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Hundeforum Der Hund
lol

Habe ich Lolita zu früh erlöst?

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es ist lieb, daß ihr versucht, mich wieder aufzurichten.

joss the dog: danke dir. für deine ernsthaften versuche, mich wieder zu "ernüchtern".

dein "vorgehen" ist meinem nicht unähnlich, wenn ich jemandem helfe, ihn aus einem schwarzen loch zu ziehen.

objektiv meine lage betrachtend: - nach Tierarzt diagnose spondylose 2 monate lang 2x die woche

physiotherapie. nach verschlechterung von püppis zustand

(verstärktes hecheln und verstärktes schleifen der hinterpfote).

im i-net gesucht,was püppi haben könnte. an "nur"

spondylose glaubte ich nicht mehr. meine 1. hündin hatte

das auch,da besserte sich das gangbild schon nach 4

anwendungen.im i-net auf cauda equina gestoßen - mrt

in tk bielefeld machen lassen.

cauda wurde bestätigt,chirug wollte wirbeldach entfernen.

war mir zu heftig.aber op musste sein,da physio ihren

zustand verschlechterte.

im i-net auf minimal-invasive op methode tk lüneburg

gestossen.

durchführen lassen. anschließend physio zu hause

durchführen lassen.

ihr ging es gut,nur wollte sie partout nicht spazieren gehen.

ums haus die runden gedreht,damit sie bewegung wegen

der muskulatur bekommt. totzdem wenig konsequenz

meinerseits,war ihrer schmerzen unsicher.

nach ca. 6 wochen nachkontrolle + epidurslspritze im

lendenwirbelbereich. dr. müller war zufrieden.ich auch.

am nächsten morgen: lähmungserscheinungen beider

hinterläufe. püppi konnte kaum laufen,drohte immer zur

seite zu fallen. mit der zeit wurde dies besser,verschwand

aber nie ganz.

weiterhin 2x/woche physio. püppi konnte bis 50 min. gassi.

keine schmerztabletten mehr.

november wurde sie von einem anderen hund auf die

seite geworfen.danach verschlechterung gangbild und

schmerzen.rimadyl tgl.

physio aufgehört.mrt lüneburg - dr.müller fand nix.

lol ging´s aber nicht besser.kein therapievorschlag,wir

wurden so klug wie vorher entlassen...

sie konnte nun schlecht gehen oder traben, "galoppierte"

vermehrt. lähmungserscheinungen verstärkten sich wieder.

gassi stark reduziert.lasertherapie bei einer anderen

tierärztin.zustand/schmerzen blieben.lasertherapie beendet.

leider auch von dieser ärztin kein alternativvorschlag.

rimadyl 2x tgl., da pü wieder zu hecheln begann.

2x à 10 min. gassi tgl., mehr wollte sie nicht.

wieder gellendes aufschreien,wenn sie aufstehen wollte.

3x rimadyl,trotzdem schmerzen.

RESIGNATION meinerseits.4 wochen urlaub genommen,

ihre "letzte reise" akzeptiert. nur noch bewegung garten.

wechsel von 3x rimadyl auf 1x onsior.oh wunder,schmerzen

verschwanden. 1.ärztin kommen lassen,um mich zu

vergewissern,ob lol tatsächlich schmerzfrei.sie bejahte.

würde sie aber einschläfern,weil wenn ein hund nicht mehr

spazieren gehen kann... sonst kein weiterer behandlungs-

vorschlag.

abschied von lol abgeblasen.mich exzessiv auf garten-

arbeit gestürzt.lol kam regelmäßig dazu,um nach mir zu

schauen.gut - so war sie in bewegung.

KEIN GEDANKE UND ANSTRENGUNG MEINERSEITS MEHR,

LOLLIS ZUSTAND DURCH NEUE MASSNAHMEN ZU

VERBESSERN. z.b. muskelaufbau durch erneute physio.

nach 3 wochen urlaub begann sie oft nicht mehr alleine

aufstehen zu können. auf den beine geholfen konnte sie

sich aber weiter selbständig bewegen,durch die

lähmungserscheinungen und muskelschwäche sah das

scheiße aus, aber sie hielt sich auf den beinen.

