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polar-chat.de  Der Hund
Micky2012

Jetzt komme ich mal ganz vorsichtig mit meiner ersten Frage um die Ecke: Mangelnde Aufmerksamkeit

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Micky ist 14 Monate alt und momentan voll in der Pubertät. Unser momentan größtes Problem ist seine Reizempfänglichkeit auf Spaziergängen. Egal ob irgendwo ein Fahrrad, ein Jogger, ein Hund oder ein Spaziergänger des Weges kommt, oder ob auch nur ein Haufen Holz irgendwo liegt, wo gestern noch keines lag, Micky ist sofort mit der Aufmerksamkeit weg und nicht mehr "ansprechbar".

Ich übe gerade die Leinenführigkeit mit ihm. Micky sieht in der Ferne einen Fahrradfahrer auf uns zuradeln. Mein Endziel wäre ja, dass ich ihn kurz anspreche und er "einfach" weiter neben mir herläuft. Aber davon sind wir noch meilenweit entfernt ;)

Momentan wirft Micky sich ab diesem Zeitpunkt in die Leine und zieht zum Objekt seiner Begierde hin. Ich bleibe stehen. Bis das Fahrrad an uns vorbei ist, habe ich keine Chance das Micky mich auch nur ansieht. Er bellt nicht, knurrt und "jankt" auch nicht. Er zieht dann auch nicht mehr an der Leine. Micky steht einfach nur da und fixiert den Fahrradfahrer. Wenn ich in diesem Moment weiterlaufen würde, würde er sofort wieder in der Leine hängen.

Sobald das Fahrrad vorbei ist, dreht Micky sich mit dem Rücken zu mir. Wenn ich nun weiterlaufe, steigt er hoch und läuft rückwärts auf den Hinterläufen (!) hinter mir her. Bitte nicht falsch verstehen, ich ziehe ihn nicht! Er "läuft" von sich aus so weiter sobald ich mich in Bewegung setze. Aber das kann ja trotzdem nicht der Sinn der Sache sein ;)

In der ganzen Zeit in der wir da so vor uns hinstehen und gucken und warten, reagiert Micky auf nichts. Kein Geräusch, kein taktiler Reiz bringt ihn dazu mich auch nur für eine Sekunde anzusehen.

Ich denke mal dass, das Verhalten in der Pubertät nicht ganz unnormal ist. Ich bin aber unsicher, ob ich mich richtig verhalte. Ich bleibe also stehen, quatsche nicht auf ihn ein und warte bis Micky mich wieder anguckt. Genau in dem Moment gebe ich ihm das "Guck mich an-Signal", lobe und gehe endlich weiter. Das "Guck-mich-an-Signal" übe ich zusätzlich immer mal wieder ohne Ablenkung.

Habt ihr noch eine andere Idee? Mache ich irgendetwas falsch? Oder sagt ihr, dass ich das genauso aussitzen bzw. eher ausstehen soll?

Das Verhalten zeigt er so extrem seit ca. einem Monat. Wir haben anfangs halt einiges ausprobiert und sind jetzt bei der "sitz es aus-Variante" gelandet. Aber ich bin mir halt unsicher, ob das auf Dauer etwas bringt.

Ich freue mich auf Eure Antworten,

fröhliche Grüße

Kerstin

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Hallo Kerstin,

ich finde es immer sehr schweretwas zu sagen, wenn ich das Problem nicht live gesehen habe. Jeder Hund reagiert anders und muss deshalb auch anders gehändelt werden. In der Regel haben wir festgestellt, dass man auf sein Bauchgefühl hören sollte. Wie reagiert er denn, wenn du in dieser Situation einfach mal eine andere Richtung einschlägst oder auch mal deinen Hund mit ans Fahrrad nimmst?

LG Sonja

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Also ich persönlich bleibe überhaupt nicht stehen, nur weil mein Hund das will, ich gehe weiter (naja, und wenn er denn nicht folgen wuerde, dann wird die Leine eben irgendwann stramm, ich gehe trotzdem weiter).

Ich finde, mit 14 Monaten kann ich einen gewissen Gehorsam einfordern, sofern die Basisarbeit stimmt (setze ich jetzt mal voraus). Kommst ja nicht voran, wenn jeder Mist ewig beguckt wird.

Ich würde auch einfach mal die Umgebung wechseln und bevorzugt in der Fußgängerzone spazieren gehen, da könnt ihr auf ner Bank Pause machen und gemeinsam gucken, ansonsten gibt es so viele Reize, dass die meisten Hunde einfach zu machen und die nicht spannend finden.

