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Hundeforum Der Hund
Susi und Balou

Der sogenannte Schutztrieb

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.. Mal sehen ob ich hier in der richtigen Kategorie bin.. :Oo

Mich beschäftigt irgendwie eine Frage.. weiß nicht so wirklich warum und wie ich darauf gekommen bin.. hmm.. :kaffee:

Es gibt ja einige Hunderassen die einen sogannten Wach-/ und Schutztrieb mitbringen. Die Einen mehr, die Anderen weniger ..oder eben auch gar nicht.

Hab mich damit ehrlich gesagt noch nie so wirklich beschäftigt..

Aber wie ist das eigentlich mit dem Schutztrieb, aus was bastelt der sich alles zusammen..

Klar gibt es zu jeder Rasse einen Ursprung.. zu was diese weiter gezüchtet wurden.. aber ich meine.. der ist ja nicht "einfach so da" Ursprung hin oder her.. oder?

Kann man einem Hund mit starken Schutztrieb diesen abgewöhnen?

Wie ist es umgedreht.. ein Hund der keinen besitzt (meinetwegen durch falsches Handeln) einen "anerziehen"?

Neigt ein Hund mit solch einer Eigenschaft Eurer Meinung nach öfter bzw. eher/schneller zu Fehleinschätzungen was manch Situationen angeht?

Oder können sie es gar besser "unterscheiden" als ein Hund der eigentlich keinen hat?

(Spontan würde ich selbst mit mit einem Ja darauf antworten.. dass diese Hunde eher fehleinschätzen?)

Man geht z.B. Abends im Park spazieren.. wird doof angesprochen..

Angenommen ein und derselbe Hund, gleiche Erziehung..

Aber zwei unterschiedliche Szenen wie der HA auf dieses Zusammentreffen reagiert. Einmal reagiert der HA sicher und einmal eben verunsichert.

Komplett gleiche Situation, gleiche Umgebung, gleiche Person von der man angesprochen wird.

Ist es da zwingend unser Verhalten wie wir der Begegnung gegenüber stehen was einen Hund veranlassen könnte selbst zu entscheiden was er jetzt macht?

Ich hoffe Ihr versteht was ich damit eigentlich fragen will.. :D:Oo

- Ich denke schon, dass es letzendlich am HA liegt wie ein Hund handelt bzw. gelernt hat zu handeln, aber.. liegt es wirklich immer am Halter wie der Hund sich letzendlich entscheidet in einer gewissen Situation so oder so zu reagieren? -

Wie ist es bei Hunden die selbst verunsichert sind (ob nun mit oder ohne Schutztrieb)?

Die nicht unbedingt wesensfest sind.. aus was für Gründen auch immer (welche meinetwegen durch nicht Verschulden vom jetzigen Halter sind)

Wie ist es da? Würden solche Hunde trotz eigener Unsicherheit oder Angst "nach vorne gehen" - sozusagen über den eigenen Schatten springen - wenn sie merken/denken würden der HA ist in Gefahr?

Wie ist es bei Hunden die so "lammfromm" sind und nichts machen wenn der HA angegriffen wird.. weder wegrennen noch einschreiten.

Was löst solch ein (Nicht-)Handeln aus?

Ist da die Bindung nicht so stark?

Der Hund womöglich einfach mit der Situation so überfordert dass er nur zuguckt?

Desinteresse?

Ich bin zum Glück noch nie in so einer Situation gewesen.. hoffe auch nicht in so eine zu kommen..

Ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht wie mein Hund reagieren würde..

Nicht, weil ich meinen Hund nicht kenne.. aber weil ich sowas einfach nicht einschätzen könnte bei ihm..

Sicher nicht einfach zu beantworten.. kann ich mir vorstellen..

und wie gesagt.. weiß auch nicht mal ob man das richtig verstehen kann was ich eigentlich zu Fragen versuche.. ist ja nun auch schon spät :D

Gibt auch keinen besonderen Grund oder sowas.. das ist mir einfach nur gerade so in den Gedanken herumgeschwirrt. :kaffee:

Gute Nacht! :winken:

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hallo, nur ganz kurz, weil spät :)

Mein erwachsener Aussie, 5 Jahre alt, in jungen Jahren eher unsicher/ vorsichtig, vor ca. 9 Monaten hatten wir in der Stadt eine gruselige Begegnung. Er hat überhaupt nicht reagiert, ich hatte ihn kurz vorher angeleint, weil ich bedenken hatte, das er einfach abhaut. Er ist es mittlerweile gewohnt, das es komische Menschen im Dunkeln gibt.

