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Hundeforum Der Hund
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Alternativverhalten nach Duoungleich

Empfohlene Beiträge

Hab mich wieder abgeregt.  :rolleyes:

Also: 

Ok - das mit dem Schützen würde ich dann auch ausklammern. Nebenbaustellen will man ja nicht aufmachen, vor allem keine solchen!

 

Es ist schwierig, schriftlich verständlich zu beschreiben, was ich machen würde, weil ich totaler Praktiker bin, das Ganze intuitiv abläuft und ich mir zwar inzwischen halbwegs die dazugehörende Theorien angeeignet habe, um zu verstehen, WAS ich da eigentlich tue - aber noch schwieriger wirds, wenn man eben nicht life sehen kann. Da KANNS nur theoretisierend ausfallen und ich finde das eigentlich unsinnig, aber ich versuchs.

 

Ihr habt ja rein positiv bezüglich Spurensuche erreicht, dass er nahezu immer kontrollierbar bleibt, oder? Wieso sollte das auch nicht mit dem Hetzen möglich sein?

Ist eigentlich dasselbe Prinzip, nur in der Praxis etwas schwieriger umzusetzen, weil Spuren nicht plötzlich rumeiern, Lebendiges aber schon und Hetzen je nach Hund natürlich noch viel selbstbelohnender ist - aber das Prinzip , was im Hund abläuft und wie man Einfluss nehmen kann, bleibt in etwa dasselbe.

Man kann erreichen, dass sich die "Wertigkeiten" verschieben, die Kontrollierbarkeit steigt. 

Und wenn man dann einen gewissen Level erreicht hat, DANN bin ich durchaus keiner, der es verurteilt, je nach Umständen,  JETZT auch über Verbote, die man (minimal) aversiv setzt, den Rest abzusichern. 

Mir machts aber mehr Spaß, es nicht zu tun - weil für mich die gemeinsamen Interaktionen, die sich beim Ausnutzen aller sich ergebenden Situationen auftun, im Vordergrund stehen und die Hunde und ich dabei im Team arbeiten. Ist für mich artgerechte Auslastung, niemand kommt dabei zu Schaden - alle zufrieden.

 

Ich beschreibe mal anhand des Terriers

 

1. Im Moment der Sichtung von Wild, sofort hochwertig loben/bestätigen, um zu verhindern, dass sofort focussiert und alles andere ausgeblendet wird.

 

Meinen Terriermix hab ich sogar anfangs im Focussieren, wenn er schrie und sich wand, bestätigt!

Anfangs durfte man ihn dabei nicht anfassen, weil er dann wild um sich biss. Futter annehmen konnte er noch nicht. Natürlich im ersten Moment auch nicht "hören", aber zumindest wurde das erste, was er beim Abflauen des Austickers wahrnahm: Meine Stimme und die Stimmung und dann Belohnung.

 

Das konnte ich dann nutzen, um an ihm mental dran zu bleiben, um ein vollständiges Ausklinken rauszuschieben, damit das Zeitfenster, wo Umlenken möglich wird, zu vergrößern.

Ziel war zwar, es erst gar nicht zum Austicken kommen zu lassen - aber wenn schon ein hustender Floh ein Schreiattacke mit um sich beißen zur Folge hatte oder sogar die Abwesenheit solcher Flöhe, mal flappsig ausgedrückt, dann braucht man erstmal einen Ansatzpunkt.

 

Das hatte den Effekt, dass er immer mehr auch auf anderes "horchen" konnte, nicht mehr so blitzschnell vollständig so krass abdriftete und endlich checkte, dass wir gemeinsam unterwegs sind. Dann fing er an, auch mal kurz ein Ohr nach hinten zu zucken, wenn er Spur aufnahm oder etwas sichtete. Genau das wurde bestätigt - da fing es dann an, dass er sogar Futter annehmen konnte.

Das wurde "sein Alternativverhalten": ER ist der Anzeiger. Er ist derjenige, der mir und der Hündin sagt, wo was interessant ist. Ich bin diejenige, die dann drauf einsteigt und sagt: feiiiin, das ist Klasse, nun machen wir dies und das. Für ihn ist das ein Teil seines Jagdverhaltens geworden, nämlich uns mit einzubeziehen.

Das Ohrenzucken zur Anzeige haben wir immer weiter ausgebaut, sodass ein Vorstehen draus wurde.

Hat er zuvor absolut nie gezeigt. Das haben wir geformt. Das hab ich auch bestätigt, wenn er in anderen Situationen nur stehenbleib um was anzugucken, auch wenns nicht im Zusammenhang mit Jagdsequenzen war.

 

2. Ein bereits fest etabliertes, positiv aufgebautes Aufmerksamkeitssignal zum Umlenken verwenden, anfangs unter wenig Ablenkung, ohne Wild, je nachdem, wie der Hund ansprechbar bleibt, kommt das zum Einsatz. 

Das haben wir zuvor in allen erdenklichen Situationen spielerisch geübt, wurde fast wie ein Reflex.

Das ist quasi das Signal für: " Du hast angezeigt - jetzt übernehme ich" und er focussiert dann auf mich - weil natürlich auch die Erfahrung immer wieder gezeigt hat, dass selbständiges Hetzen keinerlei Erfolg mehr bringt, bzw. hab ich ihm das unmöglich gemacht und NICHTHETZEN belohnt. Teils mit beruhigenden Massagen, teils mit Futter, teils mit dem Suchen oder auch Hetzen des Futterbeutels.

 

3. Wichtig war dabei, möglichst frühzeitig umzulenken, damit er nicht mehr weiter ins ausschließliche focussieren des Wildes kam - diese Zeitfenster wurden immer länger.

Wir haben uns anfangs vom Wild entfernt und erst gar nicht zugelassen, dass er den Bewegungsreiz des flüchtenden Wildes sehen kann. Ich hab dann aktiv eingeleitet, wieder kurz in Richtung Wild zu gucken, während es flüchtet, und sofort wieder umgedreht, sodass er quasi dieses Flüchten nur am Rande wahrnimmt, während er schon umgelenkt auf mich war - also das Gegenteil wurde da praktiziert, was zuvor ablief, nämlich nur nebenbei mitzukriegen, was Mensch macht, aber 99,9% Aufmerksamkeit auf dem Wild, das die Handlung antreibt - nun bin ich der Antrieb. ........kanns schwer erklären...bitte nachfragen, wenn unklar.

 

Mehr bringt mein Hirn gerade nicht zustande. 

