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Hundeforum Der Hund
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Starkes Leineziehen bei Tierheimhund

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Hallo zusammen

 

Da ich zurzeit keinen eigenen Hund haben kann, engagiere ich mich seit ein paar Wochen in einem Tierheim im Elsass als Freiwillige. Dort sitzt ein Labrador-Mix, bei dem vermutlich noch ein AmStaff drin ist. (Genau weiss man es nicht, da er gefunden wurde, aber er sieht stark nach Staff aus.) Ich mag ihn sehr und würde mich gerne ein wenig um ihn kümmern, da seine Vermittlungschancen aufgrund seiner Rasse sehr schlecht sind.

 

Gestern war ich zum ersten Mal mit ihm spazieren und dabei hat mir der Bursche beinahe die Arme ausgerissen. Er zieht ganz extrem an der Leine und ich hatte zeitweise echt Mühe, ihn zu halten. Für eine kleine Frau wie mich ist es schon fast zu gefährlich, mit ihm rauszugehen, aber ich würde ihm halt trotzdem gerne etwas Bewegung verschaffen.

 

Die Haltungsbedingungen in diesem Tierheim sind leider nicht so rosig wie in den meisten deutschen oder schweizerischen Tierheimen. Die Hund sitzen alle in kleinen Einzelzwingern und kommen normalerweise einmal pro Tag für ein, zwei Stunden in grössere Aussenausläufe (auch immer einzeln). Morgens können Freiwillige mit den Hunden spazieren gehen, aber immer nur für eine halbe Stunde. Kleinere Hund oder solche, die nicht so stark ziehen, kommen natürlich öfters raus als Kandidaten wie der Labi-Staff-Mix. Wenn er ein- oder zweimal pro Woche für eine halbe Stunde rauskommt, ist das vermutlich schon viel. Daher würde ich gerne die Leinenführigkeit mit ihm trainieren, damit er öfters spazieren gehen darf. 

 

Bei meinen zwei eigenen Hunden hatte ich nie ein Problem mit der Leinenführigkeit und kann darum nicht wirklich aus meiner Erfahrung schöpfen. Eine Zeitlang bin ich mit einem Schäferhund aus dem Tierheim spazieren gegangen, der auch recht stark zog, aber bei ihm war es längst nicht so schlimm wie bei dem Hund aus dem Elsass. Die meisten Tipps zur Verbesserung der Leinenführigkeit beziehen sich auf Hunde, die einen Besitzer haben und regelmässige Spaziergänge bekommen. Ein Tierheimhund leidet dagegen meist extrem unter Bewegungsmangel und hat darum sehr viel aufgestaute Energie, die er irgendwie loswerden muss. Daher fällt es mir schwer, Massnahmen anzuwenden wie z.B. Stehenbleiben und erst weitergehen, wenn der Hund nicht mehr zieht, da die Spaziergangszeit so begrenzt ist und ich dem Hund ja auch die Gelegenheit geben will, zu schnüffeln und etwas aufgestaute Energie abzubauen. 

 

Daher habe ich mir nun Folgendes überlegt: Ich besorge dem Hund ein Geschirr und übe die Leinenführigkeit mit ihm im Auslauf. Wenn ich trainieren will, hänge ich die Leine nicht am Halsband, sondern am Geschirr ein und verhindere während dieser Zeit konsequent, dass er zieht, indem ich mich umdrehe und in die andere Richtung gehe, sobald er vor mir ist. Wenn er wieder an mir vorbeipreschen will, drehe ich mich zu ihm um und versuche, ihn zu blocken. Dabei müsste ich vermutlich darauf achten, dass ich nahe am Zaun des Auslaufs entlanggehe, damit er nicht in die andere Richtung ausbricht. Nach dem Training nehme ich ihm das Geschirr wieder ab und korrigiere ihn nicht mehr, wenn er am Halsband zieht. 

 

Was meint ihr, wäre das ein vernünftiger Ansatz? Das mit dem Blocken habe ich selbst noch nie ausprobiert, sondern nur darüber gelesen. Daher wäre ich froh, wenn mir jemand Tipps geben könnte, was ich dabei beachten muss. Ich habe versucht, Videos zu finden, in dem das Blocken eines Hundes gezeigt wird, aber leider war ich nicht besonders erfolgreich. In dem Videos, die ich gefunden habe, war nie so ein extremer Leinenzerrer zu sehen, wie der Labi-Staff-Mix aus dem Tierheim. 

 

 

 

 

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Probier es. Ich hab es auch mal so gemacht, mit dem Umdrehen und "den Hund anrempeln" beim Umdrehen...