Mein Baby-Aussie, 12 Wochen alt hat schon mit 10 Wochen alles was ihm nicht passte und nicht geheuer war angeknurrt. Er hat sich durch die Leine sicher gefühlt und ist der "Gefahr" entgegen gegangen. Ich versuche nun das umzuleiten, das er sich an mich wendet. Das hat mit 2-3 Maßnahmen funktioniert. Für jedes Abwenden wird er bestätigt, unsicheres Wuffen ignoriere ich.

Ich denke durch falsches Handling und Reaktion verstärkt man den Schutztrieb in negativer Weise.

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Guten Abend!

Gleich mal vorweg. Hunde haben keinen sogenannten "Schutztrieb". Schutzhundesportler begründen den Schutzdienst oftmals damit, dass der Hund so seinen Schutztrieb rauslassen kann. Ist aber ein alter Hut.

Schutztrieb würde auch so etwas wie Aggressionstrieb bedeuten. Das heißt der Hund wäre intrinistisch (von innen heraus) getrieben und sucht aggressive Auseinandersetzungen. Das wiederum würde bedeuten, dass wenn der Hund länger keine solchen Auseinandersetzungen hatte, er von selbst auf die Suche nach Prügelopfern geht (Appetenzverhalten). Bisher wurde das aber bei keiner einzigen Säugetierart nachgewiesen.

Ich denke, dass man bei deinen Beispielen eher von Schutzinstinkt sprechen sollte. Macht wohl eher Sinn.

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Die Welt jedes Hundes besteht aus Ressourcen. Jede einzelne Ressource ist dem einen Hund wichtig, dem anderen weniger und manchem gar nicht wichtig.

Bei dieser Wertigkeit gibt es genetisch vorgegebene Neigungen. Nicht umsonst sind die meisten Labradore verfressen - die Ressource Futter ist ihnen wichtig, die meisten HSH territorial orientiert, die meisten DSH sehr am Besitzer orientiert.

Der Hund mit hoher Wachhundveranlagung ist ein territorial veranlagter - dem die Ressource seines Territoriums sehr wichtig ist.

Der Hund mit hoher Schutzhundveranlagung ( die nichts mit gleichbenanntem Sport zu tun hat ) legt viel Wert auf die Ressource "seines" Menschen.

Es gibt Hunde mit einer niedrigeren Reizschwelle, welche mit einer eher mittleren und solche mit einer hohen. Beim Hund mit einer niedrigen Reizschwelle reicht eben ein geringerer Reiz zu einer Reaktion. Bei einem Hund mit sehr hoher Reizschelle wird vielleicht nie der Schwellenwert erreicht.

Aber auch das Aggressionspotential hat eine hohe genetische Komponente. Das bedeutet es ist überwiegen Veranlagung ob ein Hund eher aggressiv nach vorne oder deffensiv nach hinten auf Reize reagiert.

Haben wir nun einen territorial veranlagten Hund mit niedriger Reizschwelle und hohem Aggressionspotential, so wird er "sein" Territorium bei niedrigsten, für ihn bedrohlichen Reizen verteidigen. Er gilt als guter Wachhund.

Haben wir einen stark am Hundeführer orientierten, vom ihm abhängigen Hund mit niedriger Reizschwelle und hohem Aggressionspotential, so wird er oft als guter Schutzhund verwendbar sein.

Reizschwellen lassen sich über Gewöhnung erhöhen, aber auch durch aversive Reize und somit Sensibilisierung senken.

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Moin, diese Überlegungen hatte ich auch schon oft. In die Richtung - hilft mir mein Hund, wenns mal eng wird von sich aus.