2 tage nach meinem urlaub wurde sie eingeschläfert.

sie war 13, sah aber noch immer aus wie 9. also nicht

erschöpft und lebensmüde oder schmerzgeplagt.

hat mir die tä DANACH bestätigt. DAVOR,daß pü kein

lebenswürdiges dasein führen würde.

objektiv betrachtet gab ich ihr recht.so ließ ich sie gehen.

subjektiv meine lage betrachtend: nach der lasertherapie habe ich pü aufgegeben.

resigniert,genervt,hilflos.

habe sie mehr oder weniger zu tode gepflegt, anstatt

am muskelaufbau und alternativmöglichkeiten wie

akupunktur,egel,rolli,wasserlaufband ect. zu arbeiten.

im hinterkop wußte ich das alles,ich habe es aber nicht

getan,mich nicht mehr damit auseinander gesetzt.

4 wochen zeit genug,um mit letzter energie ihre lauf-

schwäche aufzuhalten,zumindest es noch mal zu versuchen.

aber ich habe resigniert und sehenden auges ihrem verfall

zugeschaut.

DAS IST MEINE SCHULD: nicht bis zuletzt für sie gekämpft zu haben. ihre hinterhandschwäche

nicht konsequent behandelt zu haben. EINFACH RESIGNIERTE. die wichtigkeit des muskel-

aufbaus ignoriert zu haben. ist ja klar,daß sie nicht mehr alleine hochkam...ich habe ihren

frühzeitigen tod gefördert, weil ich ihren körperlichen verfall nicht durch muskelstärkende

maßnahmen verhindert habe. zumindest nicht versucht habe.

DRUM ist es ok, daß es mir so geht wie es mir grad geht. ich habe zu früh aufgegeben und sie hat dies mit einem frühzeitigen tod bezahlen müssen. :-(

ich bin nicht die arme hundemama,die sooo verantwortungsvoll und liebend war.

ich bin eine hundemama,die NICHT alle therapiemöglichkeiten für ihren hund ausgeschöpft

hat, obwohl ich die meisten im hinterkopf hatte! die möglichkeiten wären nicht mal schmerzhaft

gewesen!!!

es ist schlimm das von sich selbst zu sagen: aus bequemlichkeit meinen hund vorzeitig in

den tod geschickt,weil ich ihrem verfall sehenden auges zugesehen zu haben, ohne etwas

zu unternehmen.

ich weiß, ich wiederhole mich in meinen beiträgen.

aber mir sind meine worte immer wieder neu.

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Originalbeitrag

Wir verbringen viele Jahre mit unseren vierbeinigen Weggefährten. Auf einmal bemerken wir, dass sie alt werden, alt sind und die Zeit, die uns noch bleib kurz, viel zu kurz ist. Jeder von uns hofft, dass der treue Freund sanft hinübergleitet, uns die Entscheidung sein Leben zu beenden abgenommen wird. Die Angst davor ihn zu früh oder zu spät zu erlösen begleitet uns wohl alle. Jeder Tag ist ein Tag zu früh, jede Stunde ist eine Stunde zu früh, jede Minute ist eine Minute zu früh. Etwas was man sehr liebt loszulassen ist unermesslich schwer. Dass Du Dir Gedanken machst über den Zeitpunkt find ich vollkommen verständlich, normal. Wir bekommen darauf keine genaue Antwort, weil Hunde nicht sprechen können, zumindest nich in unserer Sprache.

Wenn wir es aus hündischer Sicht betrachten, was wäre dem Hund wohl lieber? Einen Tag, eine Woche oder auch einen Monat zu früh oder lieber zu spät? Ich denke, die Antwort ist klar. Erlösen, bevor das richtige leiden beginnt ist eine Gnade, der letzte Dienst, den man einem geliebten Freund erweisen kann. Dein Hund hätte sich - da bin ich mir sicher - für den selben Zeitpunkt entschieden wie Du es getan hast.