 

Tatsächlichen Durchbruch hatte ich allerdings mit einer anderen Methode bei Lemmy ;)

 

Leine hinter dem Rücken führen, mit beiden Händen festhalten, so dass dein Körper der "Anker" ist, mit dem du den Hund hältst wenn er zieht. Gib ihm wirklich nur so viel Leine wie du ihm zugestehen willst - ich würde sagen nur so viel, dass er "bei Fuß" gehen muss, das schließt aber das Geschirr aus, weil das einfach an der falschen Stelle den Hund mit der Leine verbindet. Geht eventuell auch mit Geschirr, muss man gucken - aber ich fand ein breites, weiches Halsband besser.

 

Ich hab mal ein Bild gemalt, dass man sich das vorstellen kann

 

 

 

Wenn er an dir vorbei ziehen will, brauchst du dich nicht umdrehen (und somit deine Bewegungsrichtung verändern) sondern schiebst einfach dein Knie vor ihn, so dass er nicht vorbei kann. Die kurze Leine tut ihr übriges. Dadurch dass du in Bewegung bleibst, habt ihr nicht dieses "Stop-and-Go", sondern alles bleibt im Fluss. Fand ich sehr viel besser umsetzbar. Netter Nebeneffekt: sobald ich jetzt die Leine hinter meinen Rücken nehme und die hände verschränke, geht mein Hund völlig artig, ohne dass ich was sage :D

 

Ach so - es gab kein Kommando. Ich bin einfach gegangen, ohne ein Wort, und wenn ich der Meinung war, Schnüffeln ist jetzt erlaubt hab ich Leine rausgegeben und ihn machen lassen - und sobald wir wieder in Bewegunge waren, kam er wieder kurz.

 

Und: gehen. Gehen gehen gehen in die Richtung in die man will. Nicht ziehen lassen, bei dem Tempo bleiben das man selber gehen will, und NIE den Arm länger werden lassen (Deswegen Hände hinter den Rücken - dann kann man das nicht ohne dass man es merkt)

 

Wenn er darf: bewusst Hände wieder vornehmen.

Wenn er nicht darf: Hände hinten lassen.

 

Gib ihm keine Chance, durch Zug irgendwie besser voran zu kommen. Wenn gar nichts hilft bleib stehen, bis er sich gesammelt hat. Aber auch da gibt es keine Kommandos, einfach nur stehen und dumm in der Gegend rumgucken :)

 

Ich muss sagen, alles andere hat weniger Erfolg gehabt als das. Und mit der Methode waren sowohl Higgins als auch Lemmy in Windeeile gut an der Leine zu führen.

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Vielen Dank für die Tipps, Frederike! Diese Methode hört sich sehr gut an und ist wahrscheinlich auch einfacher umzusetzen als das Blocken (ich bin eh eher ein Körpersprache-Legastheniker ;) ). Ich muss nur schauen, ob ich ihn mit den Armen auch wirklich hinten halten kann. Er ist zwar nicht riesig, wiegt jedoch schätzungsweise 35 kg und ich etwas über 60. Daher sind die Kräfteverhältnisse etwas ungünstig verteilt. Ich denke auch, dass diese Methode mit Halsband besser funktioniert als mit Geschirr, obwohl ein Geschirr natürlich schonender und angenehmer für den Hund wäre. 

 

Ich werde wahrscheinlich nächste Woche wieder ins Elsass fahren und hoffe, dass ich dann die Gelegenheit haben werde, mit Monsieur zu trainieren :) .

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So ähnlich wie Fritzi habe ich mit Blaze auch geübt.

Manuela,

wenn du die Leine um dich herum schlingst, so dass du quasi mit dem Rücken "bremst", dann haben die Arme nicht mehr viel zutun und sind entlastet, besonderes die Schultergelenke.

Ich hatte eine nicht zu kurze, aber auch nicht zu lange Leine so gürtelartig hinten um den Rücken, so dass 1. der Zug des Hundes nach vorn vom Rücken abgefangen wurde und 2. meine Arme eigentlich nur dafür sorgen mussten, dass die Leine wenn sie locker war, nicht von meiner Taille aus wieder runterrutscht. Verstehst du wie ich das meine?

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Ich mach das auch So aber das ist für mich auch blocken ,Hundebewegung durch den Körper bremsen .

Stellt man das Bein raus und dreht sich indie Gegenrichtung finde ich aber auch gut.

