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Hundeforum Der Hund
Susi und Balou

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Jetzt nochmal ein ausführlicheres Review zu Kingdom come deliverance, auch unter Hundehalterischen Aspekten, mit nur sehr leichten Spoilern:

 

Heinrich, fast 12, Staubsaugervertreter in böhmischen Dörfern

 

Der Hauptcharakter ist und bleibt ein bisschen beschränkt. Liebenswert wird er schon, aber Diplomat wird unser Schmiedesohn wohl nicht mehr.

Positiv auffallen tun neben der schönen Grafik und Musik vor allem die NPCs Hans und Hermann, mit denen man viel erleben kann, und Köter und Pebbles, die einem stets treu zur Seite stehen (vorrausgesetzt man kauft Köter als DLC). Pebbles, ein Rappschimmel, glänzt dadurch das er freudig mit einem durchs Unterholz galoppiert und Stürze aus 3 bis 4 Metern Höhe unkommentiert wegsteckt, aber bei jedem Gewitter die Drama-Queen raushängen lässt und einen absetzt. Beim Reisen ist man zu Pferde schneller als mit der Schnellreise (zumindest gefühlt), und man kann unterwegs tolle Sachen erkunden, archäologisch (oder grabräuberisch?) tätig werden und "Schätze" einsammeln. Fürs Reiten generell gilt nicht "Nie Ohne Seife Waschen" als wichtigster Leitsatz (denn es gibt einen Kompass, der einem permanent anzeigt wo man hin muss) sondern "NULR" - "Nie Unter Ladenschilder Reiten" - denn dann fällt man vom Pferd. 

Köter taugt im Kampf nicht viel, jagt aber auf Kommando brav alles mögliche an Wild und finanziert einem dadurch ein angenehmes Wilderer da sein. Hier zeigt sich ein anderer Aspekt des viel gelobten Realismus von kingdom come deliverance: keiner hat Geld um einem 500 x 800 Gramm Hirschfleisch abzukaufen, so dass man fröhlich durch die Dörfer tingelt und jedem Bäcker, Krämer oder Gemüsehändlern 12 Portionen andreht. Das kostet mehr Zeit als die Jagd an sich und hat Staubsaugervertreter Feeling. Den Hund erzieht Heinrich nur mit Positiven Mitteln, allerdings fällt es ihm noch schwer, dabei auch immer positiv und freundlich zu klingen. 

Schön ist immer, wenn jemand was singt, die Liedtexte sind mit unter ganz unterhaltsam. Toll ist die Möglichkeit, beim Würfeln zu Schummeln, aber vorsicht, die NPCs schummeln mindestens genauso viel. 

Viel Spaß macht auch das dekorieren von Heinrich und Pebbles, wobei mein aktueller Look "riesige rote Christbaumkugel mit Beinen auf karriertem Tannenbaum" bei der lustigen Landbevölkerung gut ankommt. Es gibt für die meisten Quest verschiedene Enden, aber mit der seltsamen Speichermechanik gibt man irgendwann auf, neu zu laden nur um einen NPC vor dem Tode zu retten. Sie sind oft eh nicht übermäßig dankbar. Das Ergebnis von Kämpfen wirkt beliebig, die sichersten Ergebnisse bekommt man, indem man einfach alle nachts meuchelt. Nichts ist anstrengender als zwei Ritter in voller Montur die einander mit Schwertern bearbeiten - das ist abendfüllendes Programm. Eventuell hätte man da ein bisschen Realismus auf dem Altar der Spannung opfern können, aber was weiß ich schon. Selbiges gilt für die Quests, die oft nach dem Muster "Reite zum anderen Ende der Karte und besorge mir 12x → Toll das du da bist, aber bevor ich dir 12x gebe, rette diese Jungfrau aus der dritten Ecke der Karte!→ Schön  das du mich retten willst, aber besorge erst 712 y aus der vierten Ecke der Karte! → Toll jetzt hast du sie gerettet, hier sind 12 x, reite schnell zum Questgeber! → Hi ich bin der Questgeber, danke für die 12x,nimm diesen Brief und übergebe ihm demjenigen, von dem du die 12 x hast!" ablaufen, und damit durchaus ein Ermüdungspotential bieten.Das mag realistisch sein, aber wenn ich nochmal von Sasau nach Uschitze und zurück geschickt werde nur um dann nach einem Dialog nach Rattay zu reiten, dann.... Überhaupt hat man das Gefühl, dass ohne Heinrich das Leben in Böhmen wohl still stehen würde - sogar um die Nachtruhe von Fleischerinnen muss sich unser Held persönlich kümmern. 

 

Manche Dinge in diesem Spiel blieben aber wirklich böhmische Dörfer für mich. Zum Beispiel, warum sich die sonst ihrer Umwelt recht bewussten NPC's keine Sorgen um das baldige Ende ihrer Zivilisation machen, denn das jüngste Kind im Spiel ist wohl Heinrich, der heitere Hauptcharakter. Sie haben sonst keinerlei Nachwuchs (und Heinrich hat einen Bart. So richtig frisch ist der nicht mehr). Eine kurze Google Recherche ergab, dass die Entwickler keine sterblichen Kinder wollten, wegen der Jugendfreigabe, aber auch keine unsterblichen, weil das wohl den Realismus gestört hätte (oder irgendwie sowas). Sobald es einem einmal aufgefallen ist, kann man auf jeden Fall nicht mehr wirklich darüber hinweg sehen. 

Ein weiteres böhmisches Dorf bleibt die Frage, warum ich nicht ein Haus haben kann um meine gesammelten Schätze irgendwo auszustellen. Rattay ist ja nun nicht gerade München, es hätte sich doch wohl was finden lassen? 

 

Insgesamt ein schönes Spiel, Hunde werden einigermaßen artgerecht gehalten, Hauptcharaktere weniger. Es steckt viel Liebe im Detail, worunter manchmal das Gesamtbild leidet, weil es scheinbar ein bisschen vergessen wurde. Das Spiel lässt sich nicht nach einem stressigen Arbeitstag ne Stunde am Abend zum Entspannen spielen, aber wer viel Geduld hat, wird daran Freude haben. 

 

 

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Yo Leute, 'Death and Taxes' hat jetzt nicht soooo viel mit Hunden zu tun, ist aber echt super. 

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