Ich zietiere mich mal selbst. Siehe oben.

Man kann Tränen vergießen, weil sie gegangen sind

oder man kann lächeln, weil sie gelebt haben.

Man kann seine Augen verschließen und beten, dass sie wiederkehren,

oder man kann seine Augen öffnen und all das sehen, was sie hinterlassen haben.

Das Herz kann leer sein, weil man sie nicht sehen kann,

oder es kann voll Liebe sein, die man mit ihnen geteilt hat.Man kann sich vom Morgen abwenden und im Gestern leben,

oder man kann morgen glücklich sein, wegen des Gestern.

Man kann sich grämen, dass sie gegangen sind,

oder man kann sich erinnern, ihr Andenken bewahren und es weiterleben lassen.

Man kann weinen und sich verschließen, leer sein und sich abwenden

oder man kann tun, was sie gewollt hätten:

Lächeln, seine Augen öffnen, leben und weitermachen.

(Verfasser Unbekannt)

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hansini:

ich gräm mich doch nicht, weil ich sie gehen lassen mußte, sondern das pü wegen meiner

fehlenden tatkraft ZU FRÜH gehen musste.

außer op, physio, laser und tabletten habe ich ja sonst weiter nix dagegen unternommen. :-(((

objektiv betrachtet: zu spät,

die erde dreht sich weiter

gehen müssen wir alle

es gibt schlimmere schicksale (ich weiß!)

lerne daraus

subjektiv betrachtet: pü musste wegen meiner bequemlichkeit zu früh sterben.

aus so einem schnöden grund vorzeitig gehen...

das ist bitter.

und es ist kein selbstmitleid.

ich halte nur den spiegel vor mich.

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Du bist zu hart mit Dir. Sei gnädiger zu Dir, dann kannst Du auch schneller mit der richtigen Trauerarbeit beginnen.

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lol, dann halte nicht nur den Spiegel vor Dich und schaue aufs Glas, sondern betrachte auch die Objekte im Hintergrund, wenn wir bei dieser bildlchen Darstellung sind. Du schaust auf Dich und siehst den Tod, den Du verursacht hast.

Du schaust aber nicht weiter um Dich herum und siehst das Leben :( Oder Dein Spiegel ist zu klein, sozusagen ein Schminkspiegel, aber wie ist bei einem solchen Spiegel? Man sieht die Dinge verzerrt und absolut ohne Konturen. Die richtige Sichtweise verstellst Du Dir damit selbst, also leg ihn weg.

Ich könnte noch soviele Synonyme dafür nehmen... Vorspiegelung falscher Tatsachen z.B. , ein Spiegel zeigt Dir nur die Oberfläche.... Nimm den Spiegel weg!! Gedanklich gesehen.

Hol Dir Hilfe, tu Dir diesen Gefallen. Ich kann so gut verstehen, dass man in einer solchen Situation verzweifelt und es selbst nicht mehr schafft, neutrale oder nüchterne Gedankengänge sich selbst zu erlauben.

Ich umarme Dich aus der Ferne und wünsche Dir ganz viel Kraft und Zuversicht.

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joss, danke.

weißt du, ich würde ja nicht anders zu jemanden sprechen,der in der gleichen lage wie ich wäre...

großspurig teilte ich jedem mit, wie wir uns einen gutes an den hunden nehmen könnten:

daß man im hier und jetzt leben sollte, nicht im gestern und morgen.

von cesar millan stammend. bin ein großer anhänger von ihm geworden, nachdem ich allabendlich

seine sendungen sehe.

nüchtern betrachtet sind fehler da, um sie zukünftig zu vermeiden.

und ich "funktioniere" weiterhin im leben "drumherum" ausserhalb des spiegels.

hatte mich um einen nebenjob beworben und diesen in der jetzigen dunklen phase auch bekommen können.