 

Morgen weiter

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Ich speicher lange Texte immer in die Zwischenablage, bevor ich irgendeinen Knopf drücke ;)

 

 

Ok - das mit dem Schützen würde ich dann auch ausklammern. Nebenbaustellen will man ja nicht aufmachen, vor allem keine solchen!

 

Wobei der Gedanke, ihm eine (verantwortungsvolle und sinnvolle) Aufgabe zu erteilen, absolut seinen Reiz hat. Ich hab ihn ja zum Glück noch ne Weile, vielleicht ließe sich daraus tatsächlich etwas basteln ohne den Schutztrieb anzusprechen.

 

 

Es ist schwierig, schriftlich verständlich zu beschreiben, was ich machen würde, weil ich totaler Praktiker bin, das Ganze intuitiv abläuft und ich mir zwar inzwischen halbwegs die dazugehörende Theorien angeeignet habe, um zu verstehen, WAS ich da eigentlich tue - aber noch schwieriger wirds, wenn man eben nicht life sehen kann. Da KANNS nur theoretisierend ausfallen und ich finde das eigentlich unsinnig, aber ich versuchs.

 

Es geht ja hier nicht um eine 1-1 Anleitung :) Offener aber theoretischer Gedankenaustausch zu einem realen "Problem". Deinen Fragen nach gehst du zB teilweise anders vor als ich - beziehst andere Dinge mit ein. Im schlimmsten Fall ist das hier sinnlos, im besten Fall erweitert es den Horizont.

 

 

Ihr habt ja rein positiv bezüglich Spurensuche erreicht, dass er nahezu immer kontrollierbar bleibt, oder? Wieso sollte das auch nicht mit dem Hetzen möglich sein?

 

Zum einen ist die Motivation zu Hetzen um etliches höher, als zur Spurensuche. Natürlich würde die Spurensuche letztendlich zur Hatz führen, beides scheint bei ihm aber nicht so eng "gekoppelt" zu sein wie bei manch anderen Exemplaren. Zum anderen lassen sich die Situationen, in denen er zur Suche angeregt wird, wesentlich leichter und besser "kontrollieren" als diejenigen, welche die Hatz auslösen.

Theoretisch durchaus möglich, aber praktisch, real? Dazu aber weiter unten noch Gedanken.

 

 

 

1. Im Moment der Sichtung von Wild, sofort hochwertig loben/bestätigen, um zu verhindern, dass sofort focussiert und alles andere ausgeblendet wird.

 

Das zB kann ich nicht nachvollziehen. Hochwertige Einwirkung seitens des Halters, damit dieser "aufm Schirm" des Hundes bleibt? Vom Halter kommt was Gutes, also lass ich den nicht (ganz) außer Acht?

So in etwa?

 

 

.. aber zumindest wurde das erste, was er beim Abflauen des Austickers wahrnahm: Meine Stimme und die Stimmung und dann Belohnung.

 

Das kann ich nachvollziehen, war bei mir ebenfalls das Ziel. Anders in der Umsetzung, aber das lässt sich dann hier wirklich schlecht erörtern.

 

Dann fing er an, auch mal kurz ein Ohr nach hinten zu zucken, wenn er Spur aufnahm oder etwas sichtete. Genau das wurde bestätigt - da fing es dann an, dass er sogar Futter annehmen konnte.

Das wurde "sein Alternativverhalten": ER ist der Anzeiger. Er ist derjenige, der mir und der Hündin sagt, wo was interessant ist. Ich bin diejenige, die dann drauf einsteigt und sagt: feiiiin, das ist Klasse, nun machen wir dies und das. Für ihn ist das ein Teil seines Jagdverhaltens geworden, nämlich uns mit einzubeziehen.

 

Interessant :) Ähnlich bei uns - wir gehen gemeinsam "Rehe gucken", Spuren suchen etc. Mit dem, bei uns, netten Vorteil, dass ich ihn eben auch auf Spuren oder Rehe aufmerksam mache, die ihm entgehen. (Und dem Nachteil, dass das seine Fähigkeiten verbessert hat.)

Brachte aber, bis zum Punkt Hatz, den gewünschten Erfolg.

Zu Punkt 2 später noch.

 

 

3....Wir haben uns anfangs vom Wild entfernt und erst gar nicht zugelassen, dass er den Bewegungsreiz des flüchtenden Wildes sehen kann.

 

Wie sah das genau aus? Zug auf der Leine, oder ist er freiwillig gefolgt? Wenn er das Wild zeitgleich oder vor dir gesehen hat, lief das gleich ab?

Es liest sich, als ob du das Wild (stets) vor ihm gesehen hast - andernfalls sieht er ja den Bewegungsreiz?

 

 

Ich hab dann aktiv eingeleitet, wieder kurz in Richtung Wild zu gucken, während es flüchtet, und sofort wieder umgedreht, sodass er quasi dieses Flüchten nur am Rande wahrnimmt, während er schon umgelenkt auf mich war - also das Gegenteil wurde da praktiziert, was zuvor ablief, nämlich nur nebenbei mitzukriegen, was Mensch macht, aber 99,9% Aufmerksamkeit auf dem Wild, das die Handlung antreibt - nun bin ich der Antrieb. ........kanns schwer erklären...bitte nachfragen, wenn unklar.

Das ist mir klar :)

 

 

Hmm, meine "Schwierigkeiten", mal auf den Punkt gebracht:

1.) Die Reaktionszeit zwischen Reiz und Hund startet durch ist (gleichbleibend) zu kurz in der überwiegenden Mehrheit der Fälle. Die Fälle, in denen ich vor ihm reagieren kann bzw Einflußnahme möglich ist, sind jene in denen ich vor ihm den Auslöser bemerke oder große Distanzen bzw schlechte Sicht seine Reaktionszeit verlängert. Das kommt vor, aber im Verhältnis zu allen Fällen deutlich zu wenig.

Theoretisch könnte ich ihm mehrere Meter mehr Leine geben, also etwas mehr Zeit um auf mich zu reagieren. Aus Sicherheitsgründen lehne ich das aber ab.

Mit Yeliz handhabe ich das so, sprich ich gebe extra mehr Leine, wenn Wild in Sicht kommt. Wenn sie anspringt, dann kann sie so auf Signal oder aus freien Stücken stoppen und beidrehen.

Aber sie ist leichter und fällt nicht gleich in den Sprint, sondern springt eher spielerisch an.

 

2.) Und jetzt wirds hauptsächlich theoretisch.

Der Hund zeigt in einer Situation Verhalten X, ist aber in der Lage auch andere Verhaltensweisen zu zeigen.

Die Anzahl der möglichen Verhaltensweisen, die der Hund in dieser Situation zeigen kann, ist beschränkt.