Keine Ahnung, ich mache seit fast 30 Jahren mit meinen Hunden eben auch Schutzhundesport. Aber das sind ja Szenarien, die man nicht trainiert.

Eines Abends mal, war noch sehr spät mit dem Hund eine Runde, kam ein völlig besoffener Mann auf mich zugetorkelt. Da hat sich mein Hund vor mich gestellt und richtig böse geknurrt, so - komm du keinen Schritt mehr näher. Fand ich super, hatte ihn aber auch unter Kontrolle.

Aber ich hatte da keine Angst, also hat der Hund nur gewarnt.

Ich glaube, jeder Hund wird sein Herrchen oder Frauchen beschützen, wenns eng wird und man selber auch Angst hat, egal welche Rasse oder Ausbildung.

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Hey

Kurz und knapp es gibt keine Triebe, somit keinen Schutz-, Wach-, Wehr-, Sexual-, Aggressionstrieb usw.

Es gibt Motivationen (Handlungsbereitschaft), die zueinander in Korrelation (Wechselbeziehung), Kooperation (Zusammenarbeit) und/oder Konkurrenz (Wettbewerb) stehen, die intrinsisch (von innen) oder extrinsische (von außen) motiviert sind, oder anders, über physiologische Regelkreise vermittelt werden.

Es gibt z. B. Hunde, die sich an der Leine wie wild gebärden daher für äußerst aggressiv gehalten werden, kommen sie aber plötzlich, wenn sie sich losreisen, direkt zu einem anderen Hund, ganz friedlich verhalten (Vorsicht, dazu sollte man seinen Hund gut kennen?).

Erfahrung speist die Intuition (B. Greene).

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Moinsen,

Es ist sicherlich immer ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren.

Einen großen Einfluss hat normalerweise immer der Mensch.

Jedoch bringt der Hund auch Veranlagungen mit.

Dabei gibt es auch immer wieder einen kleinen Anteil Hunde, die durch Triebe, z.B. Wehrtrieb (Verteidigung) oder Beutetrieb so stark gesteuert sind, das sie dort reflexhaft so ausser sich geraten können, das sie vom Mensch nicht mehr steuerbar sind.

Der Wehrtrieb, also die Bereitschaft der Selbstverteidigung ist in jedem Hund vorhanden, die Frage ist in welchem Maße.

In dem Kontext ist der Beutetrieb auch von entscheidender Bedeutung, dieser sorgt dafür das, der Hund vom Opfer nicht mehr (angemessen) ablässt, sondern sich rein steigert und immer weiter nachsetzt.

Zusätzlich kommen natürlich noch die Hormone hinzu, die unter anderem auch die Verteidigung der sozialen Beziehung gegen äussere Eindringlinge (Eifersucht, Jungtierverteidigung) oder Flucht-/Angrifftendenzen steuern.

Und nicht zu vergessen das Stressanpassungssystem.

Weiterhin sind auch Aspekte der sozialen Interaktion zu beachten, bspw. Allianzaggression.

Wie sich ein Hund in einer solchen Situation wirklich verhalten wird lässt sich nie ganz sagen. Verhaltensanalysen können oft auch nur eine Tendenz aufzeigen, bzw. das Repertoire an Reflexhaften und Operanten Verhaltensweisen aufzeigen.

Ich weiss auch nicht wie meine Hunde in einer solchen Situation reagieren würden.

Ich gehe aber, auch bei den meisten deffensiven Hunden davon aus, das sie sich, in einer echten Bedrohungssituation, ihrem Menschen anschliessen würden.

Es kann natürlich sein, das der Stress für einen Hund in der Situation zuviel wird und er erstarrt oder flieht.

gruss else

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Hey

Leider gibt es immer noch die ewig Gestrigen, die daran glauben, dass es Triebe gäbe und wenig über die inneren (physiologischen) Zusammenhänge wissen.

So kann Stress nicht monokausal alleine auftreten, er ist immer auch mit anderen physiologischen Prozessen durchdrungen.

Das ein Hund eine genetische Grundausstattung mitbringt ist offensichtlich, nur ist ebenso evident, dass diese genetische Grundausstattung, durch Erfahrung veränderbare ist, zum Teil sogar ganz massiv verändert werden kann, Stichwort: Jungenfremdaufzucht.