ich war mit katerchen beim arzt, da er schlecht aussah (katzenaids) und nun gehts ihm

wieder besser.

ich gehe 2.5 stunden mit unserem galgorüden spazieren, damit er ausgelastet ist.

ich bin mir bewußt,daß pü bei uns ein wirklich tolles leben hatte, da wir ihr völlig ergeben waren.

sie mir allerdings auch.

das ich auf die ernährung achtete (barfen,kochen, nassfutter 70% fleischanteil ect...)

super schöne spaziergänge mit ausluf und viiiiel mäusebuddeln.

im bett schlafen.mit zur arbeit.ich fast gar nicht mehr außer haus,weil sie trotz hundesitting durch schwiegermutter jammerte.

ihre krankheit erkannte,die meine tierärztin und physiotherapeutin NICHT erkannten.

das wichtigste durchführen ließ...jedoch zum schluß an meiner bequemlichkeit versagte...

ich finde, daß der tod sowas von endgültig ist. und ich kann mich einfach nicht damit

abfinden, daß ich bei lolli mich letztendlich damit abgefunden habe.

OHNE ihr noch chancen zu geben,diesen zum damaligen zeitpunkt noch abzuwenden.

denn lebensfreude - die hatte sie in meinen augen. WIRKLICH! ganz nüchtern.

spazieren gehen war ihr wirklich so egal (auch als sie gesund war), sie wollte eigentlich

nur meine nähe und fressen und schmusen,schmusen,schmusen. ich habe dies zugelassen,

anstatt sie diszipliniert zum bewegen wegen ihrer muskulatur zu animieren. :-(

beruflich funktioniere ich gut. da habe ich mich gut im griff. und "klare" augenblicke im

alltag habe ich auch.fühle mich dann, als "wäre nix".

und dann saust wieder der hammer nieder und ich bekomme kaum luft vor lauter reue. nicht

mehr für lol getan zu haben.

gott nee...ich schreib´immer solche romane.

es tut gut, hier zu schreiben. mit reden will ich meine "umwelt" nicht belasten.

und ich verstehe, daß sie nicht verstehen. kennen sich ja mit den ganzen therapievorschlägen

gar nicht aus. wie ich auch z.b. mit den hunderolli,den ich nach den unfall mit anderen hund

hätte anwenden können. da kannte ich mich leider nicht aus. und hatte keinen, der sich

damit auskannte.

wär ich nur früher im hundeforum unterwegs gewesen. bin eigentlich keine forumsschreiberin,

drum kam ich nicht auf die idee, dort um ratschläge zu bitten.

nun...pü musste mit ihrem leben bezahlen, damit ich für das leben dazulerne.

drum...therapie..bin die letzte, die sowas nicht befürwortet. nur gibt es menschen ( wie

z.B. deine mutter), für die diese plätze wirlich notwendig sind.

der tod ist endgültig, nicht rückkehrbar, um fehler und neu gewonnene erkenntnisse "auszubügeln". mich belastet es einfach, daß ich lollis frühzeitigen tod durch nicht genutzte

maßnahmen auf die leichte schulter genommen habe.

und eigentlich verdiene ich nicht mal die reue und tränen. schließlich wußte ich unbewußt,

wohin mein nichthandeln führen wird. :-(

drum beschämt mich auch euer trost und die zeit, die ihr für mich aufbringt.

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Pü's Mama, lies dir das mal ordentlich durch. Das ist nicht ganz einfach, nicht für mich es zu schreiben, vermutlich auch für andere nicht es zu lesen. Trotzdem:

