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Hundeforum Der Hund
KleinEmma

Kann Hunden etwas peinlich sein?

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Ich weiss es nicht, nur manchmal fürchte ich, wir werden den Hunden nicht gerecht, wenn wir unsere eigene Gefühlswelt für so erstrebenswert halten, dass wir sie ihnen unbedingt überstülpen möchten, was ich natürlich auch mache!

 

:yes:

 

Warum glauben wir Menschen, dass unsere Gefühlswelt so viel bedeutender ist als die der Tiere, so viel fortschrittlicher? Einerseits führt das zu dem was Ninchen schrieb, andererseits aber empfinde ich es immer als ein wenig hochmütig wenn wir konsequent verneinen, dass Hunde oder andere Tiere das auch so empfinden wie wir.

 

Warum soll denn nur dieses eine Säugetier auf den Trichter gekommen sein, dass man anderen Wesen helfen kann? Warum soll nur dieses eine Säugetier angefangen haben sich zu schämen? Warum glauben wir (und wollen es glauben), dass das Schamgefühl so viel anders ist als eine instinktive Reaktion auf eine absurde Situation?

 

Was ist denn an unserem beschämten Lachen, dem schamhaftem Kratzen am Kopf, dem abgewendeten Blick des Menschen sooooo anders als ein einer Beschwichtigungsgeste von Hunden?

 

 

Warum wollen wir denn immer "besser" und anders sein als die Tiere, oder sagen den Tieren eine Reinheit nach die wir Menschen angeblich nicht besitzen?

 

Ich bin nicht sehr religiös, aber von der Geschichte über Adam und Eva, und der Folge des Apfel-Naschens kann ich etwas abgewinnen.

 

Wir als Spezies fingen an uns zu verstehen, unsere Handlungen zu hinterfragen und zu bewerten. Das heißt für mich, wir fingen an uns selbst Regeln aufzuerlegen bezüglich unseres Handeln in der Gesellschaft - etwas was mit SIcherheit sehr wichtig war für den Zusammenhalt. Wir fingen damit aber auch an, die Welt um uns herum zu bewerten, das Handeln der Tiere dem unserigen gegenüber zu stellen - als gäbe es nur entweder-oder.

 

Warum nicht beides?

Warum können nicht Tiere ebenso lieben wie Menschen - oder besser noch: warum ist unsere Liebe anders als die von Tieren? Empfinden monogame Pinguine anders als monogame Menschen? Empfinden fremdgehende Menschen anders als Tiere die jede Paarungszeit einen anderen Partner suchen?

 

Der Unterschied zwischen uns und denen ist aber: selbst wenn wir die gleichen Instinkte noch haben wie die anderen Säugetiere, so sind wir durch das "Naschen vom Baum der Erkenntnis" in der Lage, diese zu hinterfragen und uns im Zweifel ganz bewusst gegen unseren Instinkt zu entscheiden.

 

 

Was aber nicht heißt, dass die Empfindungen und Instinkte die ausgelöst wurden automatisch anders sind als die von einem Tier.

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Da wären wir bei der Frage, warum wir uns für soviel besser halten, dass wir es als "hochmütig" betrachten, wenn wir anzweifeln, dass wir unsere Gefühlswelt auf unsere Hunde übertragen können?

Wichtig ist, dass klar ist, sie haben eine, da bin ich sicher, aber

könnte es nicht auch "hochmütig" sein, ihnen nicht ihre ganz eigene zuzugestehen, die wäre doch nicht weniger wert, wenn sie sich nicht so gänzlich mit der unseren decken würde, im Guten wie im Schlechten?

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Bravo Ninchen,

 

ich habe schon in einigen Ecken der Welt gelebt, oft dort wo andere sehr gerne Urlaub machen...und immer wieder werde ich gefragt wie ist es denn da?

 

Nun es ist einfach anders, weder schlechter noch besser, einfach nur anders.

 

Was man aber wohl mit Fug und Recht behaupten kann ist das unser Gefühlsleben, Dinge komplizierter machen, ob das nun besser oder schlechter ist, sollte wohl jeder für sich selbst bewerten.

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Ich würde mir wünschen, dass mein Hund weniger komplexe Gefühle hat und nicht den Verstand, darüber zu grübeln.