Jede dieser Verhaltensweisen hat eine eigene "Wertigkeit" für den Hund, gemessen zB an Erfolg, Spaß, Anstrengung, Streß - je nach Situation.

 

Will man nun, dass der Hund statt X lieber Y zeigt, dann ist der "leichteste" Fall jener, in dem Y für den Hund ohnehin eine höhere Wertigkeit hat - er hats nur noch nicht ausprobiert.

Durch geschickt eingefädelte Situationen bringt man ihn nun dazu, dass er Y ausprobiert. Der Erfolg wird sich schnell (und nachhaltig) einstellen, weil Y ja viel besser für ihn ist als X.

 

Damit der Hund die Alternative Y besser akzeptiert, kann der gewiefte Halter natürlich die Wertigkeit aufpolieren.

Zudem kann man verhindern, dass X zum Erfolg führt und so dessen Wertigkeit vermindern. Wenn man Glück hat, ist die Situation derart, dass man das Auftreten von X durch geschicktes Management verhindert.

Der Hund greift dann auf andere Verhaltensweisen zurück, diese (beeinflusst durch den Halter) steigen in der Wertigkeit während X zunehmend in Vergessenheit gerät.

 

Kann man mir noch folgen?

Was tut man aber, wenn X für den Hund schlichtweg die hochwertigste Verhaltensweise bleibt? Wenn die anderen Y,W,Zs trotz "Aufpolieren" für den Hund "minderwertig" bleiben, wenn man X nicht in Vergessenheit bringen kann, weil die Situation nicht so kontrollierbar ist?

 

In einer anderen Diskussion (die aber etwas konkreter war), stellte ich die gleiche Frage. Mit der "Totschlagantwort": Dann muss man sich halt mehr anstrengen!

Sprich: Schmeckt dem Hund das Alternativverhalten nicht, dann muss man es ihm schmackhafter machen.

            Führt sein bisheriges Verhalten in irgendeiner Weise noch zum Erfolg, dann muss man besser aufpassen, die Situationen besser planen - oder in eine sterile Umgebung ziehen...

 

 

Das nur mal so als Gedankenspiel, kommt bei mir in Punkto Alternativverhalten öfter mal hoch.

Konkret zurück zu Duman. Bei ihm fallen mir durchaus noch (positive) Ansätze ein, die aber real nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten liegen.

Zum Beispiel die ungeklärte Frage, ob er aus dem Laufen heraus auf Signal stoppen oder beidrehen würde.

 

 

 

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Wobei der Gedanke, ihm eine (verantwortungsvolle und sinnvolle) Aufgabe zu erteilen, absolut seinen Reiz hat. Ich hab ihn ja zum Glück noch ne Weile, vielleicht ließe sich daraus tatsächlich etwas basteln ohne den Schutztrieb anzusprechen.

 

Einen Gedanken ist es sicher wert - kann ja sein, dass sich zufällig etwas passendes ergibt. Ich denke immer möglichst in alle Richtungen. Du kennst ihn, Du scheinst ja auch ein sehr wahrnehmender und spontan kreativer/flexibler  Mensch zu sein. Wie Du in einem anderen Thread schriebst: "Offen bleiben....."

 

Es geht ja hier nicht um eine 1-1 Anleitung :) Offener aber theoretischer Gedankenaustausch zu einem realen "Problem". Deinen Fragen nach gehst du zB teilweise anders vor als ich - beziehst andere Dinge mit ein. Im schlimmsten Fall ist das hier sinnlos, im besten Fall erweitert es den Horizont.

Genau - soll lediglich ein Austausch sein.

 

 

 

Zum einen ist die Motivation zu Hetzen um etliches höher, als zur Spurensuche. Natürlich würde die Spurensuche letztendlich zur Hatz führen, beides scheint bei ihm aber nicht so eng "gekoppelt" zu sein wie bei manch anderen Exemplaren. Zum anderen lassen sich die Situationen, in denen er zur Suche angeregt wird, wesentlich leichter und besser "kontrollieren" als diejenigen, welche die Hatz auslösen.

Theoretisch durchaus möglich, aber praktisch, real? Dazu aber weiter unten noch Gedanken.

Ich lass da den Gedanken bezüglich Kontrolle aussen vor. Darum gehts mir (vorerst) dabei gar nicht, sondern um das etablieren einer Zusammenarbeit, die bestimmte Rituale beinhaltet und die Basis schafft, in höheren Reizlagen darauf zurück greifen zu können.

 

 

 

Das zB kann ich nicht nachvollziehen. Hochwertige Einwirkung seitens des Halters, damit dieser "aufm Schirm" des Hundes bleibt? Vom Halter kommt was Gutes, also lass ich den nicht (ganz) außer Acht?

So in etwa?

Nichtmal so sehr, dass der Halter aufm Schirm bleibt, sondern vordergründig, dass das Focussieren mit der Zeit immer weniger blitzschnell geschieht. Dass der reaktive Zustand ein wenig "Vorlauf" bekommt, anstatt unvermittelt einzutreten. Reaktionsschwelle anheben, rein theoretisch - klappt auch in der Praxis.

Da nehm ich mal wieder das Beispiel mit meiner ehemaligen Spinnenphobie. War echt krass. Schon im Augenwinkel nebenbei wahrgenommene Krabbelbewegungen ließen mein Hirn vom denkenden Zustand in den reaktiven umschalten. Da ging nicht mal bewusstes Beobachten - das Hirn hat Reaktionen ausgelöst, auf die ich keinerlei Einfluss nehmen konnte.

Ähnliches passiert ja auch bei derart hochselbstbelohnendem Verhalten wie dem Hetzen. WENN es ausgelöst wird, ist erstmal Schicht im Schacht.

Also  arbeite ich genau daran: Dass die Auslösereize nicht alleine ins Hirn gelangen, sondern Konkurrenz bekommen UND dass eine Gewöhnung eintritt.

Gewöhnung in dem Sinne, dass mit der Zeit das Hirn den Auslösereiz mit dem anderen Reiz verbindet und der Zugang immer besser aufrecht erhalten bleiben kann. DAS kann man dann nutzen, um rechtzeitig die Hatz zu verhindern UND Belohnendes einsetzen.  Vorher wird ja im reaktiven Zustand nichtmal alternative Belohnung wahrgenommen, aber diese Stufe erarbeite ich ganz gezielt.

Ist wie beim Hausbau das Ausbaggern des Erdreiches, wo mal das Grundfest gebaut werden soll. Also aller Anfang.....