2006 war das bisher bescheidenste Jahr, daß meine Familie und ich je erlebt haben. Ich war schwanger. Zwillinge. Anfang Januar hatte ich wieder einen Kontrolltermin bei meiner Gyn. Blasensprung des einen Zwillings, dem anderen ging es gut, da getrennte Fruchtblasen. Sofort Klinik. Ich durfte nicht mehr aufstehen. 2 Wochen habe ich nur gelegen. Norddeutsche oder zumindest Hamburger werde die Klinik kennen, Marienkrankenhaus. Das hat einen extrem guten Ruf als Geburtsklinik. Nach diesen 2 Wochen war es ihnen aber zu heikel und sie überwiesen mich in die Barmbeker Geburtsklinik, mit der Ansage, daß sie dort künstliches Fruchtwasser in die beschädigte Blase injizieren können, da dort Spezialisten sitzen. In Barmbek angekommen kein Wort mehr von Bettruhe, sondern eine unfreundliche Schwester, die mir erklärte, daß ich selbst auf Toilette gehen müsse. Es war vorher nicht mein Traum, mich auf eine Bettpfanne zu wuchten und - entschuldigt - fast 30 min für meinen Stuhlgang zu benötigen, da ich durch die 0-Bewegung eine ganz träge Verdauung bekam und fast Diamanten kackte. Anfangs aß ich auch noch zum Frühstück und Abendbrot immer Vollkornbrot, weil ich meinen Babys natürlich nur das Beste wollte - bis mir eine Schwester riet, lieber das ungesündere aber leichter verdauliche Weiß- oder zumindest Graubrot zu nehmen.

Die unfreundliche Schwester erklärte mir nicht, warum in Barmbek keine strenge Bettruhe mehr herrschte, sondern pampte mich an, weil ich wegen einer Bettpfanne klingelte. Trotzig wie ich war, vor allem ohne Begründung so behandelt zu werden, stellte ich mein Bett so ein, daß das Fußende höher lag als das Kopfende. Bis mir eine Schwesternschülerin erklärte, warum es dort so gehandhabt wurde, wie es war.

Fruchtwasser kann man nicht am Fliessen hindern. Das ist nicht wie mit Urin, du kannst dich zusammenkneifen wie du willst, es läuft trotzdem. Das merkte ich auch. Egal wieviel Bettruhe ich einhielt, es lief trotzdem bei jeder Bewegung. Wenn ich das Becken anhob, um auf die Bettpfanne zu kommen, wenn ich Stuhlgang hatte - und ich versuchte schon so sanft wie möglich diese Verstopfungen loszu werden ohne zu pressen -, wenn ich mich im Bett umdrehte, weil mir die Seite schon weh tat vom Liegen. Es tröpfelte. Die Fruchtblase kann sich zwar lt Aussage der Ärzte wieder reparieren, aber dafür darf es nur ein kleiner Defekt sein. Es war wohl größer bei mir.

Die Schwesternschülerin erklärte mir, daß das Fruchtwasser, welches rauslaufen möchte, durchs Liegen auf halbem Wege stehen bleibt und somit schneller durch Keime belastet wird, was eine Infektion hervorrufen würde. Also ist es besser, nicht die ganze Zeit zu liegen. Das leuchtete mir ein.

Ein hochangesehener Professor erklärte mir in Barmbek, daß man tatsächlich künstl. Fruchtwasser injizieren kann, aber bei mir nicht machen wird, da es einfach zu riskant ist, die Babys (naja, Föten ja eher) und die gesunde Fruchtblase zu verletzen. Bei einem Einling könnte man das machen, aber mit Zwillingen in getrennten Fruchtblasen hat man einfach keine Erfahrung, denn sowas passiere eigentlich praktisch nicht. Das Thema war also abgehakt.

Irgendwann wurde uns, meinem Mann und mir, ganz kurz die Möglichkeit genannt, daß wir das Mädchen mit der beschädigten Fruchtblase durch eine OP entfernen könnten, damit der Junge in der heilen evtl normal wachsen kann und wir so vermutlich zumindest ein Kind retten könnten. Sogesehen also eine Abtreibung. Mein Mann hat wie immer in solchen Momenten mit untertassengroßen Augen einen kleiner-Junge-Blick drauf gehabt, was bedeutet, daß er nicht mal sein Geburtsdatum hätte sagen können. Also musste ich funktionieren und eine Entscheidung treffen. Meine Entscheidung war: Ich kann nicht den Tod meiner Tochter ansagen, wenn noch die Hoffnung besteht, daß beide Kinder überleben können und bei der anderen Entscheidung evtl auch etwas schief gehen könnte mit unserem Sohn.