Einfach immer mal wieder einstreuen steigert nochmal die Aufmerksamkeit ;)

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Genau BJ, so hab ich dasa auch gemacht! :-)

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Manuela,

wenn du die Leine um dich herum schlingst, so dass du quasi mit dem Rücken "bremst", dann haben die Arme nicht mehr viel zutun und sind entlastet, besonderes die Schultergelenke.

Ich hatte eine nicht zu kurze, aber auch nicht zu lange Leine so gürtelartig hinten um den Rücken, so dass 1. der Zug des Hundes nach vorn vom Rücken abgefangen wurde und 2. meine Arme eigentlich nur dafür sorgen mussten, dass die Leine wenn sie locker war, nicht von meiner Taille aus wieder runterrutscht. Verstehst du wie ich das meine?

Hm, ich bin nicht ganz sicher :think: . D.h. wenn der Hund z.B. links von mir geht, würde ich die Leine von rechts nach links hinter meinem Rücken durchführen und dann mit beiden Händen festhalten?

 

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Ich  glaube, sie meint dass deine Arme nicht wie bei meiner Zeichnung hinter dem Rücken sind, sondern nur die Leine. Du hälst also mit der (zB) linken Hand das Stück Leine, das am Hund fest ist, dann kommt dein Rücken, dann hält die zweite Hand den Rest der Leine fest, so dass du keine Kraft in den Armen (bzw weniger :) )

 

Ich kenne jemanden, die so trailt - sie selber ist so ca 1,58 cm groß und schlank, und trailt mit einem Ridgeback/Dobermann .... der nur "an" oder "aus" kennt, also alles im Volldampf machen will :P  Ohne diese Technik könnte sie ihn gar nicht halten.

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Wenn er ein- oder zweimal pro Woche für eine halbe Stunde rauskommt, ist das vermutlich schon viel. Daher würde ich gerne die Leinenführigkeit mit ihm trainieren, damit er öfters spazieren gehen darf. 

Ich befürchte, so lange sich seine Lebensbedingungen nicht verbessern, wirst du auf Granit beissen, egal mit welcher Technik.

Und selbst wenn du es schaffst, dass er weniger zieht, ist das ja eher personengebunden und heißt nicht, dass andere Leute ihn auch kontrollieren können.

 

Kannst du ihn nicht im Freilaufgelände erstmal auspowern, bevor es los geht? 

Von Tierheimhunden zu verlangen nicht zu ziehen, ist ne harte Nuss. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Tierheimhunde extrem beim Rausgehen ziehen, sich aber dann im Laufe des Spaziergangs entspannen und ansprechbarer werden und bemerken, dass da noch ein Mensch am anderen Ende der Leine hängt.

Ich habe damals einfach improvisiert, habe entweder den Hunden was Leckeres vor die Nase gehalten oder ihnen ein Spielzeug zu tragen gegeben um die erste Meter zu managen.

Draußen während des Spaziergangs habe ich dann Leinenführigkeit geübt und die Orientierung an mir belohnt (viele Richtungswechsel, Schlangenlinien etc..). 

Es ist ultra schwer einen so unausgelasteten, verzweifelten Hund leinenführig zu bekommen, denn seine Grundbedürfnisse werden absolut nicht erfüllt.

Ich bin auch immer mit Geschirr gelaufen, habe aber teilweise für die ersten Meter das 2.Leinenende vorne vor der Brust in den Ring eingeharkt. So konnte ich als damals noch schlankes Mädchen :ph34r: auch die schwersten HSHs ausführen. 

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Schön - das finde ich super! Bazil?  Wobei bei ihm steht nichts von Mix......

 

Zlavia war auch extremste Leinenzieherin (zwei meiner  Finger sind seither "Kaputt"). Sie zieht beim loslaufen die ersten Meter sogar jetzt noch an der Leine - hatte das vorher auch bei keinem Hund (bzw. eben schnell in den Griff bekommen), sie ist ja nun schon drei Jahre hier.  In Ebersheim war sie zwar viel im Auslauf, da konnte sie aber nicht wirklich Energien abbauen. Ohne Leine ging das erste viertel Jahr hier ja eh nicht, hab's dann mit Schleppleine probiert, war auch eine sehr schmerzhafte Erfahrung.

 

Habe dann auch eher leicht geblockt, weil alles andere sie erstmal überhaupt  nicht erreicht hat, später dann mit Rückwärts gehen (umdrehen) und stehenbleiben. Irgendwann hatte ich dann ihren Blick beim stehenbleiben. Mittlerweile ist es zwar deutlich besser aber erst, seit ich es schaffe auch beim loslaufen ihre Aufmerksamkeit zu bekommen (klickern auch das ). 

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