 

Das kann ich nachvollziehen, war bei mir ebenfalls das Ziel. Anders in der Umsetzung, aber das lässt sich dann hier wirklich schlecht erörtern.

 

 

Interessant :) Ähnlich bei uns - wir gehen gemeinsam "Rehe gucken", Spuren suchen etc. Mit dem, bei uns, netten Vorteil, dass ich ihn eben auch auf Spuren oder Rehe aufmerksam mache, die ihm entgehen. (Und dem Nachteil, dass das seine Fähigkeiten verbessert hat.)

Brachte aber, bis zum Punkt Hatz, den gewünschten Erfolg.

Zu Punkt 2 später noch.

 

Ja, mach ich ebenso. War schon mit dem Mäuseln so und auch was Rehe oder Hasen betrifft, fordere ich ihn auf, aktiv zu suchen, wenn ich eine Spur wahrnehme. Allerdings ist mir der Krümel da sehr weit voraus und bewertet sofort: Lohnende Spur oder nicht lohnend. Manchmal denk ich mir, schüttelt er innerlich den Kopf, weil meine Nase gar nicht checkt, dass die Spur schon älter ist und da sicher keine Rehe in der Nähe sind. Wir  gehen auch gemeinsam Rehe gucken, Hasen gucken usw. , Vögel gucken und üben uns was Hasen und Vögel betrifft, inzwischen im gemeinsamen Anschleichen und Aufscheuchen - und sofort Umorientierung IM aktivierten  Hetztrieb.

 

 

 

Wie sah das genau aus? Zug auf der Leine, oder ist er freiwillig gefolgt? Wenn er das Wild zeitgleich oder vor dir gesehen hat, lief das gleich ab?

Es liest sich, als ob du das Wild (stets) vor ihm gesehen hast - andernfalls sieht er ja den Bewegungsreiz?

Die Rehe stehen ja in etwas zu denselben Tageszeiten an denselben Plätzen (auch Hasenwiesen kenn ich, die da supergut geeignet sind) und haben einen gewissen Rhythmus - zumindest unsere "Übungsrehe" rund um den Hof, wo mein Pferd steht. Das nutze ich. Manchmal sehe ich sie zuerst, manchmal er, da steht er kurz vor (hatte ich auch gezielt geformt) 

Ich hab also ganz gezielt nach stehenden Rehen gesucht und dann auch das genutzt, was wir zuvor vorbereitet haben:

Dass er mich immer noch wahrnimmt und empfänglich bleibt, die Distanzen vorerst weit genug gesucht und nach Möglchkeit die Ansprechbarkeit zum Umlenken genutzt, damit erstmal im Hundehirn ankommen kann: Rehe bedeuten NICHT immer gleich Bewegungsreiz als Auslöser für Hetzen.

Also gar nicht erst lange beobachten lassen, sondern vermittelt: "Die sind jetzt gar nicht interessant, wir gehen "da lang".

"Da lang" ist immer eine Richtungsanweisung, die er supergut befolgen kann, ohne Leinenimpulse, solange er noch nicht ausschliesslich reaktiv focussiert.

Das ist ein Ergebnis aus unserer gemeinsamen Mäusejagd, wo er immer vorlaufen durfte und ich ihn mit "da lang" dann zum Richtungswechsel, hin auf ein lohnendes Mäuseloch lenken konnte. Das hat sich bei dem eingebrannt. "Da lang" ist sehr hochwertig für ihn  geworden (auch wenn da inzwischen kein Mäuseln mehr folgt, auch kaum mehr Belohnung. 

 

Natürlich sind die Zeitfenster anfangs minikurz gewesen, wurden aber mit jedem mal länger und er immer ansprechbarer, auch wenn sie sichtbar für ihn wegrennen. Falls er doch knapp vor dem abdriften ist, mach ich einen "Jagdschrei"  (ich krächze fast wie ein Fasan....lach) und das heißt IMMER es gibt Ersatzjagd. Dazu hab ich ihn auf den Futterbeutel angefixt. Ist quasi ein positiv aufgebautes Umlenksignal. 

Es geht auch phasenweise schon  Stopp und auch Platz beim Anblick von flüchtenden Rehen, wobei ich damit sparsam umgehe, weil ichs mir nicht versauen mag.

 

Klar kommts unerwünschterweise immer mal wieder vor, dass ausgelöst wird - da hab ich dann ein ritualisiertes Management. Mit Berührungen (zB sanftes Streichen um den Brustkorb) und keinen Zentimeter in Richtung Wild vor lassen. Sobald Futter angenommen werden kann - "wieder da lang", also woanders hin.

 

 

 

 

Das ist mir klar :)

 

 

Hmm, meine "Schwierigkeiten", mal auf den Punkt gebracht:

1.) Die Reaktionszeit zwischen Reiz und Hund startet durch ist (gleichbleibend) zu kurz in der überwiegenden Mehrheit der Fälle. Die Fälle, in denen ich vor ihm reagieren kann bzw Einflußnahme möglich ist, sind jene in denen ich vor ihm den Auslöser bemerke oder große Distanzen bzw schlechte Sicht seine Reaktionszeit verlängert.

Hab ich das mit dem Beobachten falsch verstanden? Ich hatte das so verstanden, dass er bei Rehen, solange sie nicht laufen, schon einen Augenblick guckt, bzw. erst auf Bewegung hin auslöst?

 

Das kommt vor, aber im Verhältnis zu allen Fällen deutlich zu wenig.

Theoretisch könnte ich ihm mehrere Meter mehr Leine geben, also etwas mehr Zeit um auf mich zu reagieren. Aus Sicherheitsgründen lehne ich das aber ab.

Mit Yeliz handhabe ich das so, sprich ich gebe extra mehr Leine, wenn Wild in Sicht kommt. Wenn sie anspringt, dann kann sie so auf Signal oder aus freien Stücken stoppen und beidrehen.

Aber sie ist leichter und fällt nicht gleich in den Sprint, sondern springt eher spielerisch an.

 

2.) Und jetzt wirds hauptsächlich theoretisch.

Der Hund zeigt in einer Situation Verhalten X, ist aber in der Lage auch andere Verhaltensweisen zu zeigen.

Die Anzahl der möglichen Verhaltensweisen, die der Hund in dieser Situation zeigen kann, ist beschränkt.

Jede dieser Verhaltensweisen hat eine eigene "Wertigkeit" für den Hund, gemessen zB an Erfolg, Spaß, Anstrengung, Streß - je nach Situation.

 

Will man nun, dass der Hund statt X lieber Y zeigt, dann ist der "leichteste" Fall jener, in dem Y für den Hund ohnehin eine höhere Wertigkeit hat - er hats nur noch nicht ausprobiert.

