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Hundeforum Der Hund
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Deprivationssyndrom

Empfohlene Beiträge

Um den Mäselthread nicht seiter bezüglich Deprivation OT-zuzumüllen, bitte hier weiter schreiben.

 

Es bestehen durchaus Meinungsverschiedenheiten zum Thema Deprivation. Vielleicht könnte man detailliert beschreiben, inwiefern man mit bestimmtenSymptomen, die hinsichtlich Deprivation beschrieben werden, praktische Erfahrungen gesammelt hat.

Egal, wie man es nennen mag, es geht um Hunde mit Symptomen, wie beispielsweise die Unfähigkeit oder eingeschränkte Fähigkeit, Reize zu Filtern, zu generalisieren, Angstverhalten, mangelndes Sozialverhalten usw.

OB dem tatsächlich "Deprivation" oder "nur" schlechte Prägung" zugrunde liegt, ist meist kaum zu bestätigen oder auszuschließen und im Prinzip auch zu vernachlässigen.

 

 

http://www.problemhunde-hilfe-sauerland.de/schlechte-praegung.html

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Das Wort Deprivations"Syndrom" zeigt ja schon, dass es ein Komplex aus verschiedenen Symptomen ist und man es nicht wirklich Verallgemeinern kann. Ich ziehe die Grenze zwischen Deprivation und "schlechte Prägung" in der Dauer und Intensität der Symptome.

Kann der Hund die Folgen der schlechten Prägung aufholen, spricht das nur für ein kleineres Defizit. Ebenso, wenn das Hundeleben davon nicht merklich beeinträchtigt wird z.B. wenn die Skeptis Kindern gegenüber bleibt.

Deprivation ist es für mich dann, wenn Schädigungen des Gehirns durch die ungenügende Prägung entstanden sind, es schwerwiegender, langanhaltend und für den Hund selbst belastend ist.

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Ja, bunter Hund, da stimme ich Dir prinzipiell auch zu.

 

ich finde nur, dass das nicht so einfach festzustellen ist.

Wieviele Hunde gibt es, die beispielsweise fast ein Leben lang Verhaltensprobleme zeigen - und in fachkundigen Händen sehr schnell und nachhaltig Veränderungen bewirkt werden können?

Oder auch Hunde, die zwar Problemverhalten zeigen, dies jedoch nur auf kleinen Missverständnissen beruht, weil der Mensch den Hund überfordert, zu wenig fordert und der HH meint, er haben einen Problemhund - ist aber selbst das Problem?

Deshalb ist es auch meist schwierig, eindeutige Diagnosen zu stellen und so ne Diagnose bringt nicht unbedingt Hilfe.

Aufholen können - dazu braucht der Hund Hilfe.

Und das Wie und Wie weit, das wollte ich hier mal anhand klaren Beispielen aus der Praxis ein wenig ausführen lassen, mit Eurer Hilfe und konkreten Erfahrungen.

 

zB: Mein Hund zeigt folgendes Verhalten:

Zittert, schreit und zieht unansprechbar an der Leine, sobald die Türe sich öffnet.

Unansprechbar bedeutet: Weder freundlicher, noch strenger Tonfall, laut und leise führen zu einer Reaktion des Hundes.

Blockierendes Bedrängen, festhalten, Rucken an der Leine an Halsband/Geschirr usw. führen zu Abwehraggression (oder Freeze oder Meideverhalten oder Unterwerfung etc.)

Dasselbe Verhalten tritt auf, wenn der Hund aus dem Auto auf den Boden gesetzt wird, in fremder und bekannter Umgebung usw.

Es wurde so vorgegangen:

Hund wird an Leine mit Möglichkeit von einer Individualdistanz von 2 Metern gehalten (oder auch ganz eng usw..), Türe auf und stehen wie ein Baum. Hund braucht beim ersten mal eine dreiviertel Stunde bis er ansrechbar wird und sich beruhigt.

Oder: anfangs öffnet man die Türe für 10 Minuten und beendet dann...oder oder oder...

 

Man hört so oft: " Ich gebe die Regeln vor"

"Ich verhalte mich souverän"

"Ich setze Grenzen"

"Ich bin konsequent"

- aber was sagt das konkret aus?

 

Und vor allem für Hunde mit massiven Problemen ist es wichtig , klar, konsequent und verständlich zu agieren, damit der Hund sein Verhalten ändern kann.

