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polar-chat.de  Der Hund
bbina

Gibt es eine Definition von "Jagdtrieb"?

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Hallo,

ich war am Wochenende auf einem Seminar und schilderte der Referentin / Trainerin u.a. das Jagdverhalten von Jomi.

[ALIGN=center](Er ist (meistens) nicht zu halten, wenn Wild plötzlich vor ihm aufspringt,

wenn er es stehen sieht, dann kann ich ihn in 90% aller Fälle mit Worten bei mir halten, wenn er in meiner Nähe ist.)[/ALIGN]

Die Referentin schüttelte lächelnd den Kopf und meinte: Der jagt nicht!

Bei Nachfrage meinte sie, ich hätte noch keinen jagenden Hund erlebt...

Gibt es denn eine Grenze, ab wann der Hund als Jäger bezeichnet wird, bzw. als wann ich ihm ein gewisses Jagdverhalten zusprechen kann/muss?

Irgendwie blöde Frage, aber vielleicht weiß ja jemand eine Antwort :)

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Ich finde die Frage überhaupt nicht blöd, im Gegenteil.

Das Verhalten was du oben schilderst, ist bei meinem Rüden genauso. Bewegt sich nichts, ist er abrufbar und springt/rennt was weg, dann muss ich ihn rausrufen, weil er bzw. das was wegspringt auslöst.

Zudem sucht er sich Fährten, was ich immer wieder kontrollieren muss, wenn er ohne Leine läuft. Mache ich das nicht, würde er mich einfach ausblenden uns sich verselbständigen.

Ob das dann allerdings "reicht", ihn als (Vollblut-)Jäger zu bezeichnen, kann ich nicht sagen.

Jagderfolg hatte er jedenfalls noch nie.

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(bearbeitet)

Definitionen nein. Aber Modelle.

Es gibt ein Triebmodell (und ich erinnere daran, dass jedes Modell nur eine VEREINFACHUNG ist, damit sich Menschen besser darüber unterhalten können, und dass ein Modell so lange Gültigkeit hat, bis es überarbeitet wird), das besagt, wie Triebhandlungen ablaufen.

Man redet immer von Jagdtrieb, aber eigentlich ist das ungenau. Genau genommen existieren (nach diesem Modell) nur 3 tatsächliche Triebe. 1) Ernährungstrieb, 2) Sexualtrieb, 3) Selbsterhaltungstrieb.

Jeder dieser Triebkreisläufe ist in Sequenzen unterteilt, was bedeutet: Jagen ist nur eine schwammige Bezeichnung für eine oder mehrere Sequenzen innerhalb des Ernährungstriebes.

Laut Triebmodell bedarf es eines instinktiven oder konditionierten Schlüsselreizes (zB Wild Geruch oder Sicht) --> es folgt die Eingangssequenz (Hund nimmt Geruch wahr, schnüffelt, wittert, fixiert etc pp) --> Zwischensequenz (Hund stöbert, nähert sich Wild, hetzt Beute hinterher, stellt, tötet) und geht in die--> Trieb bestätigende Endsequenz über (Sichern der Beute, fressen).

Nun lassen sich diese Sequenzen züchterisch beeinflussen, was erklärt, dass ein Border idR diese Endsequenz nicht zeigt, sondern nur Teile aus der Zwischensequenz abspult (eben Hüteverhalten: anpirschen, stellen, hetzen etc pp).

Bei manchen Hunden sind die einzelnen Motivationsräume (also die Größe dieser einzelnen Sequenzen) eben kleiner, weshalb der eine Hund mehr Jagdmotivation mitbringt als ein anderer und sich folglich auch leichter beherrschen lässt.

Dein Hund kann also sehr wohl Teile des Jagdverhaltens zeigen, aber vlt (noch) unsortiert oder mit ungenügendem Schlüsselreiz oder mit zu wenig Motivation oder oder oder..

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Ich habe eine Vollblutjägerin.

Wenn die Kaninchen sieht und nicht angeleint ist, ist sie weg.

Nichts zu machen, die ist weg.

Deshalb bleibt sie an einigen Stellen immer angeleint.

Nur da, wo ich sehen kann, dass kein Wild unterwegs ist, darf sie laufen.

Mittlerweile bleibt sie an der Leine ruhig, setzt sich ab und schaut nur.

Vorher zog sie mich einfach mit.

Ansonsten arbeite ich an der Impulskontrolle aber es ist schwer.

Wenn sie ausgelastet ist, ist es besser, aber wirklich kontrollieren kann ich sie dann nicht.

Sobald sie auf Jagdmodus ist, ist sie nicht mehr ansprechbar, weder reden, schreien, werfen neben den Hund, auf den Hund, alles bringt NICHTS.