Sonst wäre er ganz alleine mit seinen Enttäuschungen oder Sorgen. Ich möchte nicht, dass er sich jeden Tag Gedanken macht, ob wohl jemand den Napf auffüllen wird und was denn wäre, wenn ich (die den Napf füllt) mal sterbe. Oder dass er verletzt und enttäuscht und traurig ist, wenn ich ihn mal ungerecht behandele (also, ich glaube, dass er das IST, aber immerhin hält es nicht lange an, nach einer Entschuldigung meinerseits ist anscheinend alles wieder gut). Ich möchte nicht, dass er sich schämt, wenn er mal in die Wohnung machen sollte, falls er Durchfall hat (obwohl ich glaube, dass er das täte). Zumindest möchte ich, dass dieses Gefühl sofort endet, wenn ich ihn tröste.

Also, genaugenommen wäre ich auch froh, wenn wir Menschen es damit ein wenig leichter hätten - also Gefühle nur für den Moment zu haben, nicht dauerhaft. Wenn jemandem zB etwas sehr peinliches passiert ist, in Gegenwart von Bekannten, dann denkt er nach nem halben oder einem oder zwei Jahren bei Begegnungen immer noch daran, wie peinlich das war. Das finde ich ganz schlimm, mir tut derjenige dann leid, weil er sich immer noch mit einem Gefühl herum plagt, dass schon längst abgehakt sein sollte.

Und mit Menschen, die man ganz doll liebt, ist es auch so ... da kann was peinliches oder verletzendes passieren, aber wenn man sich wieder in den Arm nimmt, ist es auch wieder gut und man vertraut auf das Wohlwollen des anderen. Mit meiner besten Freundin, mit meiner Mutter und mit meinem Partner ist das so ... aber das sind nur drei von all den Menschen, mit denen ich so umgehe.

Hoffentlich bin ich für meinen Hund so jemand. Bei dem er weiß, es ist alles gut, auch wenn wir mal aneinander geraten. Er soll wissen, dass ich ihn lieb habe und für ihn da bin. Fühlt sich so an, aber wissen kann ich's ja nicht (kann ich bei den Menschen aber schon erst recht nicht, die könnten ja Lügen). Alles in allem verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl, das hat mich bisher noch nie getäuscht.

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Das ist so schön geschrieben, Cartolina und deine Aussagen sind so warmherzig :) 

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Wichtig ist, dass klar ist, sie haben eine, da bin ich sicher, aber

könnte es nicht auch "hochmütig" sein, ihnen nicht ihre ganz eigene zuzugestehen, die wäre doch nicht weniger wert, wenn sie sich nicht so gänzlich mit der unseren decken würde, im Guten wie im Schlechten?

 

Auch wieder wahr.

 

Ich glaube allerdings weniger daran dass es komplett anders ist - dafür sind sich die meisten Säugetieren in ihren chemischen und physikalischen Abläufen doch zu ähnlich. Bei Insekten und vermutlich auch Vögeln, Reptilien, Fischen und Amphibien kann ich mir das hingegen gut vorstellen, diese Tiere sind einfach gebaut als der Mensch. Wobei vermutlich die mit dem fremdesten Gemüt die Insekten wären.

 

Aber das macht ja alles auch nichts, und ich weiß es genauso wenig wie du oder andere hier. Von daher - reine Gedankenspiele meinerseits :)

 

Ich störe mich nur immer mal wieder daran, wenn (und das ist explizit nicht auf dich bezogen, Ninchen, sondern ganz allgemein) die Menschen sich so abheben wollen von der Rest der Säugetierwelt. Wir sind auch "nur" ein Säugetier und unterliegen viel öfter denselben Mechanismen und Reaktionen wie die Tiere als wir uns gerne eingestehen wollen.

 

:)

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Wahrhaftig, Cartolina, sehr schön geschrieben :)

Bei dir möchte man Hund sein!

 

 

Friederike und Christiane

 

eure Gedanken finde ich sehr spannend, nur eines stört mich: die Formulierung "wir /die Menschen".