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Sehr interessanter Thread! Besonders hat mir die Erklärung gefallen, in der anhand eines Karteikartensystems die Arbeit im Gehirn beschrieben wird - sehr anschaulich und zutreffend! Ich unterschreibe auch dass es DIE Art der Deprivation nicht gibt und es bei Hunden mit ähnlichen Defiziten in der Prägephase nicht zwangsweise zu nachhaltigen psychischen Störungen führt. Ehrlich gesagt ist mir eine detaillierte Diagnose, ob nun Deprivation oder "Gehrinnarben" aufgrund von schweren Traumata auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist zu erkennen womit der Hund ein Problem hat, also erst mal den Auslöser für den "Kippschalter" zu finden und dem Hund dann in langwieriger Desensibilisierung (mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und einer innerlich ruhigen/helfenden Haltung) ein für ihn angenehmers Alternativverhalten aufzuzeigen.

 

Häufig wird ja Deprivation nur aufgrund von Reizarmut in der Prägephase erläutert. Doch hierzu finde ich persönlich den Unterschied zur perzeptiven Deprivation sehr interessant - das also der Informationsgehalt des Aussenreizes vermindert ist. Als Beispiel kann ich einen Hund anführen der von Hundefängern viel zu früh von der Mutter getrennt seine ersten Lebensmonte in einer Tötungsstation verbracht hat. Dieser Hund lernte also nur stressbedingtes Sozialverhalten im überfüllten Mehrhundezwinger kennen und dementsprechend wurde die Karteikarte Artgenossenkontakt festgeschrieben. Emotionale Deprivation hat für die Lernstörung dieses Hundes bestimmt auch sein übriges dazu beigetragen.

 

Unabhängig welcher Name nun dieser Störung zugeschrieben wird, so hilft es den Haltern doch in den meisten Fällen sehr wenn sie sich eines psychischen Handicaps ihres Hundes bewusst sind. Nicht um es als Ausrede zu verwenden, sondern um Verständnis für die Lernstörung ihres Hundes zu entwickeln...was nochmal ernome Geduldsreserven in der Arbeit mit dem Hund seitens des Halters freilegt. Nun habe ich bestimmt eine sehr einseitige Sicht in dieser Sache, denn wer sich für seinen "materiell nicht wertvollen Tierschutz-Hund" einen Einzeltrainer leistet, der will auch für seinen Hund (und sich selbst) die Lebensqualität verbessern. Ich habe es GsD noch nie erlebt das einer meiner Kunden darauf hin aufgegeben hat, ganz im Gegenteil!

 

So unterschiedlich die Symptome sind so ist doch eines immer gleich -> die Hunde leiden bei ihrem Aulösungsreiz an extrem starken Stress. Stress beeinflusst das limbische System und es heißt das somit die Arbeit der Großhirnrinde beeinträchtigt wird. Ein Hund der unter Stress steht kann also nicht mehr (oder nicht mehr so gut) auf Gelerntes zurückgreifen und wird instinkthaft reagieren. Was ja hier in den Thread auch schon schön anhand von vielen Beispielen von nicht mehr ansprechbar bis zum Wegfall der Impulskontrolle beschrieben wurde. Ein Lernen und das Abrufen des Erlernten benötigt also soweit als möglich eine stressfreie Umgebung mit einem niedrigen Aufregungslevel. Und hier liegt genau die Krux (übrigens nicht nur bei Hunden mit Deprivation, sondern z.B. auch bei den hyperaktiven Hunden). Ein deprivierter Hund kann lernen (mit viel Geduld, ewigen Wiederholungen und ganz viel Zeit) doch unter Stress wird er die neu angelegte Karteikarte in seinem chaotischen System nicht abrufen können. 

 

Dieser Stress kann sich in körperlichen Auswirkungen zeigen, wie hier auch schon erwähnt z.B. der spontane Fellverlust, in Aggression (die wohl häufigste für den Hund erfolgsversprechende Strategie), in sterotyp ausgeführten Übersprungshandlungen, Hysterie oder eben im schlimmsten Fall in einer totalen Blokade. Nun könnte man ja meinen dass Aggression die schlimmste Variante wäre, doch gerade hier hat der Hund ein "funktionierendes Ablassventil" für seinen Stress gefunden und man kann häufig beobachten dass der Hund nach einer aggressiven Attacke realtiv kurz darauf wieder in seinen Normalmodus zurückfindet.