Nach weiteren 2 Wochen konnte man den Fuß unserer Tochter durch leichtes drücken auf meinen Bauch schon im Geburtskanal sehen. Meine Gebärmutter entzündete sich nicht, was fatal gewesen wäre, aber ich wurde auch extrem mit Antibiotika vollgepumpt. Trotzdem musste bei diesem Ergebnis sofort ein Notkaiserschnitt eingeleitet werden. Ich versuchte noch mit dem Arzt zu verhandeln, ob wir nicht noch 2 Tage warten könnten. Nein. Exakt in der 25ten Schwangerschaftswoche wurden die beiden also geholt. Unsere Tochter verstarb wenige Stunden nach der Geburt in unseren Armen.

Unser Sohn lebte noch 9 Monate, fast ausschließlich im Krankenhaus. 8 oder 9 mal musste er operiert werden, teils Not-OPs, weil Darmabschnitte abstarben und sich entzündeten bzw sich entzündeten und dann abstarben. Man weiß nicht genau was zuerst kam - Henne oder Ei, Ei oder Henne? Er benötige zeitweise 4 künstliche Darmaus- bzw -eingänge. Ich lernte wie man seinen im Beutel aufgefangenen Nahrungsbrei von einem Darmausschnitt in den nächsten injizierte, ich lernte seine Pflege, Magensonden-Legen, mein Mann und ich lernten, wie man Säuglinge wiederbelebt. Unsere ältere 2j. Tochter kam eindeutig zu kurz. Meinen 30igsten Geburtstag feierte ich nicht, weil ich wie jeden Tag im Krankenhaus bei meinem Sohn war.

Im Sommer 06 entgleiste der Zug, mit dem ich von meiner Hamburger Vorstadt Richtig Krankenhaus fuhr, weil jemand die Gleise absichtlich blockierte. Zum Glück waren wir schon dabei die Geschwindigkeit zu drosseln für den nächsten Stop, so daß zwar die Zugmaschine mit dem Bahnführer aus den Gleisen sprang, aber ansonsten keinem Menschen etwas ernsthaftes passierte.

Nach fast 9 Monaten durften wir unseren Sohn endlich mit nach Hause nehmen, soweit gesund wie es bei ihm möglich war. Er musste immer noch einen Monitor tragen zur Vitalfunktionenüberwachung, benötigte Zusatzmittel zur Nahrung, weil wichtige Darmabschnitte für die Calciumaufnahme fehlten und er dadurch schon 3 Knochenbrüche hatte.

Ich habe meinen Milchfluß die ganze Zeit am Laufen gehalten durch Pumpen, weil ich wollte, daß er Muttermilch bekommt, auch wenn er nicht selbst trinken konnte. Die letzte Zeit war er dann groß und stark genug, doch zumindest einen Teil seiner Nahrung durchs Stillen aufzunehmen. Meine Brüste wollten/konnten aber irgendwann nicht mehr. Trotz alkoholfreiem Hefeweizenbier, welches die Milchproduktion wirklich toll anregen kann (hatte mir meine Hebamme empfohlen und es funktionierte tatsächlich gut bei mir), trotz alle 2 Stunden pumpens, die Milchmenge wurde immer weniger. Eine Nacht musste ich meinem Sohn Ersatzmilch geben. Ich ließ ihn schlafen und verabreichte ihm die Milch über seine Magensonde. Diesmal keine Muttermilch dazu. Am nächsten Tag fing er an mehr zu weinen, hatte offenbar Bauchschmerzen, bekam allmählich Durchfall, der langsam blutig wurde und erbrach immer wieder. Wir fuhren ihn wieder in die Klinik. Er blieb über Nacht. Ich wurde gefragt, ob ich wieder ein Zimmer haben wollte und auch dort bleiben wollte. Erst sagte ich zu, dann änderte ich ganz plötzlich meine Meinung, weil es war als wenn mir eine Stimmte sagte, daß ich besser zu Hause sein sollte bei dem Rest meiner Familie. Er war im Krankenhaus sowieso in den besten Händen. Also fuhr ich wieder mit nach Hause, freute mich richtig drauf, endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen zu können. Am nächsten Tag war Colin tot.

