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Der kleine Rehbock

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(bearbeitet)

Ich muss heute mal was loswerden, denn irgendwie will das Erlebte von gestern nicht aus meinen Gedanken.

Eigentlich bin ich ein sehr bodenständiger Mensch, der nicht an "höhere" Macht o.ä. glaubt, aber 2 Erlebnisse in meinem Leben sind irgendwie anders.

Gestern nach meinem Nachtdienst wollte ich eine Arbeitskollegin mit nach Hause nehmen. Ich habe länger auf sie gewartet aber sie schien schon ohne mich losgegangen zu sein.

Ich war auch nicht böse drum, da ich nun keinen Umweg fahren musste und dachte mir ich könnte mal wieder die schönere Strecke durch den Wald fahren. Da begegnet mir keiner und ich brauche mich nicht über den Fahrstil anderer aufzuregen ;-)

Außerdem liebe ich es im Morgengrauen Wildtiere zu beobachten.

Kurz vor dem Ortseingang unseres Dorfes kam mir en Auto mit Lichthupe entgegen und ich fuhr langsamer.

Schnell sah ich, dass auf meiner Fahrspur ein Auto mit Warnblinklicht stand und beim Näherkommen sah ich ein kleines Reh in der Straßenmitte liegen.

Ich fuhr an den linken Straßenrand und stieg aus, da der Fahrer des Fahrzeues recht verzweifelt aussah.

Ich fragte ihn ob is ihm gut gehe und ob er die Polizei verständigt hätte, worauf er antwortete, dass das Reh schon auf der Straße gelegen hätte und er die Polizei soeben verständigt hätte.

Ich ging langsam auf das kleine Reh zu, welches sich als Rehbock rausstelle und sah diverse Verletzungen. Es lebte und beobachtet uns nur.

Also hob ich es hoch und brachte es gestützt zum Seitenstreifen, damit andere Fahrzeuge ungehindert vorbeifahren konnten.

Ein kurzer Check ergab einen offenen Bruch am linken Hinterlauf der stark blutete, starke Kopfverletzungen hinter den Ohren, es lief Blut aus Mund und Nase.

Ich erklärte dem netten Helfer, dass das Reh sicher keine Überlebenschance haben werde und in Freiheit langsam und elendig sterben würde. Eine tierärztliche Versorgung von Wildtieren meines Wissens nach auch kaum möglich wäre und das Verhalten des Tieres, seine "Zutraulichkeit" auf eine sehr starke Kopfverletzung hinweisen würde.

Er war sehr erschüttert und hatte gehofft, dass das Reh zu retten sei. Ich erklärte ihm, dass di Polizei sicher gleich den Jagdpächter informieren würde und sicher das Tier vor Ort erlösen würden.

Ich holte meine dicke Hundedecke aus dem Kofferraum und wir lagerten das Reh darauf und deckten es zu.

Da es einmal stark strampelte holte der Mithelfer eine Hundeleine aus seinem Auto - auch er war Hundebesitzer und wir leinten den Rehbock an um weitere Unfälle zu vermeiden.

Da saß ich nun mit einem angeleinten Rehbock in meinem Arm am Straßenrand.

Diesen Blick des Tieres werde ich nie vergessen: Verwunderung, Dankbarkeit, Hilflosigkeit - ich kann viel hinein interpretieren aber es war ein sehr bewegendes Erlebnis.

Zwischendurch legte es den Kopf in meinen Arm.

Wir haben eine Stunde bibbernd auf die Polizei gewartet, die dann meine Vermutung bestätigten und das Reh erlösten.

Eine ganz normale Geschichte aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich sollte da vorbeifahren, genau zu dem Zeitpunkt und das berührt mich sehr.

Tante Edit sagt noch, dass ich hoffe, das der Unfallverursacher genug gestraft ist mit dem Schaden an seinem Auto. Einfach Abzuhauen ist so feige und Rücksichtslos, dass ich es kaum in Worte fassen kann.

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Deine Geschichte haut mich grad ziemlich aus den Schuhen, Anja.

Ganz sicher sollte es so sein, dass Du gestern zu dieser Zeit an diesem Ort warst.

Ich hab letztes Jahr im Oktober einen Hund angefahren. Morgens, um kurz vor sechs auf dem Weg zur Arbeit.

Um kurz nach sechs starb er in meinen Armen, im Kofferraum meines Autos, direkt vor der Tierarztpraxis.

Und jeden Morgen sehe ich diesen Hund, Tobi, da liegen.

Mich lässt das absolut nicht los.

Dass es einem so nahe geht ein fremdes Tier beim Sterben zu begleiten, habe ich vorher nicht für möglich gehalten...

Ich wünsche Dir, dass Du mit dem Erlebten gut klarkommst.

Was ich dem Menschen wünsche, der ein verletztes Tier einfach liegen lässt, schreibe ich lieber nicht.

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Danke, Tina für das Mitteilen deines Erlebnisses!

Ich handle ja in meinem Beruf oft aus dem Bauch heraus, das ist mir also nicht fremd und auch das Thema Tod ist für mich kein Unbekanntes und ich habe auch einen guten Weg gefunden, damit umzugehen.

Aber dieses Gefühl, du MUSST heute diesen Weg fahren und zwar zu diesem Zeitpunkt - das ist für mich... unbeschreiblich.

Ich hatte as bislang erst einmal, als meine Tochter einen schweren Unfall hatte. Ich hatte in der Wohnung das ungute Gefühl, sie schreien zu hören (konnte ich aber nicht, es war viel zu weit weg) und bin im Trainingsanzug rausgestürmt mit den Worten "Es ist was passiert" und habe sie blutüberströmt vorgefunden.

Und gestern war halt dieses Gefühl wieder da.

Wie gesagt. Ist für mich sachliche Person sehr seltsam und ich musste das mal loswerden ;-)

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Eine traurige Geschichte. :(

Ich kann gut verstehen dass sie dich mitnimmt. Wenn ich mich um ein fremdes, vielleicht auch durch einen Unfall verletztes Tier kümmere fühle ich mich auch immer sofort verantwortlich. Und bin furchtbar traurig wenn das Tier es nicht schafft.

Eine Horrorvorstellung, selbst ein Tier anzufahren. Ich hoffe dass mir so etwas nie passieren wird.

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Jedenfalls war es großes Glück für den kleinen Rehbock, daß du da warst!! Auch wen er es leider nicht geschafft hat, hatte er im letzten Moment keine panischen Gefühle, er hat gespürt, daß du ihm gutes willst. Oh Mann das sind so Situationen.......

Ich hatte auch schon zwei, drei Erlebnisse "merkwürdiger Art" im Leben. Das beschäftigt einen noch lange.

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Oh Leute... jetzt sitz ich hier mit Tränen in den Augen... schnief... :(

Die Wärme eines Körpers zu spüren, eine tröstenden Hand und leise Worte wird der Rehbock noch nie gehört/gespürt haben, aber es hat beiden bestimmt den letzten Schritt erleichtert.

Anja, du warst dort wo du in dem Moment am dringendsten gebraucht wurdest. :knuddel

Das einzig gute ist, dass der Rehbock und der Hund (Tina :knuddel ) mit Liebe und Mitgefühl, und nicht alleine und ohne Beistand gestorben sind.

Habt ihr gut gemacht!

Edit hat den "Respekt" Smilie entfernt... der ist einfach zu affig... aber meinen Respekt habt ihr natürlich trotzdem!

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