Sie jagt auf Sicht, stöbert auf und hetzt bis zum Ende.

Einmal hatte sie Erfolg und brachte mir das Kaninchen über die Fläche von 2 Fußballfeldern.

Wie gesagt, wir arbeiten daran und sie wird nur noch abgeleint, wo ich sie zu 90% unter Kontrolle habe.

Mehr wird erst im Laufe der Zeit möglich sein.

Und ja, ich bin auch mit ihr in einen eingezäunten Auslauf, in dem wir gearbeitet haben.

Ob das hilft, weiß ich nicht, aber ja, ich kenne Vollblutjäger, leider.

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Habe vor Kurzem gelesen, das Rehe deswegen häufig regungslos verharren wenn sie einen Hund sehen, weil Hunde extrem kurzsichtig sind und sie erst rennendes Wild auf Entfernung optisch wahrnehmen. So haben sie noch die größte Chance unentdeckt zu bleiben.

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Das könnte gut passen, Wauzin. Menem Rüden fehlt auch oft ne Brille. ;)

Vorletztes Jahr im Winter haben wir ein verletztes Reh gefunden, was völlig regungslos vor uns lag.

Wir mit den Hunden waren vielleicht 3 m entfernt. Das hat meinen Rüden überhaupt nicht interessiert.

Aber ich denke, es hat auch was mit der Flucht zu tun und nicht zwingend nur mit dem Objekt selber.

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Ich habe hier auch so ein "Jagdexemplar". Da braucht es keine Bewegung, Leni sieht z. B. eine Katze ruhig in Nachbars Garten sitzen, fängt an zu schreien, verbeißt sich im Zaun.

Ich glaube ableinen beim Spaziergang kann ich sie nie. Ihr ist es egal ob ein Reh ruhig steht oder wegrennt,sie geht sofort darauf los, ist dann auch nicht mehr ansprechbar!

Also bleibt nur die Schleppleine.

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Bei Jule sind es GsD nur Kaninchen und seit ihr ein Vogel ins Maul flog wieder Vögel.

Rehe beachtet sie zwar, aber jagt sie nicht, wobei ich stark daran arbeite, dass das so bleibt.

Raudi, ich dachte nach der Kaninchenaktion auch, das wird nie, aber Toitoitoi, es klappt.

Mit Notpfiff und viel Arbeit.

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Meine Scully, Podenco Mix, braucht garnix sehen, die ist im Jagdmodus, sobald wir vor die Haustür treten :D

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Hm, Yatzy hat ja ne sehr schöne Beschreibung dazu geliefert und ich versuche gerade meinen Hund da einzusortieren.

Das letzte, die Motivation zum Töten um an Nahrung zu kommen, kann ich bei meiner ausschließen. Sie hat schon mal ne Ente erwischt, die sie dann aber zum Glück auch noch lebend wieder fallen ließ. Mäuse jagt und tötet sie zwar gerne, aber fressen...nee. Da macht sie den Eindruck, als weiß sie nicht, wie jetzt weiter. Da muß schon ein anderer Hund daneben stehen und es ihr neiden, da hat sie auch schon mal eine runtergewürgt...bevor der andere das macht, das geht ja nicht.

Sie ist auch keine, die sucht, also nur mit der Nase auf dem Boden oder in der Luft hängt, wie ich es mal bei einem Englischen Setter von nem Bekannten beobachtet habe. Also der Duft oder die Fährte muß sie schon förmlich anspringen, habe ich den Eindruck. Das tut dieser aber leider recht gerne und oft (gutes Näschen), selbst wenn ich weit und breit nichts sehen kann, das ist link und erfordert immer Aufmerksamkeit auf ihr Verhalten, ist aber zum Glück mittlerweile sehr gut zu kontrollieren.

Sie ist aber eindeutig ein Sichtjäger, alles was sich bewegt ist interessant und jagenswert. Dann wird´s spannend, alles hängt von einer möglichst schnellen Reaktion meinerseits ab. Je früher reagiert, desto besser. Das beste schon vor ihr sehen und sie bei Fuß rufen. Ist sie einmal weg, wird´s schwierig. Sie hat allerdings gelernt, nämlich daß ich es ausgesprochen sch.... finde und ziemlich sauer sein kann und das auch richtig lange. Von daher überlegt sie es sich mittlerweile dreimal, wie spannend das jetzt wirklich ist, da hinterher zu hetzen. Meistens ist sie ganz schnell wieder da, wenn ich hinter ihr her brülle.

Ich habe bei meiner eher den Eindruck, daß es ihr ums Hetzen geht, um den Spaß oder den Adrenalin-Kick und nicht darum, wirklich was zu erwischen und zu töten.

Aber bisher habe ich es trotzdem immer als Jagdtrieb eingeordnet.

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