Lt. Ärzten muss er einen Magen-Darm-Infekt gehabt haben, den wir vermutlich übertragen haben ohne selbst dran zu erkranken, denn Kontakt zu anderen hatte er nicht, gerade weil seine Gesundheit so fragil war. Einem normalen Darm hätte das nichts ausgemacht, sein Darm starb wieder ab und er gaste so weit auf, daß er nicht mehr selbstständig atmen konnte und auch keine künstliche Beatmung mehr möglich war.

Vom Kopf her weiß ich, daß ich alles getan habe, was ich konnte. Aber ich fühle Schuld. Weil ich ihm diese eine Mahlzeit komplett Ersatzmilch gegeben habe, damit ich für die nächsten Mahlzeiten mehr von der weniger werdenen Muttermilch hätte. Auch wenn die Ärzte sagen, daß ich keine Schuld trage, daß es ein Virus war - ich fühle mich schuldig.

Ich bin sehr traurig, weil ich nicht da war als er starb. Aber ich bin überzeugt davon, daß ich gehen sollte. Die Art wie ich diese Entscheidung fällte sagt mir einiges. Über ein Jahr habe ich getrauert, bis mir Colin in einem Traum sagte "Mama, alles ist gut."

Es war einfach so, wie es war.

Ich möchte dieser Stimme keine Stimme geben, die sowieso immer gerne sagt, was man alles falsch gemacht hat und triumphierend auf persönlichen Schwächen herumreitet. Nicht nur, weil mir diese Innere Stimme nicht wohlgesonnen ist, und sowieso nichts anderes kann als negativ sein, sondern weil sie mir mein Andenken auf meinen Sohn versauen würde. Wie schön es war an ihm zu riechen, wie klein und zart er war. Wie er mich auf dem Wickeltisch angepinkelt hat, wie seine Füße gestunken haben, wenn ich seine Sensorenmanschette an den Füßen wechselte, die die Sauerstoffsättigung des Blutes kontrolliert. Wie gut er sich in meinen Armen anfühlte, wie friedlich es war, ihn zu stillen, auch wenn es nur so wenig funktionierte.

Und, lol, wenn wir unsere Zwillinge bekommen hätten, oder Colin überlebt hätte als körperbehinderter kleiner Junge, hätten wir heute nicht unser 4tes Kind, Lennox. Ein Sonnenscheinkind, daß wir nur bekommen haben, weil es unsere Zwillinge gegeben hat. Vergangenheitsform: gegeben hat.

Für mich macht das alles eine Sinn. Ich habe keine Angst mehr, die sich in diesen Schuldgefühlen manifestiert hat, auch wenn mein Kopf mir sagte, daß es richtig war, wie es war. Ich habe mich der Angst stellen können und habe dank meines verstorbenen Sohnes verstanden, daß er mir keine Vorwürfe macht. Und ich bilde mir zumindest ein, daß ich den höheren Sinn dahinter etwas sehen kann und ich loslassen sollte.

Das wünsche ich dir auch.

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Originalbeitrag

drum beschämt mich auch euer trost und die zeit, die ihr für mich aufbringt.

Nix da :) <--- um mal ein wenig Smilies in dieses Thema zu bringen... :)

Jeder, der hier ist, bringt seine Zeit freiwillig auf, niemand wird dazu gezwungen, sich auf Dich und dieses Thema einzulassen, außerdem ist es viel leichter zu geben, als zu nehmen, in den meisten Fällen :)

Also, nix beschämendes, einfach nur ehrliche Anteilnahme!

