußwort, das jegliche Aktion abbricht und mit dessen Aussprache auch klar ist, dass nichts weiter folgt.

Das hat auch schon sehr geholfen.

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Wir haben einen völlig überdrehten Hund aus dem Tierschutz.

Gesundheitlich ist alles abgeklärt, insbesondere die Schilddrüse.Ohne Befund.

Die Situation draussen, die du beschreibst, kennen wir nur zu gut. Es war aber so extrem, das wir fast keinen Schritt gehen konnte, ohne dass er aufdrehte, meistens vor Freude

Wir haben eine Menge geschafft. Aber es hat Jahre gedauert.

Ich bewunde Dich, dass du in so kurzer Zeit so viel erreicht hast.

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Ich bewunde Dich, dass du in so kurzer Zeit so viel erreicht hast.

Das liegt mM nach daran, dass sich das Verhalten nicht so riesig manifestieren konnte. Er war letztes Jahr schon einmal bei mir als Pflegi und war nun 8 Monate vermittelt. Also kann diese "Macke" sich nur in dieser Zeit gebildet haben.

Das ist dann ja nochmal was anderes. Wenn es sich über Jahre manifestieren kann dauert das natürlich auch viel länger.

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oh ja... das kennen wir :Oo

Finn war genauso... es war grauenvoll!!! schon eine kurzer Spaziergang sorgte dafuer,dass der kleine Bub hinterher eine geschlagene Dreiviertelstunde hyperventilierend im Eck lag...

Draussen war er unertraeglich... nur auf 180... wir haben es in etwa gemacht wie du... und WENN wir was gemacht haben,dann immer ganz kontrolliert... also so, dass er auch da mit der Zeit nicht mehr bei jeder Bewegung zur Decke rausknallt, sondern den Fokus bei mir hatte...

Inzwischen ist er was das angeht top! man kann sogar mal eine Runde Ball werfen ohne dass er durcdreht :) also: durchhalten!

Helena

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Mein gelegentlicher Gasthund ist ganz genauso, BC-Labbi-Mix. Hibbelrakete, Balljunkie, ein Hektiker vor dem Herrn.

Ich hab das so gelöst, dass es eine einzige Wiese gibt, auf der getobt wird, Bällchen gespielt, gerast. Sonst nirgends.

Das weiß er inzwischen und macht sich recht locker auf dem Rest des Spaziergangs. Nur den Kilometer vor der Wiese ist noch so schrecklich drauf.

LG

Antonia

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Meine Hüte Mix Hündin aus Kreta war auch so.Mit viel Arbeit und Ruhe ist es entspannt geworden.Die Spaziergänge hab ich einfach umgedreht nur ein Spiel sonst Ruhe.Mein Riesenrüde spielt auch gern und drehthoch er ist aber grundsätzlich vom Temperament viel ruhiger. Für mich sind diese hochintelligenten leicht überdrehten Genies irgendwie nichts . :) Jule ist aber ein toller Hund keine Frage.

lg Bj

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Hey @all

Ja es ist schon fatal die einen machen ihre Hunde zu Junkies und die anderen verdonnern sie zur Friedhofsruhe und beide sind überzeugt, dass sie den Hunden etwas Gutes tun.

Eine traurige Welt für Hund, und die Hundehalter/innen fühlen sich gut und bestätigt.

Man oh man!

Verstehen stellt besondere Anforderungen, Missverstehen nicht (G. Roth).

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Hey hansgeorg,

Wer schreibt denn hier von Friedhofsruhe? Keiner.

Ich werde also erst einmal genau dabei bleiben und von dort aus gezielte und sinnvolle actionreiche Auslastung suchen.

Bitte genau lesen ;)

Danke!

Das Unglück ist, dass jeder denkt, der andere ist wie er, und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt (H.Zille)

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Originalbeitrag

Hey hansgeorg,

Wer schreibt denn hier von Friedhofsruhe? Keiner.

Ich werde also erst einmal genau dabei bleiben und von dort aus gezielte und sinnvolle actionreiche Auslastung suchen.

Bitte genau lesen ;)

Danke!

Das Unglück ist, dass jeder denkt, der andere ist wie er, und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt (H.Zille)

Ja, ist doch klar, schreiben tut‘s keiner (ich bin wohl die Ausnahme), das zeigt ja, dass nicht erkannt wird, was die dahinterstehende Konsequenz tatsächlich ist.

Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun (O. Wilde)

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