Alternative: ein spannendes "Look"-Signal aufbauen (erst ohne Ablenkung ganz tolle Futterbrocken (was besonderes) im Gras finden, so richtig mit Boah und toll ... wenn er soweit ist, bei "Look" sofort den Boden abzusuchen, kannst Du's auch bei Ablenkung versuchen - paar Brocken ob's Gras werfen, Signal geben und zusammen suchen - möglichst BEVOR er fixiert. Also du siehst den Radler, ihr stöbert zusammen im Gras und währenddessen bemerkt auch er den Radler. Wenn er nicht will, dass du alles findest mit tausend begeisterten rufen, muss er sich wohl beeilen ... vielleicht hilft das. Es ist kein Kommando, sondern ein Signal für was tolles, du forderst nichts ein, aber bietest was an.

Aber wie gesagt: ich persönlich finde, eine gewisse Bereitschaft zu folgen kann man auch abverlangen.

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Was macht er denn, wenn du einfach mit ihm zusammen die Sache anguckst? Wenn du die Leine wieder locker machst, und dich neben ihn stellst, geht er dann weiter vorwärts zum Objekt hin, oder bleibt er stehen und guckt es sich genau an?

Das Verhalten erinnert mich stark (bis auf das auf.die-Hinterbeine-stellen) an unseren Higgins - der braucht EWIG, bis er ein Objekt genau identifiziert hat. Er guckt es sich eben so lange an, bis jede Gehirnzelle weiß "Ah, ok, ein Radfahrer". Dinge die er schon kennt beguckt er längst nicht so lange, neues und Dinge die sonst nie dort sind (Mülltonnen am Abholtag) bedürfen intensiver Aufnahme von Informationen. Geruch, Gehör, Augen. Alles eben.

So lange er so vertieft guckt, stehen wir meist einfach daneben und warten. Eilig haben wir es ja meistens nicht. Manchmal erklären wir was wir da sehen ("Das ist nur eine Mülltonne, Higgins") und manchmal weiß ich nicht, was da ist weil ich nix sehe, höre oder rieche.

Ich WEISS, da ist was - da vertrau ich seinen Sinnen - aber was das ist... :think:

Man sieht dann immer, wann er fertig ist mit der Analyse - sein ganzer Körper entspannt und wir gehen gemütlich weiter.

Beim Mantrailing ist er auch so drauf. Er kommt an eine Kreuzung, bleibt stehen und man merkt richtig, wie es im Kopf arbeitet, wie er ganz intensiv die Richtungen abcheckt, aber eben langsam.

Mein eigener Hund Lemmy macht das alles zack zack zack, nicht unbedingt weniger akkurat, aber einfach schneller.

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Möglich, dass deine Beschreibung krasser klingt als es in der Realität aussieht, aber das wirkt auf mich nicht wirklich normal.

Klar, dass ein junger Hund mal abgelenkt ist und lieber guckt, aber auf eine Ermahnung hin sollte er schon irgendwie reagieren, bzw. ansprechbar bleiben.

Stehen bleiben, damit er in Ruhe gucken kann, würde ich nicht. Zumal du in dem Moment auch nicht wirklich spannend bist - warum sollte dein Hund dir seine Aufmerksamkeit schenken? Eher an kurzer Leine kommentarlos weiter gehen und jegliche Kontaktaufnahme seitens des Hundes zu dir (also anschauen) belohnen. Sei es mit einem Leinelockern, einem Keks (den er jagen und/ oder suchen darf) oder einem kleinen Ballspiel.

Ein "Schau"(mich an)-Kommando kann helfen, das muss man natürlich ruhig und ohne Ablenkung aufbauen und langsam steigern, ehe man es abverlangen kann, wenn nebenan eine nackte Hündin tanzt ;)

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Ich könnte mir vorstellen, dass es Dir vielleicht hilft, die Aufmerksamkeit Deines Hundes auf Dich erstmal zu üben und zwar erstmal in reizarmer Situation.

ich mache es so: (allerdings angeleitet durch einen Trainer)

mit kurzer Leine stehen bleiben. Schaut der Hund mich an: Lob und Leckerli, schaut er länger/fixiert weg: kurze Korrektur mit Hand schnell vor das Gesicht, kommt dann wieder der Blick - Lob....