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Mir fehlen die Worte.... gibt eigentlich nicht mehr zu schreiben dazu walhalla, außer, dass ich meinen Respekt zolle vor soviel innerer Stärke und Kraft.

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danke joss. :)

walhalla:

was soll ich sagen - euer schicksalschlag würde viele menschen (auch mich) in schwerste

depressionen fallen lassen. die ehe zerbrechen lassen. ganz ganz tief nicht begreifbar.

und trotzdem erhält sich bei manchen menschen die kraft und stärke, sich nach vorne wendend

aus so einer tiefe herauszuholen. ob alleine oder mit hilfe von außen. menschen, die bereit

dafür sind.

bei dieser tragik, die du und dein mann durchleben mußtet, würde ich tatsächlich nach professioneller hilfe suchen.

viele menschen zerbrechen aber auch trotz diesem rettungsanker an solch erlebtem wie ihr sie hattet. ihr hattet euch und die stärke und den mut, daß man auch nach solch einer tragik

zu seiner lebensfreude zurückfinden kann.

danke dir sehr, daß du mir derart sehr sehr persönliches offenbarst, um mich

aus meinem tief zuholen.

und ich weiß auch, warum du mir damit helfen willst. meine schuld zu relativieren.

aber dein erlebtes und meines mag ich gar nicht vergleichen, drum auch das verneinen von

joss´therapievorschlag. grad menschen, die solche schicksalschläge wie du erleiden musstest,

sollten diese raren plätze "vorbehalten" sein.

natürlich denke ich über die schlimmen geschehenisse um mich herum und in dieser welt nach.

wie klein mein "leiden" dagegen ist.

bei einer freundin ist der krebs zurück gekommen, wie klein komme ich mir vor, so elend vor mich herzukrepeln, während sie mit der erneuten diagnose (2 rührende Kinder hat sie)

tapfer und als-wäre-nichts ihren alltag meistert.

wobei ich sie dazu ermutige, sich in meiner gegenwart gehen zu lassen, nicht immer die

tapfere sein zu müssen. sich auch ihre angst, frust und hilflosigkeit auskotzen und -heulen

zu dürfen (bei mir). nicht immer aus rücksicht auf andere stark erscheinen zu müssen.

ist das falsch? schwäche ich sie damit?

aber wißt ihr: in solchen augenblicken reisse ich mich zusammen und alles ist ok und ich sehe klar. in diesem augenblick finde ich mit ab, was bei mir geschehen ist.

bis dann der hammer wieder niedersaust.

vor lolli verschwand meine 1. windhündin spurlos während eines spazierganges. grad

mal 1 km von zuhause entfernt. oft begangene strecke. habe sie losgemacht auf dem rückweg an einer strecke, wo kein ausbruch durch wild, felder und wälder möglich war.

links der fluß und rechts eine 10m hohe durchgehende mauer.

als sie verschwand, mühte ich mich grad damit ab, unseren neuen rüden vom mauseloch zu bekommen.

ein halbes jahr gesucht mit suchberichten mit fotos in zeitungen (sogar die bildzeitung gab ein bericht mit farbfoto raus), radio und vielen flugzetteln und i-netpräsenz. nix. gar nix.

schlimmste verzweiflung.

dann kam lolita.

die hielt nix von meiner trübsinnigkeit. wischte sie mit ihrer unbefangenheit und

zärtlichkeit fort. sogar mein sehr rationaler mann meinte, mit lolli kam die sonne ins haus.

wißt ihr: ich mag menschen und versuche zu helfen wo ich helfen kann (helfersyndrom). aber noch mehr

liegen mir tiere am herzen. sie sind mir gefühlsmäßig näher und tiefer. ethisch nicht korrekt, aber es ist so wie es ist.

aber durch walhallas erlebtem setzt das schlechte gewissen ein.

macht zur zeit kedoch den schmerz nicht weniger.

die zeit..ich warte einfach ab...pamplinas verschwinden konnte ich dank pü nach langer zeit auch verarbeiten und annehmen.

danke, daß ihr für mich da seid.

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