Jump to content

Klasse, dass Du unsere große Hunde Community gefunden hast! 

Erstelle in wenigen Sekunden ein Benutzerkonto oder logge Dich noch einfacher mit Deinem Facebook oder Google account ein. 

➡️  Konto erstellen | Login

Hundeforum Der Hund
gast

Für die Traurigen

Empfohlene Beiträge

Es war einmal eine kleine Frau, die einen staubigen Feldweg entlanglief. Sie war offenbar schon sehr alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.

Bei einer zusammengekauerten Gestalt, die am Wegesrand saß, blieb sie stehen und sah hinunter.

Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Decke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau beugte sich zu der Gestalt hinunter und fragte: "Wer bist du?"

Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.

"Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.

"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch.

"Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."

"Ja aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"

"Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"

"Ich..., ich bin traurig", sagte die graue Gestalt.

Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."

Die Traurigkeit seufzte tief.

"Ach, weißt du", begann sie zögernd und auch verwundert darüber, dass ihr tatsächlich jemand zuhören wollte, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest."

Die Traurigkeit schluckte schwer.

"Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: 'Papperlapapp, das Leben ist heiter.' und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: 'Gelobt sei, was hart macht.' und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: 'Man muss sich nur zusammenreißen.' und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: 'Nur Schwächlinge weinen.' und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."

"Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir auch schon oft begegnet..."

Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu."

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.

"Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt."

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin:

"Aber..., aber - wer bist eigentlich du?"

"Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd. "Ich bin die Hoffnung."

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Hallo Sabine,

wirklich wunderschöne, sinnvolle Texte bzw. Gedichte, die Du hier einstellst. Ich bin der Meinung diese sind eine echte Bereicherung fürs Forum. Ich habe mir den Text ausgedruckt und in meine Buch mit Versen und Gedichten gelegt, denn wer weiss, sicherlich hilft er einem anderen auch mal wieder. Mich regen solche Texte immer wieder zum Nachdenken an. Sage einfach nur Danke.

Liebe Grüße

Roswitha :respekt:

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Ja der ist wirklich super schön!!!:sensation

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

So ein schöner Text - DANKE Sabine !!!!!!!!

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Da kann ich mich nur anschließen:clown

Liebe Grüße

Marina:megagrins:moehre

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

DITO.=)

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Ich stimme den anderen zu ein wirklich schöner Text ;)

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Ja wirklich toll! Super schön!

LG Andrea

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Ein ganz wunderbarer Text! Ich liebe solche Geschichten!!!

Danke =)=)=)=):holy:

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Das ist wirklich toll!!! Ich sammle solche Sachen. :danke

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

  • Das könnte Dich auch interessieren

    • Diese traurigen Augen... Ein paar Gedanken

      Was ist, wenn etwas unerwartetes passiert? Was, wenn du aufeinmal in diese Augen blickst.. es sind traurige, einsame Augen... Ein Blick, als würde er fragen: "Warum bin ich hier? Warum ist niemand mehr da?" Und aufeinmal wird es still.... Es heißt immer man solle Tiere nicht vermenschlichen. Doch, wenn wir Tiere nicht so vermenschlichen sollen, dann sollten wir uns selbst mal genauer beobachten. Den so wie manche Menschen Tiere behandeln, werden sie selbst zum Tier. Tiere sind keine Menschen, wir wissen nicht wirklich was in ihren Köpfen vorgeht, aber Tiere sind genauso Lebewesen wie wir, mit Gefühlen und einem Herz. Viele hassen den Vergleich von Kindern und Tieren. Kind und Tier sind in keinster Weise zu vergleichen. Aber in einem Punkt, ist etwas ähnlich. Das Wesen eines Kindes, wird geprägt durch die Erziehung der Eltern. Genau wie bei Tieren; das was sie von Klein auf lernen, merken sie sich. Es gibt nur einen gewaltigen Unterschied; Menschen wissen was sie tun, Tiere aber begreifen in vielen Fällen nicht, was Richtig oder Falsch ist. Ich war letzten Freitag in einem Tierheim und plauderte ein paar Worte mit einer Mitarbeiterin. Ich konnte nicht fassen, aus welchen Gründen oft Tiere abgeben werden... die meisten ausgesetzten Tiere in diesem Heim, haben eine Krankheit, eine Behinderung oder wurden regelrecht mishandelt. Erst diese Woche mussten sie einen 1-jährigen Hund einschläfern lassen. Ein Ohr fehlte, auf einem Aug blind, Pfoten Wund, Körper knochen dürr, Verbrennungen und Narben am ganzen Körper... ausgesetzt in einem Karton, in wahrscheinlich eiseskälte, mit einem Zettel und den Worten: "Hab keine Verwendung mehr dafür" Sie haben alles versucht, doch der kleine Kerl, hatte keine Chance. Seiner Körper war schon viel zu schwach. Weder sie noch ich, konnten die Tränen zurück halten. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, ich war nur noch sprachlos... Wenn man so durchs Tierheim schlendert, sollte man sich vieleicht nur einmal die Frage stellen. Warum sind sie hier? Warum und was mussten sie durchmachen? Die meisten Tiere sind nicht einmal krank, sie wurden nur einfach nicht mehr gewollt... Wenn man überlegt, sich ein Tier anzuschaffen.. sollte man sich 5 bestimmte Fragen stellen. 1. Bin ich bereit immer für dieses Tier dazu sein, egal was kommt? 2. Bin ich fähig, einem Tier all das beizubringen was es noch nicht kann? 3. Bin ich bereit, gewisse Eigenschaften und Charakterzüge eines Tieres zu akzeptieren? 4. Kann ich die Geduld, Zeit und Liebe aufbringen, die dieses Tier erfordert? 5. Will ich es wirklich?

      in Plauderecke

    • Begegnung der traurigen Art ...

      Hallo, ich muß das mal erzählen. Vor ca. 3 Monaten begegne ich mit meiner DSH an der Leine einem DSH Welpen. Er ist 8 Wochen alt und seit 2 Tagen bei den neuen Besitzern und wird von der ca.13 jährigen stolzen Tochter ausgeführt.... Als er Alischa sieht und sie einen Schritt auf ihn zumacht (habe sie nicht hingelassen) fängt er an vor Angst zu schreien. Großes Fragezeichen. Ich begegne ihm noch ein bis zweimal, er bellt sofort wie ein verrückter, wenn er meine Hündin sieht. Sie hat sich immer ruhig verhalten. Vorgestern: Er ist jetzt 5 Monate alt, steht in meinen Augen für sein Alter zu gut im Futter und hat einen ganz komischen Gang hinten, ich könnte wetten, er leidet an HD. Er wird von den Kindern in Begleitung der Großeltern ausgeführt und ist total aggressiv an der Leine gegen meine Hündin. Wir haben sie abgeleint, weil er sich dann angeblich "gut versteht", das sah dann so aus, daß er staändig bellend immer wieder auf Alischa losgestürmt ist um kurz davor umzudrehen. Fell gesträubt, total unsicher. A. hat nur erstaunte Augen gemacht, wir sind dann gegeangen.... In wenigen Monaten wird dieser Rüde möglicherweise 40 kg wiegen und bestimmt nicht weniger aggressiv sein, mal sehen, wer dann mit ihm spazieren geht....... das macht mich so traurig..... LG Kersten

      in Plauderecke


×

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie zu, dass wir Cookies verwenden, um unser Angebot zu personalisieren. Mehr erfahren.