Durch geschickt eingefädelte Situationen bringt man ihn nun dazu, dass er Y ausprobiert. Der Erfolg wird sich schnell (und nachhaltig) einstellen, weil Y ja viel besser für ihn ist als X.

 

Damit der Hund die Alternative Y besser akzeptiert, kann der gewiefte Halter natürlich die Wertigkeit aufpolieren.

Zudem kann man verhindern, dass X zum Erfolg führt und so dessen Wertigkeit vermindern. Wenn man Glück hat, ist die Situation derart, dass man das Auftreten von X durch geschicktes Management verhindert.

Der Hund greift dann auf andere Verhaltensweisen zurück, diese (beeinflusst durch den Halter) steigen in der Wertigkeit während X zunehmend in Vergessenheit gerät.

 

Kann man mir noch folgen?

 

Ja, ich folge bei Fuß....gg....

 

Was tut man aber, wenn X für den Hund schlichtweg die hochwertigste Verhaltensweise bleibt? Wenn die anderen Y,W,Zs trotz "Aufpolieren" für den Hund "minderwertig" bleiben, wenn man X nicht in Vergessenheit bringen kann, weil die Situation nicht so kontrollierbar ist?

 

Mir gehts nicht darum, alleine durch Aufwerten von Verhalten YWZs etwas als Alternative hochwertiger zu machen. Da könnte ich beim Krümel mit eigens für ihn erbeuteten Hasen und Rehen nichtmal an einer Zugmaschine konkurrieren, wenn frei daneben ein Hase oder Reh laufen würde.

Mit mehreren Hunden hat sich für mich inzwischen ergeben: Wenn der wichtigste Baustein fehlt - die Reaktionsschwelle anzuheben, um eine Kooperation aufrecht erhalten zu können, dann wackelt mir das ganze Gebäude und kracht immer wieder zusammen.

Es geht nicht um ein "Vergessen machen" von X, sondern vorerst um ein Umlenken des X mit Hilfe von YWZs auf gemeinsames Tun, was X (alleine ausgelebt) unwichtiger macht, eine Gewöhnung an den ursprünglichen Auslöser stattfindet und darauf aufgebaut das Ganze unter Kontrolle gestellt werden kann. Kontrolle ist der letzte Schritt.

Zeigen und Bennen kann dabei auch als sehr hilfreiches Mittel eingesetzt werden - muss aber nicht.

 

In einer anderen Diskussion (die aber etwas konkreter war), stellte ich die gleiche Frage. Mit der "Totschlagantwort": Dann muss man sich halt mehr anstrengen!

Sprich: Schmeckt dem Hund das Alternativverhalten nicht, dann muss man es ihm schmackhafter machen.

            Führt sein bisheriges Verhalten in irgendeiner Weise noch zum Erfolg, dann muss man besser aufpassen, die Situationen besser planen - oder in eine sterile Umgebung ziehen...

 

Nö - das machts zwar langwieriger und schwieriger, aber nicht immer  unmöglich.

Wobei ich da halt eine ganz andere Einstellung habe: Für mich ist der Weg das Ziel mit dem Krümel - alle anderen Hunde, auch die sehr jagdtriebige Hündin, wurden zuverlässig  sicher  abrufbar am Wild.

Ich sehe da durchaus individuelle Grenzen gesetzt.

Jagdtrieb vergessen machen, auslöschen, ist ein unrealistisches Ziel. Bei den meisten Hunden ist kontrollierbarkeit durchaus realistisch, auch ohne Starkzwang oder irgendwelches aversives Einwirken - bei anderen wiederum bleibt der Rest Unkontrollierbarkeit vorhanden. Nichteinmal Teletak ist eine für immer Absicherung, haben mir einige Jäger eingestanden.

 

 

Das nur mal so als Gedankenspiel, kommt bei mir in Punkto Alternativverhalten öfter mal hoch.

Konkret zurück zu Duman. Bei ihm fallen mir durchaus noch (positive) Ansätze ein, die aber real nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten liegen.

Zum Beispiel die ungeklärte Frage, ob er aus dem Laufen heraus auf Signal stoppen oder beidrehen würde.

 

Das hab ich bei mehreren Hunden erreicht - beim Krümel bin ich mir fast sicher, dass ich das nur äusserst bedingt erreichen kann. Dazu ist sein Schalter zu locker und defekt...gg.....

Er zeigt zwar schon sehr gute Ansätze und  hat sich schon aus dem Losstarten umlenken lassen, auch stoppen - aber wirklich abgesichert sehe ich das auch in der Zukunft bei diesem Hund nicht.

 

Ich würde ganz einfach alles, was real möglich ist, ganz flexibel ausprobieren - und wie weit es führt, ergibt sich.

Alternativverhalten formen ist bei mir nur ein Baustein von einem Großen Ganzen, das sich aus dem gemeinsamen Erleben heraus ergibt.

 

Ich bin ja selten mit dem Kleinen alleine unterwegs. Alleine deshalb, weil die Ömmi auch noch da ist und sie mit zunehmendem Alter Stress mit länger Alleinebleiben hat, sie aber auch leidenschaftliche Jägerin wäre und die Dynamik mit Beiden auch eine Rolle spielt, sind mir auch die Hände gebunden, mit dem Krümel so arbeiten zu können, wie ich das gerne haben würde bzw. wie es der erfolgversprechendere, theoretische Weg wäre.

Da bin ich auch ganz Realist.

Das Leben besteht nicht nur aus Hunden und wir leben nicht im Labor.

Für mich ist jeder einzelne Tag mit Beiden wichtig - nicht ob und wann ich irgendwelche theoretischen Ideale erreicht habe.

 

 

 

 

 

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Und an dieser Stelle klinke ich mich jetzt einfach ein, weil mir das so aus dem Herzen spricht und ich vieles, wenn auch nicht in Bezug auf Jagdverhalten, genau so unterschreiben kann - vor allem die absolute Wichtigkeit des ersten Schrittes. Das hab ich exakt so auch mit Sandor durchexerziert (wieso kannten wir uns damals eigentlich noch nicht, dann wäre ich mir nicht so exotisch und bescheuert vorgekommen!), indem ich dem völlig ausrastenden und schreienden Terrorkrümel die Leberwurst ins Maul gequetscht habe. Und ja, es funktioniert! Man kann auf diese Weise tatsächlich Wahrnehmung und Reaktion so weit entkoppeln, dass man eine Chance hat in die dadurch entstandene Lücke reinzugrätschen.