 

Nun etwas langweilige Biochemie. Cortisol ist das Stresshormon. Cortisol ist leider ein im Körper lang anhaltendes Hormon und führt nicht nur zu einem sehr unangenehmen Gemütszustand, sondern kann wenn über längere Zeit häufig ausgeschüttet sogar nachhaltig die Organe schädigen. Testosteron heißt es ist der schnelle und starke Gegenspieler des Cortisols. Mag Zufall sein, aber einer meiner Fälle der in diese Richtung ging, ein unkastrierter 6 jähriger Rüde, konnte relativ schnell lernen runter zu fahren und seine neu angelegte Karteikarte abzurufen. Serotonin wäre dann der schöne Gegenspieler von Cortisol. Serotonin kann körpereigen gebildet werden, es hebt die Stimmung und wird allgemein als Wohlfühlhormon beschrieben. Tryptophan ist in diesem körpereigenen Prozess der Vorläufer von Serotonin.

 

Ich gehe extra etwas in die Biochemie, da in diesem sehr ausführlichen Thread noch nicht die Möglichkeit angesprochen wurde dem Hund mit Nahrungserängzungen zu helfen. Das ist bestimmt kein Wundermittel und wird dem Halter auch nicht die langwierige einfühlsame Arbeit mit seinem Hund ersparen, doch hilft es in den meisten Fällen den Stresslevel niedriger zu halten. Also den Hund erstmal in einen lernbereiten Zustand zu versetzen. Ich empfehle in solchen Fällen gerne eine Nahrungsergänzung die Tryptophan, Vitamin B Komplex und Magnesium als Stresshemmer beinhaltet.

 

Worauf man vielleicht auch noch eingehen könnte, falls es jemanden interessiert, wäre das Hilfsmittel des klassisch konditionierten Alternativverhaltens quasi aus "Rausholer" zu etablieren. Aber ich will Euch ja nicht langweilen.

 

So das wars jetzt erst mal, Krusty meldet an das nun Mittagsgassi fällig ist :rolleyes:

 

LG

Gaby

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Worauf man vielleicht auch noch eingehen könnte, falls es jemanden interessiert, wäre das Hilfsmittel des klassisch konditionierten Alternativverhaltens quasi aus "Rausholer" zu etablieren. Aber ich will Euch ja nicht langweilen.

 

 

Vielen, herzlichen Dank für diesen kompetenten Beitrag!

NEIIIIIIN, Du langsweilst sicher nicht, wenn Du den "Rausholer" beschreibst - zumindest würde ich persönlich mich sehr freuen, noch mehr von Dir zum Thema zu lesen!

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Ich schließe mich meiner Vorschreiberin an, ein feiner Beitrag den Du verfasst hast!

 

Ich hätte da noch eine Frage: Vor etlichen Jahren hat ein Bekannter von mir, Großtierarzt,

einen etwa anderthalb-jährigen Schäferhund, einen wahren "Kaspar Hauser" von einem Bauernhof 

einfach mitgenommen, und eine wahre Odyssee der Trainer und Hilfe-Suche hinter sich gebracht,

bis der arme Kerl auch nur ein halbwegs erträgliches Leben führen konnte.

 

 

Dieser Hund kannte schlicht NICHTS.

 

Wie hättest Du auf ihn eingewirkt,  welche Chancen hättest Du ihm gegeben?

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Eine Hand wäscht die andere :) Ihr habt mir ja auch so toll mit den guten Maulkorbsprüchen geholfen.

 

Der "Rausholer" in einer anfänglichen Stressphase basiert auf der klassischen Konditionierung. Doch möchte ich hier gleich mal vorab klar machen dass das Timing des Halters hierfür ausschlaggebend ist. Wenn sich der Hund schon zu lange unter Stress mit seinem Auslösereiz beschäftigt hat (und hier können 2 Sekunden schon zu lang sein), wird er auch den akustisch konditionierten neutralen Reiz nicht mehr wahrnehmen können. Die Ohren schalten dann regelrecht ab. Von einer Berührung in einer extremen Stresssituation rate ich sogar ab, da der Hund idR unter Stress sehr "dünnhäutig" wird, sie als Bedrohung empfinden kann und darauf sogar mit einem Biss in die Hand des Halters reagieren könnte.  

 

Der Vorteil der klassischen Konditionierung liegt darin dass der Hund dafür nicht überlegen muss, sondern ein Signal etabliert wird auf das der Hund per Reflex reagiert. Man arbeitet sich hier also eher an das vegetative Nervensystem heran und nicht unbedingt mit einer bewusst gesteuerten Handlung des Hundes. Hierzu erkläre ich meinen Kunden dann gerne das Beispiel der "Pawlow'schen Futterglocke". Der russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow schlug für seine Hunde unmittelbar vor der Fütterung immer eine Glocke, gleich darauf gab er seinen Hunden ihr Futter und sie durften ungestört fressen. Diese Vorgehensweise wiederholte er über einen längeren Zeitraum. Dann eines Tages schlug er nur die Glocke ohne dass es irgendwo nach Futter roch, oder welches rumstand. Alle Hunde kamen angelaufen, gut das war noch nicht der wissenschaftliche Druchbruch, ABER alle Hunde waren "futterbereit" - sie speichelten! Jeder Hund produziert Speichel beim Fressen, was noch aus dem Wolfserbe herauskommt um große Nahrungsstücke schnell schluckfähig zu machen. Nun kann ein Hund seinen Speichelfluss nicht bewusst steuern, nach dem Motto: Ahh die Glocke, ich fange jetzt besser schon mal an zu Speicheln. Das ist ein körperlicher Reflex der aus dem vegetativen Nervensystem heraus gesteuert wird. Pawlow hat damit also bewiesen dass man einen ursprünglich neutralen Reiz (Glocke) zu einem bedingten Reiz konditionieren kann.