 

Das ist in meinen Augen ein unzulässiges in-einen-Topf-werfen, denn ich bin überzeugt, dass es ganz viele sehr verschiedene Motive gibt, wenn Menschen versuchen, tierische Gefühle zu deuten, zu verstehen, zu benennen.

 

Der eine mag sich wirklich als die Krone der Schöpfung betrachten, der andere aber mag vielleicht nur versuchen, Ähnlichkeiten zu finden, Parallelen -und auch Unterschiede.

 

Es ist ja nicht unbedingt eine (Ab-) Wertung, wenn jemand zB sagt, dass er Tieren einen komplexen Gedankengang nicht zutraut. Oder ihnen jegliches Verständnis für Moral abspricht.

Dieses Buch über menschliches und hündisches Gefühlsleben ist übrigens ganz klasse, falls es jemand noch nicht kennt ( von der Autorin des Buches "Das andere Ende der Leine")

http://www.amazon.de/Liebst-mich-auch-Gefühlswelt-Mensch/dp/3938071370/ref=asap_bc?ie=UTF8

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Ja, daran störe ich mich natürlich auch, glücklicherweise gehen die Tendenzen heutzutage ja aber, zumindest ansatzweise, schon schrittchenweise in die richtige Richtung.

Ich störe mich jedoch, wenn auch nicht in gleichem Ausmaß, ebenfalls etwas daran, dass wir oftmals dazu neigen, unsere Gefühle, im Guten und im Schlechten, einem Lebewesen anderer Art überzustülpen, als seien die das Maß irgendeines Wertes.

Juliane, da magst du recht haben, nur geht es ja in diesem Fall eben darum, in wieweit "wir Menschen" die Gefühle "der Tiere" mit unseren gleichsetzen können.

Warum und mit welcher Begründung das der einzelne tut und der andere nicht, kann natürlich unterschiedlich sein, trotzdem denke ich, dass es da in menschlichen Gesellschaften allgemeine Tendenzen gab und gibt.

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Der eine mag sich wirklich als die Krone der Schöpfung betrachten, der andere aber mag vielleicht nur versuchen, Ähnlichkeiten zu finden, Parallelen -und auch Unterschiede.

 

 

Das stimmt natürlich. Die meisten Menschen brauchen Bilder um zu verstehen was die Welt ihnen zeigt. Der eine findet diese Bilder in Formeln und Gleichungen, der andere in Texten und Gedichten, aber "mensch" kann sich Dinge nur sehr schwer vorstellen, wenn er kein Bild vor Augen hat.

Wie also können wir uns eine komplett andere Gefühlswelt vorstellen, wenn sie komplett anders ist als unsere?

 

Wie beschreibt man einem Farbenblinden die Farbe Grün?

 

 

Wir brauchen Parallellen um ein gewisses Maß an Vergleich zu haben, zumindest wenn man es sich vorstellen möchte. Natürlich kann man auch sagen "unvorstellbar", und es dabei belassen - was vermutlich sogar richtiger ist. Aber ... so bin ich einfach nicht gestrickt :D Ich brauche meine Parallelen und Bilder um besser zu verstehen, und ich WILL auch besser verstehen.

Das beinhaltet eben auch, Dinge bzw Verhaltensweisen zu benenne und zu umschreiben indem ich als Basis meine eigenen Empfindungen und mir bekannte Dinge wähle.

 

Ich kann mich nicht mal ansatzweise in die Gefühlswelt von Ameisen hinein versetzen, dazu sind sie mir einfach zu fremd. Hunde und andere Säuger haben aber so viele Bewegungen und Verhaltensweisen gemeinsam, dass ich einfach automatisch Parallelen ziehe. Schon die Tatsache, dass wir Menschen artübergreifend auf das Kindchenschema reagieren - dass das Kindchenschema auch bei fast allen Säugetieren vorhanden ist spricht doch dafür, dass wir irgendwo sehr ähnlich gestrickt sind.

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Ob man bei mir Hund sein möchte, naja, sollte ich mal ein Hund werden, wünsche ich mir einen besseren Halter :) ... ich bemühe mich und lerne seit Jahrzehnten immer noch dazu (mein erster Hund, mein absoluter Herzhund möge mir die vielen Fehler verzeihen, er war 17 Jahre lang mein Lehrmeister und musste wohl so einiges wegstecken

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