 

Ganz wichtig finde ich aber auch den Hinweis auf "der Weg ist das Ziel". Sonst geht einem eine Menge Lebenszeit verloren, in der man nur auf den Tag X hinarbeitet, an dem das dann hoffentlich klappt.

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Ich lass da den Gedanken bezüglich Kontrolle aussen vor. Darum gehts mir (vorerst) dabei gar nicht, sondern um das etablieren einer Zusammenarbeit, die bestimmte Rituale beinhaltet und die Basis schafft, in höheren Reizlagen darauf zurück greifen zu können.

Kontrolle meinte ich bezogen auf die Situation, nicht den Hund. Also dass ich diese Situationen relativ leicht so wählen kann, dass weniger Reize vorhanden sind oder weniger intensive. Ich hab also nicht auf nem Wildwechsel oder an einer Futterkrippe begonnen, sondern an Stellen mit wenigen und schwächeren Spuren.

 

Also  arbeite ich genau daran: Dass die Auslösereize nicht alleine ins Hirn gelangen, sondern Konkurrenz bekommen UND dass eine Gewöhnung eintritt.

Gewöhnung in dem Sinne, dass mit der Zeit das Hirn den Auslösereiz mit dem anderen Reiz verbindet und der Zugang immer besser aufrecht erhalten bleiben kann.

Kannst du das beim Terrier mal konkret beschreiben? Was nutzt du als hochwertige Belohnung, wie stell ich mir das vor?

Würdest du genauso vorgehen, wenn der Hund in der Situation ansprechbar ist? Ansprechbar = nimmt wahr, was vom Halter kommt, also nicht gleichzusetzen mit "reagiert auf Ansprache in gewünschter Weise".

 

     

Die Rehe stehen ja in etwas zu denselben Tageszeiten an denselben Plätzen (auch Hasenwiesen kenn ich, die da supergut geeignet sind) und haben einen gewissen Rhythmus - zumindest unsere "Übungsrehe" rund um den Hof, wo mein Pferd steht. Das nutze ich. Manchmal sehe ich sie zuerst, manchmal er, da steht er kurz vor (hatte ich auch gezielt geformt)

Ich hab also ganz gezielt nach stehenden Rehen gesucht und dann auch das genutzt, was wir zuvor vorbereitet haben:

Dass er mich immer noch wahrnimmt und empfänglich bleibt, die Distanzen vorerst weit genug gesucht und nach Möglchkeit die Ansprechbarkeit zum Umlenken genutzt, damit erstmal im Hundehirn ankommen kann: Rehe bedeuten NICHT immer gleich Bewegungsreiz als Auslöser für Hetzen.

Also gar nicht erst lange beobachten lassen, sondern vermittelt: "Die sind jetzt gar nicht interessant, wir gehen "da lang".

Er wollte also anfangs auch hinter stehenden Rehen her?

So in etwa bin ich bei den Fährten vorgegangen.

 

Hab ich das mit dem Beobachten falsch verstanden? Ich hatte das so verstanden, dass er bei Rehen, solange sie nicht laufen, schon einen Augenblick guckt, bzw. erst auf Bewegung hin auslöst?

Das hast du schon richtig verstanden. Nur sehen unsere Begegnungen in der Mehrheit so aus, dass die Rehe eben nicht ruhen und auch nicht sonderlich langsam unterwegs sind.

Um das Verhältnis zu unseren Gunsten zu verschieben, müssten wir uns schon gezielt auf die Lauer legen und hoffen, dass der Wind nicht dreht.

 

Wenn der wichtigste Baustein fehlt - die Reaktionsschwelle anzuheben, um eine Kooperation aufrecht erhalten zu können, dann wackelt mir das ganze Gebäude und kracht immer wieder zusammen.  

Ich glaube, hier reden wir aneinander vorbei. Zum einen geht es darum, die etablierte Verbindung (Reiz->Verhalten X) soweit zu "entkoppeln", dass der Hund auch andere Verhaltensweisen zeigen kann.[ist-Zustand in meinem Besipiel]

Das dürfte automatisch mit einer etwas verlängerten Reaktionszeit einhergehen. Zum anderen ist aber auch eine Verlängerung der Reaktionszeit nötig, damit der (langsame) Mensch überhaupt noch einen "Einwurf" bringen kann.

Der Idealfall wäre wohl, wenn sich die Zeit verlängert, die der Hund auf eine Reaktion des Halters wartet?

 

Jagdtrieb vergessen machen, auslöschen, ist ein unrealistisches Ziel. Bei den meisten Hunden ist kontrollierbarkeit durchaus realistisch, auch ohne Starkzwang oder irgendwelches aversives Einwirken - bei anderen wiederum bleibt der Rest Unkontrollierbarkeit vorhanden. Nichteinmal Teletak ist eine für immer Absicherung, haben mir einige Jäger eingestanden.

Hierzu blieb mir ein Satz in Erinnerung: Man arbeitet mit dem Jagdtrieb, nicht gegen ihn.

 

 

      

Das hab ich bei mehreren Hunden erreicht - beim Krümel bin ich mir fast sicher, dass ich das nur äusserst bedingt erreichen kann. Dazu ist sein Schalter zu locker und defekt...gg.....

Er zeigt zwar schon sehr gute Ansätze und  hat sich schon aus dem Losstarten umlenken lassen, auch stoppen - aber wirklich abgesichert sehe ich das auch in der Zukunft bei diesem Hund nicht.

Das muss man individuell herausfinden. Dem einen fällt es leichter, gleich stehenzubleiben, dem anderen kommt es eher gelegen, wenn er aus der Bewegung abbricht.

Ich würde ganz einfach alles, was real möglich ist, ganz flexibel ausprobieren - und wie weit es führt, ergibt sich.

;) Ganz mein Motto, in gewissen Grenzen. Ich seh den Punkt auch nicht versteift. Entweder findet sich etwas oder nicht.

 

 

    

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Ich lass da den Gedanken bezüglich Kontrolle aussen vor. Darum gehts mir (vorerst) dabei gar nicht, sondern um das etablieren einer Zusammenarbeit, die bestimmte Rituale beinhaltet und die Basis schafft, in höheren Reizlagen darauf zurück greifen zu können.

Kontrolle meinte ich bezogen auf die Situation, nicht den Hund. Also dass ich diese Situationen relativ leicht so wählen kann, dass weniger Reize vorhanden sind oder weniger intensive. Ich hab also nicht auf nem Wildwechsel oder an einer Futterkrippe begonnen, sondern an Stellen mit wenigen und schwächeren Spuren.

 

Also  arbeite ich genau daran: Dass die Auslösereize nicht alleine ins Hirn gelangen, sondern Konkurrenz bekommen UND dass eine Gewöhnung eintritt.