 

Mit dem Klicker wurde das in neuerer Zeit mit der heutigen Technik nochmals erwiesen. Hund wurden ganz klassisch "angeklickert", also Click + Futterbelohnung mit mehreren Wiederholungen. Den Hunden wurden Gehrinmesssonden aufgeklebt. Selbst bei einem nur Click (ohne Futterbelohnung) konnte beweisen werden das im Gehrin das Belohnungszentrum über den Glücksbotenstoff Dopamin aktiviert wurde. Einfach ausgedrückt, kann man damit also eine körpereigene glücklichmachende Droge im Gehirn aktivieren.

 

So, nun wieder zurück zur eigentlich kleinen und so einfachen Übung. Sieht so minimal aus, ist bei jedem Hund der etwas Interesse an Futter hat mit einfachsten Mitteln gewiss zu erreichen und ist doch trotzdem so ein mächtiges Instrument :yes: deshalb ist es mir wichtig das sich jeder über den wissenschaftlichen Hintergrund darüber bewusst ist.

Das Ziel der Übung heißt, dass mich mein Hund auf ein akustisches Signal hin anschaut und den Blick hält. Ich verwende dafür ein Zunge-Schnalzen, mit Klicker würde es natürlich auch gehen, aber dann macht man sich halt schon wieder von einem weiteren Gegenstand abhängig. Von einem gesprochenen Wort rate ich eher ab, da dies für den Hund in einer Stresssituation nicht so prägnant aus dem allgemeinen Hintergrundgeschwafele heraussticht.

 

Zu Anfang nehme ich ein gut riechendes Leckerli (z.B. Wiener oder Käse) zwischen Daumen und Mittelfinger (der Zeigefinger ist das Sichtzeichen) und hole mir über den Geruch erstmal die Aufmerksamkeit des Hundes. Dann: NAME, Zungeschnalzen, meine Leckerlihand geht von der Nase des Hundes zu meiner Nase rauf (dabei dreht sich die Hand, der Handrücken zeigt nun zum Hund so dass er das Leckerli nicht mehr sehen kann, die Fingerkuppe des Zeigefingers berührt meine Nase). Der Duft zieht den Blick des Hundes quasi wie an einer Nylonschnur zu meinem Blickkontakt hoch. Während der Handbewegung sage ich freundlich flüsternd ein langgezogenes SCCCCCHHHAU MICH AN. Während des anfänglich nur sehr kurz eingeforderten Blickkontaktes freue ich mich ruhig und bestätige den Hund freundlich ruhig mit einem aus dem Bauch heraus geflüsterten JA! Wenn der Hund jemals ein NEIN für einen Abbruch gehört hat, verwendet zum loben bitte kein FEIN. Wir wollen in diesen ersten Momenten des eingeforderten Blickkontaktes keinerlei Missverständnisse aufkommen lassen das wir darüber sehr zufrieden sind - das Bestätigen während des Blickkontaktes ist sehr wichtig, da sich nicht jeder Hund gleich wohl fühlt wenn ihm sein Halter direkt in die Augen schaut. Auch unsere Körperhaltung ist wichtig und darf dabei nicht bedrohlich wirken - also bitte selbstsicher ruhig aufrecht, nicht über den Hund gebeugt, Gewicht lieber etwas nach hinten verlagert. 

Wenn ich beschließe den Blickkontakt zu beenden, hört der Hund ein OK von mir und erst dann bewegt sich meine Leckerlihand und gibt dem Hund die Belohnung. Und lasst danach bitte die Hände von Eurem Hund ;) er muss jetzt nicht gestreichelt werden - das würde nur Euch belohnen.