Es gilt die alte Formel:

Genotyp + Umwelt = Phänotyp

D. h., wie sehr der Genotyp oder die Umwelt gewichtet werden muss, ist dabei ebenso variabel.

So gibt es Hunderassen, die nicht dazu geeignet sind Schutzfunktionen zu übernehmen, die ihren Menschen im Ernstfall auch nicht verteidigen würden, es liegt nicht (ko-) evolutiv in ihren selektierten Merkmalen.

Das sagt uns schon einfaches kritisches Denken, denn wozu müsste man sonst, durch „künstliche Zuchtwahl“ Hunderassen mit diesen besonderen Merkmalen wie hohe Schutzmotivation züchten, wie z. B. die Mali’s usw.

Mit anderen Worten, es würden sich auch andere Hunde (-rassen) in diese Richtung züchten lassen, wie wir wissen.

Da jeder Hund ein Individuum, mit ganz eigener Entwicklungsgeschichte ist, hängt es auch immer von dieser mit ab, unabhängig von der Rassezugehörigkeit, wie sich ein einzelner Hund in der Situation XY verhalten würde/wird.

So wie in der schon in der etwas älteren (Hunde-) Literatur: „Die gelbe Dogge Senta“, glaube ich hieß das Buch, beschrieben.

Dass verbreitete Annahmen nicht unbedingt wahr sind und dass das ultimative Kriterium für Wahrheit ein empirischer Nachweis ist und nicht die Beliebtheit der Meinung (J. P. J. Pinel Biopsychologe).

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Hallo!

Hier mal ein Beispiel aus vergangenen Hundetagen:

Wir hatten zu der Zeit einen Schäfer-Collie-Mischling - den wir aus einem Tierheim übernommen hatten.

Der Hund war in der Familie sehr lieb, ist mit Kindern lieb im Umgang gewesen und insgesamt ein gut führiger Hund gewesen.

So lieb - dass wir immer den Eindruck hatten und auch spasshalber sagten, wenn mal ein Einbrecher kommen würde, würde "Alfi" dem noch zeigen, wo das Geld liegt.

Dass wir unseren Hund total falsch eingeschätzt hatten, zeigte sich an 2 erlebten

Beispielen:

Ich hatte den Kinderwagen mit meinem Baby im Hof stehen, während ich Gartenarbeit machte. Von mir unbemerkt, kam eine Nachbarin in den Hof und wollte in den Kinderwagen reinschauen.

Unser Hund lag im Garten, hatte dies beobachtet und stellte sich blitzschnell vor den Kinderwagen, zog die Lefzen hoch und hielt die Nachbarin auf Abstand. :D Als ich das bemerkte und eingriff, liess sich der Hund schnell abkommandieren.

Die zweite Situation war folgendermassen:

Normalerweise kommen Besucher von der Vorderseite des Hauses herein. An diesem

Tag kamen 2 Damen einer "Sekte" von der Rückseite des Hauses - wo unser Hund

seinen Stammplatz im Garten hat. Unser Hund hat die Damen gestellt, angeknurrt

und uns so aufmerksam gemacht. Sobald wir da waren, hat sich der Hund dann

zurückgezogen und uns das Feld überlassen.

Unser Hund war nicht trainiert, hatte nie eine Hundeschule besucht, er hat dies

einfach aus seinem Gefühl heraus gemacht.

Allerdings hatte ich von diesen Geschehnissen ab, einen anderen Blickwinkel auf unseren Hund, da ich von dieser anderen Seite bis dahin nichts geahnt hatte.

Liebe Grüße

Cony

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:kuss:

Hansgeorg

Ich werde mich nicht, um die Definition des Wortes Trieb, mit dir streiten, das macht die wissentschaftliche Fachwelt schon, ohne eindeutiges Ergebnis.

Ansonsten, haabe ich was anderes gesagt als Du?

Wenn auch nicht so schön ;)

(Die Verwedung des Begriffs Trieb mal aussen vor gelassen)

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