Gewöhnung in dem Sinne, dass mit der Zeit das Hirn den Auslösereiz mit dem anderen Reiz verbindet und der Zugang immer besser aufrecht erhalten bleiben kann.

 

Kannst du das beim Terrier mal konkret beschreiben? Was nutzt du als hochwertige Belohnung, wie stell ich mir das vor?

Meine Belohnungen sind was Futter betrifft das Normalfutter, allerhöchstens mal Platinum.

Hochwertig für später im "Training"  ist auch, den Futterbeutel jagen zu dürfen, etwas weniger hochwertig, weil der Hetzersatz fehlt, das Suchen des Futterbeutels oder ein Zerrspiel mit einem ganz bestimmten Gegenstand. Zerren mach ich in dieser Situation aber eher nicht, weil ich das zusätzlich pusht und er soll ja nicht unbedingt auch noch auf Töten konkret angefixt werden.

Ist ähnlich wie bei Deinem mit dem Schutztrieb, denke ich. Da muss man sorgsam bleiben, um keine Nebenbaustellen aufzumachen und da der Krümel früher sehr gerne die Zähne einsetzte, muss ich nicht alte Verhaltensmuster aktivieren.

 

Würdest du genauso vorgehen, wenn der Hund in der Situation ansprechbar ist? Ansprechbar = nimmt wahr, was vom Halter kommt, also nicht gleichzusetzen mit "reagiert auf Ansprache in gewünschter Weise".

DAS ist der springende Punkt.Solange er nicht ansprechbar ist, ist das keine Belohnung für irgendetwas, sondern einfach nur Konkurrenz für den Auslösereiz und da Futter fressen im Hirnstoffwechsel etwas auslöst, bringt das genau den Effekt: Ausschließliches Focussieren im nicht denkenden, reaktiven Zustand kann beeinflusst werden in Richtung ansprechbar WERDEN und später BLEIBEN.

WENN Ansprechbarkeit vorhanden ist, bzw. zurückgekehrt  ist, wird weiter gefüttert, bis der Hund sich aktiv zum Futter hinwenden kann - ab da ist Umlenken möglich. Da sprech ich noch kein Wort, manipuliere nicht, fütter nur.

Gibt gute Seiten im Net zu Zeigen und Benennen, da ist das detailliert aufgedröselt. Funzt tatsächlich, wenn man das richtig getimet macht. Allerdings wird da auch oft ein Mischmasch draus abgeleitet, der dann wieder zu ABLENKUNG und Locken führt und das ist genau die Gefahr, die besteht und was kontraproduktiv ist, wenn man den Zustand des Hundes beeinflussen möchte von "irre" in normal gegenüber den Auslösereizen.

Vorerst möchte ich eben noch kein Alternativverhalten haben. Zum  richtigen Zeitpunkt - Ja. Aber dieser Zustand ist noch nicht der richtige Zeitpunkt.

 

     

Die Rehe stehen ja in etwas zu denselben Tageszeiten an denselben Plätzen (auch Hasenwiesen kenn ich, die da supergut geeignet sind) und haben einen gewissen Rhythmus - zumindest unsere "Übungsrehe" rund um den Hof, wo mein Pferd steht. Das nutze ich. Manchmal sehe ich sie zuerst, manchmal er, da steht er kurz vor (hatte ich auch gezielt geformt)

Ich hab also ganz gezielt nach stehenden Rehen gesucht und dann auch das genutzt, was wir zuvor vorbereitet haben:

Dass er mich immer noch wahrnimmt und empfänglich bleibt, die Distanzen vorerst weit genug gesucht und nach Möglchkeit die Ansprechbarkeit zum Umlenken genutzt, damit erstmal im Hundehirn ankommen kann: Rehe bedeuten NICHT immer gleich Bewegungsreiz als Auslöser für Hetzen.

Also gar nicht erst lange beobachten lassen, sondern vermittelt: "Die sind jetzt gar nicht interessant, wir gehen "da lang".

Er wollte also anfangs auch hinter stehenden Rehen her?

So in etwa bin ich bei den Fährten vorgegangen.

 

Nicht nur auf stehende Rehe , geschweige denn sich bewegende Objekte wollte der los, sondern schon wenn irgendwas geraschelt hat  (und wenns nur der Wind im Laub war) - Hund hing schreiend, um sich beißend wie irre in der Leine, aber nicht umadressiert zielgerichtet, sondern wie in einem Todeskampf (was seine Ursachen hat, die ich heute weiß) , wand sich aus allem raus. Alleine Geruch oder Sichtung eines Mäuselochs ließ ihn ohne Voranzeichen unansprechbar austicken.  

 

Hab ich das mit dem Beobachten falsch verstanden? Ich hatte das so verstanden, dass er bei Rehen, solange sie nicht laufen, schon einen Augenblick guckt, bzw. erst auf Bewegung hin auslöst?

Das hast du schon richtig verstanden. Nur sehen unsere Begegnungen in der Mehrheit so aus, dass die Rehe eben nicht ruhen und auch nicht sonderlich langsam unterwegs sind.

Um das Verhältnis zu unseren Gunsten zu verschieben, müssten wir uns schon gezielt auf die Lauer legen und hoffen, dass der Wind nicht dreht.

 

Das ist natürlich ungünstig. Wir treffen die oft äsend und sich ruhig bewegend und die lassen uns nahe ran, damit wir sie auslösen können. Teils grasen die sogar im Innenhof beim Pferd - hast ja gesehen, wo.

Auch im Bundeswehrgelände sind die relativ schreckfrei - ideal zum Üben.

 

Wenn der wichtigste Baustein fehlt - die Reaktionsschwelle anzuheben, um eine Kooperation aufrecht erhalten zu können, dann wackelt mir das ganze Gebäude und kracht immer wieder zusammen.  

Ich glaube, hier reden wir aneinander vorbei. Zum einen geht es darum, die etablierte Verbindung (Reiz->Verhalten X) soweit zu "entkoppeln", dass der Hund auch andere Verhaltensweisen zeigen kann.[ist-Zustand in meinem Besipiel]

Das dürfte automatisch mit einer etwas verlängerten Reaktionszeit einhergehen. Zum anderen ist aber auch eine Verlängerung der Reaktionszeit nötig, damit der (langsame) Mensch überhaupt noch einen "Einwurf" bringen kann.

Der Idealfall wäre wohl, wenn sich die Zeit verlängert, die der Hund auf eine Reaktion des Halters wartet?