 

Es ist dabei völlig egal wo sich der Hund befindet und in welcher Haltung, es geht einzig und allein um den Blickkontakt. Das erwähne ich nur, weil es eine Falle ist in die viele Halter tappen. Am Anfang kommen die meisten Hunde auf ein Zunge-Schnalzen (sie haben noch nicht gelernt was die Übung eigentlich ausmacht und was nicht unbedingt dazu gehört), doch durch kontextbezogenens Lernen und jeder Menge Generalisierung, wird es der Hund irgendwann auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beziehen, nämlich Zunge-Schnalzen und Zeigefinger an der Nase meines Halters heisst Anschauen! Für uns ist das Herankommen zwar wünschenswert, doch das erreiche ich auch aus Distanz ganz einfach indem ich das Leckerli neben mich werfe...er wird sich seine Belohnung schon abholen, doch die Übung ist erfolgreich abgeschlossen. Das ist deshalb so wichtig damit ich ein Aufmerksamkeits-Umlenken später auch aus der Distanz einfordern kann. Wenn ich dann erstmal die Aufmerksamkeit des Hundes habe, sind die Erfolgschancen für das Befolgen eines Kommandos nun mal extrem höher als wie unter fixieren der Ablenkung ein Kommando in den Popo hinein gerufen! 

 

Hier greift also das Prinzip: Was der Hund in den Augen hat, damit beschäftigt er sich auch! Diese kleine Übung ist grundsätzlich ein sehr gutes Hilfsmittel in der Hundeerziehung. Mir ist es wichtig jederzeit die Aufmerksamkeit meines Hundes einfordern zu können, also auch bei den psychisch gesunden Hunden kann es nicht schaden. Aber gerade für die unter Stress leidenden Hunde, kann ich ihm damit mit meiner ruhigen und selbstwussten Haltung DER Fels in der Brandung sein. "Beschäftige dich nicht mit dem großen schwarzen Hund am Horizont, Schau mich an und genieße Deinen Dopaminschuss!"

 

In der Desensibilisierungs Therapie kann es dann wie folgt angewendet werden: Ich lasse den Hund seine Auslösereiz, auf die Distanz die er gerade noch ertragen kann, wahrnehmen. Gleich darauf kommt die Rausholer-Übung, wärhenddessen ich (wenn möglich) die Distanz etwas verringe. Wieder wahrnehmen lassen und auf mich Umlenken. Kurz bevor dann sein Kippschalter am kippen ist, nehme ich den Hund raus und vergrößere wieder die Distanz zum Auslösereiz. Lockere den Hund wieder auf, vielleicht mit einer Massage oder sonstigem was dem Hund gefällt aber NICHT hochpuscht.

So kann man sich in jeder Trainingseinheit etwas mehr dem Auslöserreiz nähern, weil der Hund dem Prinzip der starken Ruhe und Führung vertrauen kann.

 

Zur Desensibilisierungs Therapie empfehle ich unbedingt die Unterstützung eines erfahrenen Trainers, weil das Timing und die Belastbarkeitsgrenze bei jedem Hund anders, aber ausschalggebend für den Erfolg ist!

 

Normalerweise verlange ich ja Geld für sowas :P Das ist mein Dankeschön für Eure Hilfe bei den witzigen Maulkorbsprüchen. Ich hoffe der eine oder andere kann damit etwas anfangen - Eure Hunde werden es toll finden!

 

LG

Gaby

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DANKE VIELMALS!  :danke

Eine tolle, detaillierte Beschreibung - vor allem weil nicht nur die Anleitung, sondern auch warum es wie funktioniert, genau dargelegt ist.

Genau diese Feinheiten, die ausschlaggebend sind, werden sonst selten mitgeteilt - und dann probieren die Leute rum, es klappt nicht und sie erzählen: "Positives Training funktioniert bei meinem Hund  nicht"  ;) ..........obwohl das nicht stimmt, sondern ganz einfach unsauber gearbeitet wurde.

:kuss:  

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Tolle, anschauliche und nachvollziehbare Beschreibung.

Genau so hab ich es /bau ich es bei Jody auch auf.

 

Ich habe es allerdings (bei diesem Hund!) noch mit einer Berührung verknüpft, weil sie das im Außen besser mitbekommt und ich nunmal erstmal auf die Straße muss um in ein ruhigeres Gebiet zu kommen.

 

Danke für die tolle Erklärung nochmal!

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Mit "schau" fangen wir auch immer an. Meine Trainerin legt da  auch großen Wert darauf, dass das immer wieder mit geübt wird. Ich habe da nur Probleme, die flutschigen Käse/Wiener Stückchen zwischen Daumen und Mittelfinger zu halten um den Zeigefinger als Sichtsignal frei zu haben.

Für mich ist das mit ein "Kommando" das ganz wichtig mit ist.

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