Ich habe allerdings oft in möglichst langweiliger Umgebung geübt und dann langsam gesteigert.

Man kann es dann auch mit laufen kombinieren usw.

Mein Hund hat so gelernt, dass ich die Aufmerksamkeit bei mir haben möchte und wir konnten so schwierige Situationen entspannen: Hunde, Enten und in einem gewissen Abstand auch schon Rehe ;) .

So wie sich die Situation bei Dir liest klingt es für mich schon auch heftig. Macht ihr irgendein Training? Hast Du es schon mal mit abblocken versucht?

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Hört sich hart an, ist hart, aber ich habe es auch selbt durch, und weiß, wie gräßlich dieses Verhalten bei Hunden ist. Grund m.E.: dein Hund vertraut nicht darauf, dass du Situationen, die für ihn bedrohend, neu oder nicht einschätzbar sind, für ihn regelst. Stattdessen will er das für dich regeln.

Diese Unsicherheit musst du ihm nehmen, in dem du ihm zeigst, dass du souverän bist und jede Lage meisterst, und zwar aus Sicht deines Hundes! Wenn du ihm DAS vermitteln kannst, wird er ganz bei dir - und damit deutlich entspannter - sein!

Sprich hündisch!

Habe 14 Monate die sich steigernde Hölle mit meinen beiden Rabauken durch. Ein Wochenende und selbst Rehe sind kein Problem mehr :)

Naja, ich warte aber noch auf einen Rückfall meiner Hunde :))

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Myrna, was hast du denn an dem Wochenende gemacht??? So hilft es der TE glaube ich nicht viel weiter ...

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(bearbeitet)

Oh ja, da hast du sicher Recht, sorry.

Wir waren auf einem Seminar. Dort wurde mit Rudel des Trainers trainiert bevor dann Leinenführigkeit und Wildern an die Reihe kamen.

Wobei ich sagen muss: Nach dem Training im Rudel war die Sache schon fast gegessen. Es war erstaunlich zu sehen, WIE sich Hunde im Verhalten ändern können, wenn sie auf ihr Herrchen/Frauchen vertrauen!

Ein Beispiel: Hunde kamen auf Cit zu, der bekommt die dicke Bürste, macht sich lang, fixiert und will am liebsten nach vorne preschen. Mit "Nein" und Korrektur halte ich ihn bei mir. Der fremde Hund erreicht uns. Jetzt bin ich dran: Mache mich groß, gehe auf den Hund zu, immer wieder ein scharfes "Nein" und hindere ihn durch wegschieben mit den Beinen daran, meinem Hund zu nahe zu kommen.

Das haben wir zweimal gemacht. Danach haben wir Cit laufen lassen. Der kam plötzlich, wenn ein Hund aufdringlich wurde, von alleine zu mir und teilte mir dadurch mit, dass er das nicht will, aber ich das für ihn regeln soll. Er hat das nicht mehr selbst in die Hand genommen! Ich war so megastolz :D

Am Ende des ersten Tages konnte ich offline mit ihm und einem Hund aus dem Rudel spazieren gehen, mit dem er morgens gleich einen fürchterlichen Beef hatte. Die werden sich nie mögen, aber sie sind nebeneinander hergetrottet, ohne sich an die Kehle zu gehen :zunge:

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Was ist er für eine Rasse/Mix?

Hast du schon probiert dich in so einer Situation vor ihn zu stellen und ihm die Sicht auf das "Objekt" zu nehmen? Falls ja, wie hat er reagiert? Hat er dann Blickkontakt zu dir gemacht?

Auf keinen Fall würde ich ihm erlauben stehen zu bleiben und zu fixieren! ICH bestimme, wann man läuft oder stehen bleibt und nicht mein Hund. Im schlimmsten Fall würde ich ihn wie einen nassen Kartoffelsack hinterherziehen und total ignorieren, aber er müsste mitlaufen, da wär ich stur. Ich würd rein gar nichts sagen, einfach weiterlaufen und ihn mitziehen, wenn nötig.

Und dann würde ich - falls du das nicht schon gemacht hast - zu Hause das "guck mal" (also dich auf Kommando angucken) konditionieren. Wenn er das begriffen hat, nach draussen verlegen, anfangs natürlich an absolut ruhige, ablenkungsfreie Orte und dann steigern. Wirklich nicht zu schnell vorgehen, sondern konsequent liebevoll und geduldig aufbauen und täglich daran arbeiten.

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