 

Mag sein, dass wir da aneinander vorbei reden. Ich wuassel einfach mal, was mir dazu einfällt:

Wenn man  auf die Reaktionsschwelle Einfluss hat, und quasi den Schalter von "kippt bei leisestem Windhauch" zu "kippt bei Antippen" formen kann, dann fällt dem Hund viel leichter, andere Verhaltensweisen zu zeigen und die Reaktionszeit verlängert sich zusätzlich mit flacherer Reaktion auf den Auslösereiz.

Boahhhhh, was sind wir gerade theoretisch.....grusel....lach....

 

 

Jagdtrieb vergessen machen, auslöschen, ist ein unrealistisches Ziel. Bei den meisten Hunden ist kontrollierbarkeit durchaus realistisch, auch ohne Starkzwang oder irgendwelches aversives Einwirken - bei anderen wiederum bleibt der Rest Unkontrollierbarkeit vorhanden. Nichteinmal Teletak ist eine für immer Absicherung, haben mir einige Jäger eingestanden.

Hierzu blieb mir ein Satz in Erinnerung: Man arbeitet mit dem Jagdtrieb, nicht gegen ihn. 

Dick markiert, weil  essentiell!

 

 

      

Das hab ich bei mehreren Hunden erreicht - beim Krümel bin ich mir fast sicher, dass ich das nur äusserst bedingt erreichen kann. Dazu ist sein Schalter zu locker und defekt...gg.....

Er zeigt zwar schon sehr gute Ansätze und  hat sich schon aus dem Losstarten umlenken lassen, auch stoppen - aber wirklich abgesichert sehe ich das auch in der Zukunft bei diesem Hund nicht.

Das muss man individuell herausfinden. Dem einen fällt es leichter, gleich stehenzubleiben, dem anderen kommt es eher gelegen, wenn er aus der Bewegung abbricht.

Klar ;) 

 

Ich würde ganz einfach alles, was real möglich ist, ganz flexibel ausprobieren - und wie weit es führt, ergibt sich.

;) Ganz mein Motto, in gewissen Grenzen. Ich seh den Punkt auch nicht versteift. Entweder findet sich etwas oder nicht.

 

:winken: Hoffe, ich habe farblich richtig markiert usw......das wird noch ganz bun:lol:

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Wir grasen hier was ab... Sind bald keine Buchstaben mehr übrig :)

 

Gehen wir nochmal konkret auf einen Punkt ein:

Das hochwertige Bestätigen bei Sicht des Auslösers.

 

Du hast gerade Futter als Mittel beschrieben. Da hackt es jetzt bei mir etwas :)

Bei meinen ist es so: wenn die in einer Situation fressen, dann sind sie auch bereits im ansprechbaren Bereich. Kann aber auch sein, sie fressen nicht (ausspucken) wenn sie sich gerade stark konzentrieren, sind aber dennoch ansprechbar.

 

Wenn dein Terriertier zu Anfang gleich schreiend in der Leine hing, war dann also Notfallmanagement angesagt (hattest du ja schon beschrieben). Und Futter reingeschoben hast du quasi nur, wenn er diesen Punkt noch nicht erreicht hatte.

Hab ich das so richtig auf die Reihe gebracht?

 

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Wie es bei ihrem Terrorterrier war muss sie selbst beantworten, aber: Der erste Schritt kann durchaus auch erfolgen, wenn der Hund schon völlig tickt - anders wäre ich bei meinem Terrorkrümel niemals überhaupt zu irgendwas gekommen. Dort hab ich dem schreienden und austickenden Hund die Wurst einfach ins Maul gequetscht, und er hat anfangs nur reflexmäßig geschluckt um nicht zu ersticken. Und dennoch kam es dann schrittweise durch, zuerst mit der überraschenden Wahrnehmung, das ist ja Wurst!, dann konnte er trotz Aufregung schon bewusst schlucken, und von da an ging es zügig vorwärts dass es ihm immer leichter fiel, seinen Fokus vom Auslöser weg zu nehmen, zunächst mal nur um die Wurst zu fressen. Erster Durchbruch: Es reichte, die Wurst riechbar vor die Nase zu halten, und er konnte den Blick vom Auslöser abwenden. Dieses direkte Eingreifen haben wir so lange durchgezogen, bis es ihm möglich war, bei ausreichendem Abstand auf ein Zeichen hin den Blick abzuwenden und zu schauen, wo die Wurst ist. Und erst DANN fing das normale Shaping an.

 

Jetzt bin ich mal gespannt, ob Duoungleich das genauso gehandhabt hat bzw. handhaben würde - denn bei einem Hund, der auch den Halter ernsthaft beißen würde, ist es ja möglicherweise nicht ganz ungefährlich in solchen Momenten eine Tube ins Hundemaul zu stecken ;)

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Dort hab ich dem schreienden und austickenden Hund die Wurst einfach ins Maul gequetscht, und er hat anfangs nur reflexmäßig geschluckt um nicht zu ersticken. 

 

Das wäre jetzt mal ein schönes Beispiel dafür, wie man einzelne Maßnahmen unterschiedlich bewerten und wahrnehmen kann. 

Ich sehe da Zwang - du nicht? 

Er muss schlucken oder sich wehren und ausspucken. In jedem Fall wird er gezwungen mit seinem Geschrei kurzfristig aufzuhören. 

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Jep, in diesem Fall sicher. Bewusst wehren war für ihn gar nicht drin, dafür war er zu weit abgeschossen. Hätte er sich gewehrt im Sinne von Kopf wegdrehen o.ä. hätte er es ja auch schon wahrgenommen, somit wären wir an einem anderen Punkt gewesen, nämlich Tube vor die Nase halten. Ich hab mir das auch lange überlegt, sah aber nur zwei Möglichkeiten: Entweder, ihm Wurst reinschieben die er erst mal gar nicht richtig wahrnimmt und nebenher abschluckt, weil ein Reflex dafür sorgt, oder ihn an der Leine gewaltsam ein ganzes Stück weit wegschleifen. Das waren die schonendsten Alternativen. Sonst wäre nur möglich gewesen, ihn unter den Arm zu klemmen (zusätzlicher Stressfaktor, gegriffen werden hatten wir auch gerade erst erarbeitet), ihn in der Situation belassen bis zum Kollaps, oder ihn nach vorne in den Kamikazeeinsatz schießen lassen. Ich habe mich also für die Variante entschieden, die ich für die schonendste hielt, ihn nur mit etwas Bewegungsfreiheit festgehalten und auf die Tube gedrückt. Übrigens hat er nicht deshalb mit dem Geschrei aufgehört, sondern "nebenher" geschluckt.

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